Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1888)
- Date
- 1888-09-20
- Page
- Seite 606 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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606 strahlenden Sonne einer reinen Humanität sieghaft durchbrochen sein werden". — Wir können dem Verfasser für seine humane Gesinnung und den schönen Ausdruck derselben nur unfern Beifall zu erkennen geben. Wenn jedoch Gregor VII. in dem angeführten Schreiben an den Sultan von Marokko die Duldsamkeit gegen Andersgläubige, welche jener Sultan thatsächlich schon erwiesen hatte, und eine gewisse Gleichstellung der beiden betr. Religionen zum Ausdruck bringt: so ist dies für diesen Papst doch nur eine Aeußerung, die als den Umständen entsprechend und von ihnen gefordert, anzusehen. Denn Gregor VII. war von der Bethätigung einer solchen Ansicht stets sehr entfernt, übte vielmehr stets das Gegentheil aus. Wir sehen von den bekannten geschichtlichen Daten ab und wollen nur auf sein Verhalten gegen die Juden Hinweisen, die ihm doch im Glauben noch viel näher als die Muhamedaner standen. Auf seine Veranlassung wurde auf dem Concil zu Rom (1078) als ein kanonisches Gesetz erlasse», daß de» Juden keinerlei öffentliches Amt anvertraut werde. Noch mehr. Als der spanische König Alfonso VI. auf gesetzlichem Wege seinen israelitischen Unterthanen die Gleichheit vor dem Gesetze ertheilt hatte, protestirte hiergegen der Papst und ermahnte den König in einem besonderen Handschreiben aufs Nachdrücklichste, diese Gesetze zu widerrufen, wenn nicht die Strafen der Kirche ihn treffen sollten. Es ist stets ein Anderes gewesen, sich auf Duldung und Humanität zu berufen, wenn es die eigenen Interessen zu vertheidigen gilt, und sich derselben zu erinnern, wo es sich um das Vorgehen innerhalb seines eigenen Kreises handelt. Gregor VII. deshalb „einen Apostel der Duldung" zu nennen, erscheint uns deshalb als eine Uebertreibung, die dieser Bezeichnung nicht würdig ist. Im Gegentheil, Papst Hildebrand ist um so mehr zu verurtheilen, lvcnn er diese edle» Ansichten kannte und doch durch sein ganzes Leben hindurch Unduldsamkeit und Berfolgungssucht zur Richtschnur seines Handelns gemacht hat. An preußischer Officier. Wir kennen die Gründe nicht, welche die „Voss. Ztg." veranlaßt haben, die Erinnerung an den Major Burg zu erneuern, vielleicht um die Grundsätze zu charakterisiren, aus welchen noch heute jüdischen Militärs das Avancement vorenthalten wird, wenn nicht auf dem Schlachtfelde, wie es mehrmals im Kriege 1870/71 geschehen. In früheren Jahrgängen d. Ztg. haben wir dem Andenken des Majors Burg, dessen persönlicher Bekanntschaft wir uns erfreuten, volle Würdigung angedeihen lassen. Jndeß halten auch wir es für nicht unzeitgemäß, den Artikel der „Voss. Ztg." an dieser Stelle wiederzugeben. Ist er doch charakteristisch genug, sowohl für Burg als für den König Friedrich Wilhelm III. Wenn nicht die Situation zur Zeit eine solche gewesen wäre, daß Burg ohne die Beförderung und ohne den Rothen Adlerorden nach den militärischen Gepflogenheiten seine Stelle hätte quittiren müssen und auf diese Weise die anerkannte Wirksamkeit desselben an der Kriegsschule verloren gegangen wäre, wäre jene auch nicht erfolgt. Uebrigens traf jener Grundsatz des Königs Friedrich Wilhelm III., einen Juden ohne Uebertritt zum Christenthum weder im Militär noch im Civil anzustellen oder zu befördern, außer Burg noch recht viele andere jüdische Männer, die sich in dem Befreiungskriege ausgezeichnet hatten, wie das von ihnen erlangte Eiserne Kreuz u. dgl. erwies. Schreiber dieses hatte ein gleiches Beispiel in seiner Familie. Der Artikel lautet: ' „Unter den Berliner Juden, welche die Stellung als Officier in dein preußischen Heere erlangt haben, war einer der bekanntesten der Major Burg. Zu Berlin geboren den 9. Oktober 1789 und eigentlich seinem Beruf nach Feldmesser, trat er am 9. Februar 1813 als Freiwilliger in die Armee, zunächst beim Garde-Normal-Bataillon, dem jetzigen zweiten Garde-Regiment zu Fuß, dann, weil bei der Garde kein Jude dienen durfte, bei der Artillerie. Tüchtig und pflichttreu, erregte er hier sehr schnell die Aufmerksamkeit des Prinzen August, welcher Generalinspecteur dieser Truppe war und ihn selbst zum Bombardier ernannte. Burgs hervorragendes Wissen in der Mathematik hatte sehr bald zur Folge, daß er Unterosfieier und als Lehrer verwandt wurde. Er legte darauf die Osficiersprüfung ab und wurde 1815 durch eine königliche Cabinetsordre vom 18. August zum Secondelieutenant befördert. Auch als solcher war er fortwährend im Lehrfache thätig; als die neue Artillerie- und Ingenieurschule zu Berlin ins Leben gerufen wurde, erwies er sich als eine der bedeutendsten Stützen derselben. Jin Jahre 1822 erschien von ihm ein größeres Werk, betitelt: „Die geometrische Zeichenkunst", welches auch im Auslande solchen Beifall fand, daß eine Uebersetzung in das Französische nothwendig wurde. Prinz August nahm bei dieser Gelegenheit Beranlassung, die Aufmerksamkeit König Friedrich Wilhelms III. auf den jungen begabten Verfasser hinzulenkeu. Bei den bekannten religiösen Grundsätzen des Monarchen war es indessen sehr schwer, ihm eine Beförderung oder auch »ur eine Auszeichnung zu erwirken. Dieser Widerstund wuchs eher, als er nachließ. Lieutenant Burg war seiner Anciennetät nach daran, Hauptmann zu werden; aber statt des erwarteten Patents erhielt er am 6. Januar 1830 folgendes Schreiben: „Ew. Wohlgeboren vorgerückte Stellung in der ersten Artillerie-Brigade hat mich veranlaßt, bei dem königlichen Kriegsministerio anzufragen, in wie fern künftig, mit Rücksicht auf das Gesetz vom 11. März 1812, Ihre Beförderung zum Hauptmann nachgesucht werden könne, wobei