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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-08-30 · Heft 35 (30.8.1888) · p. Seite 558

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 35 (30.8.1888)
Date
1888-08-30
Page
Seite 558 (sequence 14)
Language
German
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558 nuitgett für längere Zeit festgestellt und wirken so auf den j Unter diesen hat uns die richtige Besprechung Mendelssohns Geist der Nation. Dein vorliegenden Werke kann inan mit und Maimonides befriedigt, hingegen sehr wenig der Artikel vollem Rechte eine hervorragende Stelle innerhalb dieses! über Moses. Er ist allerdings als historische Person der Literatnrzweigcs sowohl wegen der Reichhaltigkeit seiner! biblischen Erzählung gemäß aufgefaßt, hingegen ist er als Artikel, als auch wegen der Genauigkeit in deren Behänd-! Gesetzgeber nicht gewürdigt und seine welthistorische Stellung hing, soweit sie in diesem Rahmen möglich ist, zuerkennen.! ganz unberührt geblieben. Wir können dies um so mehr Gerade aus dem von uns angeführten Gesichtspunkte interbedauern, als der „Mosaismus" in fünf Zeilen abgethan essircn uns die das Judenthum betreffenden Artikel besonders, und nur der Name erklärt wird. Auffällig war es uns, da wir gar zu oft über die Unkenntniß und die Vorurtheile! daß einem Gelehrten wie Luzzato keine Stelle gewährt Wördes großen Publicums zu klagen haben. Auch in dem vor-! den. Denen, welche ein Conversations - Lexicon für ihre liegenden Bande sind die hervorragendsten Erscheinungen aus! Büchersammlung erwerben wollen, können wir das Meyer'sche dem Schooße des jüdischen Stammes so ziemlich genügend! aus voller Ucbcrzeugung empfehlen. — Gedächtnißreden aufgefühlt, wenn auch die Darstellung in den meisten Fällen! auf Montefiore (1885), Zacharias Frankel (1875), Lob Back, etwas oberflächlich gehalten ist und auf die tiefere Bedeutung! (1875), Albert Cohn (1877), Leopold Zunz (1886) von der Persönlichkeiten nicht eingegangen wird. Die Lebens-! vr. Samuel Back, Rabbiner zu Senichvw (Prag, Brandeis umrisse werden genau gegeben, aber die höhere Wirksamkeit! 1888). Diese pietätvollen Reden sprechen in würdiger Weise derselben nicht genügend hervorgehoben. Es liegt dies wohl' die dankbaren Erinnerungen aus, welche die jüdische Glauin dem Plan des ganzen Werkes, welches wohl mehr eine! bcnsgenossenschaft für diese ihre geistigen Größen empfindet, praetischc als eine theoretische Auseinandersetzung geben und! Bei der Raschlebigkeit unserer Zeit müssen wir gern diese von allen streitigen Momenten und Hypothesen fern bleiben 1 Erinnerungen immer wieder aufgcfrischt sehen. — Die Ersolltc. Einen Vorwurf wollen wir deshalb dem Verfasser! zählung aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts „die dieser Artikel nicht machen, um so weniger, als er sich in Aufnahme von B. Hause" ist in einer zweiten verbesserten gleicher Weise von allen Vorurtheile» frei hielt. In dem 1 Auflage (Eisenach, Selbstverlag 1888) erschienen. Indem vorliegenden Bande werden Saloinon Maimon, Maimonides, i wir uns auf die Besprechung der ersten Auslage berufen, Moses Mendelssohn, Meyerbeer, Mosenthal, Moses, Moscheles! empfehlen wir das mit Kenntniß der einschlägigen Berhält- und die beiden Munk (Eduard und Saloinon) besprochen.! nisse und angemessener Tendenz geschriebene Büchlein. — Feuilleton. Darmstadt, im August. Einiges Geschichtliche über die Lynagogengesälige. Das siebzehnte Jahrhundert war für die deutsche» Juden ein höchst trauriges, vielleicht das traurigste im ganzen Verlause ihrer Geschichte. Zwar hatten sich die noch immer vorkommendcn Verfolgungen im Vergleiche zu denen der früheren Jahrhunderte in ihrer grausamen Gestalt etwas gemildert; allein die seit dem elften Jahrhundert sich immer wiederholenden massenhaften Austreibungen, Niedermetzelungen und Beraubungen hatten zur Folge, daß die Gemeinden gänzlich in Arnmth, Noth und Elend versanken, und, >vas von großer Wichtigkeit und Bedeutung war, sie hatten dadurch allen Sin» für das Ideale, für geistige Vervollkommnung, verloren. — In Speyer, Worms und Mainz hatten seit vielen Jahrhunderten berühmte Talmudschulen unter dem Namen die Schulen Lothringens bestanden. Als deren Gründer wurde Karl der Große angesehen, da dieser einsichtsvolle kluge Fürst, um die deutschen Juden in geistiger Hinsicht zu! heben, im Jahre 787 u. Zeitr. eine jüdische Gelehrtenfamilie,! den Gesetzeslehrer Kalonymos und dessen Sohn und dessen Messe», nach Mainz verpflanzte, welche den Grund zu dem später an den Rheinufern sich verbreitenden Talmudstudium legte. Die erwähnten Talmudschulen stellten gutgeschulte Jünger aus, die in deutschen Gemeinden als Rabbiner und Lehrer angestellt wurden und sich als ehrliche fromme Männer bewährten. Aber im siebzehnten Jahrhundert waren dieselben gänzlich in Verfall gerathen. Daher kam es, daß wenn eine deutsch jüdische Gemeinde einen Rabbiner austellen wollte, sic sich nach Polen wenden und einen polnischen Juden (einen sog. Pollak) dazu berufen mußte. Bei den polnischen Rabbinc» war der Pilpul vorherrschend. Der Pilpul bestand darin, daß bei jedem Gegenstände des Unterrichts Fragen aufgeworfen, diese durch scheinbare Widersprüche unterstützt und dann wieder durch unerwartete Vergleichungen, oft der gesuchtesten Art, gelöst wurden. Es war nicht mehr die Sachkenntniß, welche zu gewinnen sehr leicht erschien, sondern die Form, welche den Ruhm der Fähigkeit begründete.

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