Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1888)
- Date
- 1888-09-13
- Page
- Seite 578 (sequence 2)
- Language
- German
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578 eilet sehr. Getöse des Tages des Ewigen! Bittres Geschrei erhebt da der Held. Ein Tag des Grimmes ist selbiger Tag, ein Tag der Noth und Bedrängniß, ein Tag des Schreckens nnd Erschreckens, ein Tag der Finsterniß und des Dunkels, ein Tag des Gewölks und der Wetterwolke. Ein Tag der Drommete und Posaunenklangs über die festen Städte und über die hohen Zinnen! So bedräng ich die Menschen, daß sie wie Blinde irren, weil wider den Ewigen sie gesündigt; ihr Blut wird verschüttet wie Staub, ihr Fleisch wie Koth. Nicht ihr Silber und nicht ihr Gold vermag sie zu retten am Tage des Grimmes des Ewigen, in dessen Eifers Feuer das ganze Land verzehrt wird: denn Drang, ja Untergang bereitet er allen Bewohnern des Landes". — Er ermahnt nun zur Reue, indem er sagt (2, 1): „Durchforschet euch, ja forschet, du sehnsnchtsloses Volk! Bevor das Beschlossene wird — wie Spreu verfliegt die Zeit — bevor des Ewigen Zorngluth über euch gekommen, bevor des Ewigen Zorntag über Euch gekommen! Suchet den Ewigen, all ihr Demüthigen des Landes, die ihr sein Recht geübt, suchet Gerechtigkeit, suchet Demuth, vielleicht, daß ihr geborgen werdet am Zorntage des Ewigen." — Hieraus wendet sich der Prophet noch einmal gegen die Völker der Erde, und sagt (B. 11): „Furchtbar ist der Ewige ihnen, denn er läßt schwinden alle Götter der Erde und vor ihm beugen sich, jegliches von seiner Stätte, alle Eilande der Völker." Was er da von Untergang, von Zertrümmerung ihrer Städte, Paläste und Tempel voraussagt, welche in Zukunft vom Gewilde/ Schaaren aller Thiere bewohnt werden, verkündet: das ist in Erfüllung gegangen im vollsten Sinne des Wortes. Noch einmal hebt er mit Kapitel 3 die Strafrede gen Israel an: „Wehe, Widerspenstige und Befleckte, der gewalthätigen Stadt! Keiner Stimme gehorchet sie, keine Zucht nimmt sie an, auf den Ewigen vertrant sie nicht, ihrem Gotte nahet sie nicht. Ihre Fürsten in ihrer Mitte sind brüllende Löwen, ihre Richter Abendwölfe, lassen zum Morgen nichts übrig. Ihre Propheten muthwillig, Männer des Truges, ihre Priester entweihen das Heilige, thnn der Lehre Gewalt an. Aber der Ewige ist gerecht in ihrer Mitte, übet kein Unrecht, jeglichen Morgen bringt er sein Recht ans Licht, nicht bleibt es zurück; doch kennet der Ungerechte keine Scham". — Allerdings: „Da dacht' ich: nun wirst du mich fürchten, Zucht annehmen, daß deine Wohnstätte nicht ausgerotlet werde, ganz, wie ich es ihr zugedacht — aber wie machten sie frühe sich auf, Böses zu thun in all ihren Handlungen". Und dennoch wirkte das Strafgericht (Vers 9): „Ja, dann werde ich den Völkern die Lippe zu einer lauteren wandeln, Allesammt des Ewigen Namen anznbeten, einmüthig ihm zu dienen." Und dann wendet er sich an Israel (Vers 11): „An selbigem Tage wirst du nicht mehr ob all deinen Thaten erröthen, damit du an mir gefrevelt; denn dann schaff' aus deiner Mitt' ich deine stolzen Prahler und nicht mehr überhebst du dich auf meinem heiligen Berge. Ich lasse in deiner Mitte ein demüthig, geringes Volk zurück, das auf des Ewigen Namen vertrauet. Israels Ueberrest wird Unrecht nicht üben, Lüge nicht reden; in ihrem Munde wird des Truges Zunge nicht gefunden; denn sie weiden und lagern, und Niemand schrecket. Jubele, Tochter Zions, Israeljauchze, freu dich, frohlocke mit ganzem Herzen, Tochter Jeruschalajim's! Hinweggeschaffet hat der Ew'ge deine Strafgerichte, deinen Feind hinweggeräumt; Israels König, der Ewige, ist in deiner Mitte: du wirst kein Nebel fürder schauen. Am selbigen Tage wird man zu Jeruschalajim sprechen: Fürchte dich nicht, Zijon, laß' deine Hände nicht erschlaffen. Der Ewige, dein Gott, er ist in deiner Mitte, ein Siegesheld, er freut mit Lust sich deiner, schweigt in seiner Liebe, er jauchzet dein mit Jubel. Trauernde vom Feste fern, schaff' ich hinweg, sie sind nicht mehr in dir; um deinetwillen Last zu tragen ist Schmach. Sieh' in jener Zeit befeind' ich alle deine Unterdrücker, den Hinkenden helf' ich, und sammle die Zerstreuten, und mache sie zu Ruhm und Preis, da ihre Schmach war auf der ganzen Erde. In jener Zeit führ ich herbei euch, und in der Zeit, da ich euch sammle; denn ich werde euch zu Preis und Ruhm unter allen Völkern der Erde machen, wenn ich eure Gefangenen zurückführe vor euren Augen, spricht der Ewige." — Dies ist das Buch Zephanja's nach seinem Inhalte. Leset und beherziget es. Niemand glaube, daß seine Stunde nicht gekommen, daß sein Geschick nicht in der Hand des Höchsten Lenkers und Vergelters liege. Und den Eindruck der Worte des Propheten nehme er mit sich in das Leben hinüber. Lasset uns eifrig streben, an unserer Seele zu arbeiten, unsere Schwächen und Fehle abzuthun und nach den höchsten sittlichen Zielen vorzudringen, damit wir vor Gott heil werden nnd uns heiligen. Kriefe an einen jungen Theologen. Von Rabbiner Di'. Deutsch in Brüx. I. Mein lieber Freund! Sie haben mich durch Ihren letzten Brief einigermaßen erschreckt, obwohl ich schon zu der Zeit, wo ich Sie in dem Vorsatze, sich der Lehre zu widme», bestärkte, voraussah, daß die Zeit der Anfechtung für Sie noch kommen müsse. Das Leben bietet selbst dem Erfahrensten Ueberraschungen, wie könnten sie dem Jüngling erspart bleiben? Sie wissen, daß ich oft in der Lage war, jungen Leuten, die einen Beruf zu wählen hatten, mit meinem Rathe beizustehen, ganz besonders solchen, die durch Liebe zur Sache, durch fromme Erziehung, oder durch den Wuns ch