Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1888)
- Date
- 1888-09-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudmthums. Ein imvartciiMS Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis Vierteljahr!. SM., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp so» in Donn. Expedition: Leipzig, Kospitakjtraße 2. In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, rn allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 13. September 1888. Nr. 37. lobalt. Leitende Artikel: Zu den hohen Festen. — Briefe an einen jungen Theologen. — DieErgebnisse der Wahl vom 30. August in Berlin. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Stuttgart, Freiburg i. Br., Aus Schlesien. — Oesterreich-Ungarn: Wie". — Frankreich: Baris. —Serbien: Belgrad. — Amerika: London. — Marokko: Madrid. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Kurze Bemerkungen. X. XI. — Kanaan vor dem Einzuge der Israeliten. Sicitc'nbc €Xzti&e(. Bonn, 9. September. Zu de» hohen Festen. 4. Zephanja. Die Religion Israels hat stets den vollsten Ernst, den nachdrucksvollsten Eifer für die Besserung und Läuterung ihrer Bekenner, für die Umkehr zu Gott und einen tugendreichen Lebenswandel geübt und bethätigt. Sie stand nicht an, selbst Furcht und Schrecken in die Seelen zu werfen, um die Herzen der Verstockten zu erschüttern und diese, wenn sanfte Mahnung und Belehrung nichts fruchteten, aus der Besorgniß vor der Vergeltung, vor dem göttlichen Strafgericht von ihrem bösen Wandel zurückzuführen. Niemals jedoch unterließ sie, ihre Strafreden in einer harmonischen Erlösung ausklingen zu lassen und die Zuversicht auf die Barmherzigkeit Gottes zu wecken. Sie hielt selbst dem Schuldhaftesten in jedem Augenblick die Möglichkeit erfolgreicher Rene und die Erlangung der Sündenvergebung offen. Von diesem Geiste sind besonders die Propheten beseelt. Kein Volk der Erde hat jemals solche einschneidende Strafreden, solche Verkündigung nahenden Untergangs, wie das israelitische, aus dem Munde seiner Propheten, vernommen, und furchtlos richteten sie ihre Dounerworte an Könige und Fürsten, an Priester und Volk. Keiner von ihnen aber endete seine Reden anders, als mit der Voraussage, daß durch dieses Strafgericht Israel zur Umkehr bewogen, zur Läuterung geführt und dann durch die göttliche Gnade wiederhergestellt und beglückt werden würde. Noch mehr, sie sprechen es aus, daß dieses Strafgericht sich über alle Völker der Erde erstrecken, daß auch diese durch dasselbe und ganz besonders durch die Wiederaufrichtnng des verfolgten und verachteten Israel belehrt, zur Erkenutuiß Gottes geführt, in dieser sich vereinigen und zu einem einzigen Bunde des Friedens in Recht und Liebe sich zusammenschließen werden. — Wenn Ihr während des Gottesdienstes am Versöhnungstage Euch zu einem Ruhepunkte, zu einer Pause bewogen fühlt, z. B., während der langen Selichoth, welche so vieles von der Barmherzigkeit Gottes, aber nicht genügend von der erforderlichen Buße sprechen — so leset doch das Buch des Propheten Zephanja. Es ist an Umfang klein, besteht nur aus drei Kapiteln, umfaßt nur eine Rede, wenn auch jedes Kapitel mit einer neuen Wendung beginnt. Führen wir uns den Inhalt vor. Der Prophet schaut im Schooße seines Volkes, aber auch bei allen Völkern der Erde, den nahen und den fernen, z. B. Aethiopien und Assyrien, den schnödesten Götzendienst, den finstersten Aberglauben, die schwerste sittliche Entartung, Habgier, Schwelgerei, Ungerechtigkeit und Frevel aller Art. Darüber ergrimmt, kündet er dem Reiche Inda — das Reich Israel war bereits durch die Assyrer zertrümmert und seine Bewohner schmachteteli in der Gefangenschaft — und allen Völkern das Strafgericht Gottes an, einen Tag der Vergeltung, der mit verheerendem Kriege Erdbeben, Sturm und Finsterniß verbinden und wie ehemals die Sintsluth die Menschen vernichten werde. Er ruft aus (1, 14>: „Nah ist des Ewigen Tag, der große, nah und 37