Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1888)
- Date
- 1888-09-06
- Page
- Seite 574 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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574 ist nicht Doctor. aber Justizrath (schon als Abgeordneter im Land- und Reichstag). Or. Louis Umstart. Crailsheim, 26. Aug. Am gestrigen Samstag feierte die hiesige israelitische Gemeinde durch Festgottesdienst die vor 25 Jahren stattgehabte Einweihung der neurestaurirten Synagoge und den damals neueingeführten Synagogenkultus nach der Stuttgarter Liturgie mit deutschem Gebet, Choralgesang und Orgelbegleitung. Damals zählte die Gemeinde nur 20 Familien, jetzt ist sie auf die dreifache Zahl herangewachsen mit über 300 Seelen,' die Nachbargemeinden Goldbach und Jngersheim haben sich aufgelöst und deren Angehörige sind nach Crailsheim übergesiedelt. In Folge dieses Bevölkerungszuwachses wurde hier eine öffentliche israelitische Volksschule eingerichtet und die vor 25 Jahren restaurirte Synagoge ist räumlich für ihre Besucher zu klein geworden. Es wird nicht wieder 25 Jahre anstehen und die Gemeinde wird durch einen Neubau das religiöse Bedürfniß ihrer Angehörigen befriedigen müssen. Die Israeliten in Franke» waren früher in kleineren Gemeinden in der Markgrafschaft Ansbach und im Hohenlohe'schen ansässig; so haben gegen 50 Ortschaften ihre Todten auf dem Friedhofe in dem jetzt bayrischen Grenzorte Schopfloch begraben, woher das bekannte Sprichwort entstanden: „Wegen eines Juden fährt man nicht nach Schopfloch". Dieser Ausspruch soll bei einer Seuche in Wiesenbach bei Blaufelden gefallen sein. In der damals kleinen Gemeinde Crailsheim wurde vor mehr als einem 7-2 Jahrhundert ein eigener isr. Gottesacker gegründet. Die Feier wurde Bormittags in der Synagoge mit Predigt und Gesang würdig begangen und Nachmittags war gesellige Vereinigung im Park. Oesterreich-Ungar». Wien, 23. August. (Privatmitth.) Die Regierung gelangt denn doch zur Einsicht, wie sehr sie gefehlt hat, als sie den Antisemitismus so sehr in die Halme schießen ließ. Während sonst der Staatsanwalt bei der Hand ist, wenn die Journale auf politischem Gebiete Ausschreitungen sich zu Schulden kommen lassen, und von dem bei uns in Oesterreich geltenden „objectivem Verfahren" Gebrauch mache», d. h. das Blatt wird confiscirt; es wird aber dem Autor oder dem Redacteur nicht der Proceß gemacht; ließ man die antisemitischen Journale gewähren. Wahrlich, wenn ein Journal auch nur den hundertsten Theil dessen, was antisemitische Journale täglich gegen Juden und Judenthum schreiben, gegen Protestanten und Protestantismus, oder gar gegen Katholiken und Katholicismus geschrieben hätten, so würde der Staatsanwalt confiscirt und wieder confiscirt haben; würde sich auch veranlaßt gesehen haben, vor dem Gerichte die Sache auszutragen; — den Juden gegenüber huldigte man dem Principe: laisser aller. Nun zeigen sich die Folgen. Als jüngst Herr Georg Schönerer die über ihn verhängte Strafhaft antreten sollte, mußte die Polizei ihre ganze Macht aufbieten, damit Ruhe und Ordnung nicht gestört werden. Der Antisemitismus brachte der Regierung Bortheil im Parlamente, da die Opposition, zu welcher auch die Antisemiten gehören, durch diese noch mehr gespalten wurde. Die Antisemiten aber sind auch Gegner Oesterreichs. Wie bekannt, nannte Schönerer den deutschen Kaiser: „unfern Kaiser"; ein anderer Antisemit wieder versendete jüngst eiu Rundschreiben, den Sedantag in Oesterreich zu feiern. Es ist übrigens die Thatsache bekannt, daß die österreichischen Antisemiten nicht nur keine Patrioten, sondern antiösterreichisch gesinnt sind, und wenn die Regierung auch ferner ein Auge zudrücken wollte, so kann sie dieses Moment um so weniger übersehen, da die höchsten Kreise darüber empört sind. Was unter den gegebenen Verhältniffen dringend noth thut, ist, daß die Juden nicht Holz zum Feuer tragen. Leider wird diese Vorsichtsmaßregel oft außer Acht gelassen. Als Beleg führe ich an: Jüngst heirathete die Tochter eines angesehenen reichen Mannes, der gerne der Armen gedenkt und Herz und Sinn für Juden und Judenthum hat, einen Sohn Albions aus vornehmer Familie, den Gott ebenfalls mit Glückgütern gesegnet hat. Da wußten die Journale über das großartige Trouffeau, über die goldenen und silbernen Gräthe und über den großen Perlen- und Diamantenschmuck rc. zu berichten. Nun, die Leute sind reich und können das alles thun. Wie sehr wird jedoch durch eine derartige Schilderung der Neid erweckt und mit welchem Behagen erzählen die Antisemiten das wieder mit dem Hinweise, daß die Juden alles Geld haben. Unsere Weisen sagen: i’iotri’ Nnrjy ns\ Ich freue mich in der Lage zu sein, auch etwas Erfreuliches mitzutheilen. Herr vr. Georg Pick, Sohn des bekannten Pädagogen hier, vr. A. I. Pick, wurde zum Professor der Mathematik an der Prager Universität mit deutscher Unterrichtssprache ernannt. Gestatten Sie mir noch Folgendes hervorzuheben. Vor einigen Jahren wurde ein Concurs zur Besetzung einer dritten Predigerstelle ausgeschrieben. Hierauf wurde in Ihrer Zeitung darauf hingewiesen, daß die Anstellung eines dritten Predigers, in so lange die Gemeinde nicht ein drittes Bethaus hat, überflüssig sei, und nur dazu führen könnte, Zank und Unfrieden zu stiften. Gegen diese Ansicht wurde zwar remonstrirt; es ist jedoch Thatsache, daß die Predigerfrage eingeschlafen ist. Nun ist die Stelle eines Rabbinatsassessors erledigt, die besetzt werden soll. Da wäre es allerdings wünschenswerth, daß ein Mann gewählt werde, welcher nöthigenfalls den einen oder den anderen Prediger in Verhinderungsfällen in würdiger Weise vertreten könnte. Bonn, 2. Sepl. (Notizen.) Man schreibt aus Hamburg: Die Bestattung des vr. M. Jsler fand unter oußciordeutlicher Betheiligung seitens des Publikums statt. Im