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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-09-13 · Heft 37 (13.9.1888) · p. Seite 589

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 37 (13.9.1888)
Date
1888-09-13
Page
Seite 589 (sequence 13)
Language
German
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589 Amerika. London, 4. Sept. Der „Times" wird aus Philadelphia gemeldet: Im Congreß wird ein Gesetzentwurf eingebracht, nach welchem Consular-Agenten in Europa angestellt und besoldet werden, welche die Aufgabe haben, den Character aller Personen, welche nach Amerika auszuwandern beabsichtigen, kennen zu lernen und die Bedingung zu stellen, daß alle diese Personen drei Monate, bevor sie unter Segel gehen, ihre Absicht, auszuwandern, diesen Consular-Agenten anzeigen. (Wir glauben nicht, daß dieser Antrag zum Gesetz erhoben werde, da sonst die Einwanderung in Amerika zum größten Theile unmöglich gemacht würde und eine solche Abschließung für Amerika selbst mit den größten Nachtheilen verknüpft wäre. Jedenfalls sieht man aber hieraus, wie lebhaft die Agitation'gegen alle Einwanderung in Nordamerika jetzt ist. Daß die Söhne und Enkel derer, welche einst in Amerika Schutz und Zuflucht gesucht, sich jetzt gegen die Einwanderung aufbäumen, ist kein erfreuliches Zeuguiß für die Menschennatur). Marokko. Madrid, im August. Dem marokkanischen Staate drohen neue Gefahren. Der jetzige Sultan ist ausgezogen, um einen aufrührerischen Stamm zu züchtigen. Er hat sich dabei zu weit vor gewagt und steht deshalb in Gefahr, abgeschnitteu und vernichtet zu werden. Man sieht daraus großen Huruhen entgegen und der „Reveil du Marve" in Tanger fordert bereits die Mächte auf, Schiffe zu schicken, um die christliche und jüdische Bevölkerung zu schützen. In Marokko wartet der mohamedanische Pöbel nur auf eine Schwächung der Regierungsgewalt, um über Christen und Juden plündernd und morden) herzufallen. Madrid, 2. Septbr. Neuesten Nachrichten zufolge hat sich der Sultan von Marokko glücklich aus der Mitte der feiudlichen Stämme gerettet und diese zur zeitweisen Unterwerfung, d. h. zur Zahlung von Tribut gezwungen. Es ist deshalb wieder jede Unruhe gewichen und man bereitet sich allseits vor, den Sultan in Tanger festlich zu empfangen, wohin er zu kommen verheißen hat. Auch für unsere Glaubensgenossen ist das Gefühl der Sicherheit zurückgekehrt und die fremden Kriegsschiffe werden nun nicht erscheinen. Bonn, 9. Seprbr. (Notizen). Man schreibt aus Frankfurt a/M.: Die Feuerungshilfskasse für hier nicht eingebürgerte israelitische Arme hat im verflossenen Winter an 290 hier wohnende Familien, 164 Familien in 18 Gemeinden unserer nächsten Uiugebung und eine größere Anzahl alleinstehender Personen Holz und Kohlen vertheilt und dafür Mark 3946 verausgabt. An Jahresbeiträgen empfing sie Mark 2151, au Geschenken, Legatziusen u. s. w. Mark 2297, an Zinsen vereinnahmte sie Mark 1562. Das Vermögen der Kusse betrug am 1. April Mark 39 775. — Aus Neu- Verbüß (Ungarn) wird uns geschrieben: Am 21. v. M. starb hier der emer. Volksschullehrer Joachim Blum inv Alter von 83 Jahren. Derselbe war auf dem Gebiete der Volkserziehung 55 Jahre lang thätig und stand in allgemeiner Achtung, I e u i l1 e t o tt. Kurze Bemerkungen. x. Die Feier der hohen Feste hat wieder einmal in vertrauten Kreisen die Frage auswerfen lassen, warum wohl diese hohen Feste in die Herbstzeit verlegt werden, in welcher sie allerdings bald früher, bald später erschienen? Die andern drei Feste tragen den Grund ihres Zeitpunktes imj Jahre in sich: Peßach ist geschichtlich an den Auszug aus j Aegypten gebunden unb zugleich an den ersten Schnitt des j Getreides, Schabuoth an die Beendigung der Getreideernte und Succoth au den Abschluß der Obst , Wein- und Oellese. Die obige Frage bleibt also nur für das Drommeten- und Versöhnungsfest übrig. Ohne auf die Beantwortung, die wir geben werden, ein besonderes Gewicht zu legen, paßt > sie doch wohl in den Gedankenkreis dieser erhabenen Feste.! — Wer die Gefühle beachtet, welche die Seele des Menschen mit dem Beginn des Frühlings erfüllen, weiß, daß diese gerade in freudigem Ausschwung, im Gefühle der Befreiung von den Einschränkungen und dem Einerlei des Winters in einer Sehnsucht, in einem Verlangen nach außen, in die Ferne enthalten sind. Unser Blick wird durch alle Erscheinungen der Natur nach außen zu diesen gerichtet; Hoffnungen auf die Erträge des begonnenen Wechsels der Jahreszeit erheben uns; die Natur ist auch äußerlich erwacht, der Gesang der Vögel erschallt von allen Seiten, die sprießende Saat, das knospende Laub und alles, was sich hieran reiht, berührt unser Empfinden und iubentificivt uns mit der Natur selbst. Unser Freuden- und Dankgefühl erhebt sich zu dem ewigen Schöpfer all dieses Schönen und Wohlthätigen, und wir schmücken nicht bloß unsere Häuser, sondern auch die Synagogen und die Thvrarollen mit den Kindern des Frühlings. Wie ganz anders, wenn der Herbst eingetreten. Die Winde wehen über die Stoppelfelder, über die Haferstoppelu,

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