Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1888)
- Date
- 1888-08-23
- Page
- Seite 539 (sequence 11)
- Language
- German
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539 „Die jüdische Gemeinde Berlin ihrem hochverehrten Lehrer, dem Rabbiner vr. P. F. Frankl." Mit abermaligem Gesang schloß die Feier. — Ferner wird aus Berlin vom 10. Aug. berichtet: Der verstorbene vr. msä. S. Holländer, Vater des Concertmeisters Gustav Holländer, jetzt Lehrer am Kölner Conservatorium der Musik, und des Capellmeisters Victor Holländer, gehörte zur Zeit der Gründung der ersten Sanitätswachen zu den leitenden Aerzten. Bis zu seinem Tode bekleidete er im hiesigen ärztlichen Berufsverein das Amt eines Schiedsrichters. Aus Schlesien gebürtig, entfaltete der Verstorbene schon vor seiner Uebersiedelung nach Berlin in Schlesien eine verdienstliche Wirksamkeit zur Zeit der Typhus- und Cholera - Epidemien. — An der Realschule der israel. Gemeinde von Frankfurt a. Main sind vier ordentliche Lehrer zu etatsmäßigen Oberlehrern an derselben Anstalt befördert und regierungsseitig genehmigt worden, nämlich die Herren Isaak Blum, vr. Theob. Epstein, Gustav Wertheim und Joseph Herz. — Aus Hechingen wird geschrieben: Dieser Tage starb hier der Vater des vielfachen Millionärs 'Nelson Morris in Chicago, Herr Salomo Baisinger, in einem Alter von 83 Jahren. Als Kind armer Eltern hier geboren, hatte er lange mit Mißgeschick zu kämpfen, so daß er seine zahlreiche Familie nur dürftig ernähren konnte, obwohl er sich ehrlich und redlich durchzuschlagen suchte. Im Jahre 1852 schickte er seinen ältesten Sohn Moritz, der damals 13 Jahre alt war, nach der neuen Welt. Doch hatte dieser 10 volle Jahre nichts von sich hören lassen, denn es ging ihm nicht nach Wunsch. Während des Secessionskrieges aber wurde er auf einmal in die Höhe gehoben und von da an gelang es ihm, durch seinen eigenen Fleiß, durch Umsicht und Kühnheit eine Position zu erringen, die ihn in den Kreis jener Großen brachte, die man mit dem üblichen Ausdruck „Eisenbahnkönige" zu bezeichnen pflegt. Sein Vermögen wird auf 50 Millionen und darüber geschätzt. Herr Nelson Morris war die Stütze und der Versorger des Vaters und der Familie geworden. Letzterer besuchte seinen reichen Sohn erst vor 9 Jahren noch als 74jähriger Greis, während Herr Morris hin und wieder seine deutsche Heimath aufsucht. Wie verlautet, will derselbe anläßlich des Ablebens seines Vaters seiner Vaterstadt Hechingen namhafte Stiftungen zu Gunsten der Armen, ohne Unterschied der Confession zuwen' den. — Aus Karlsbad wird uns geschrieben: Herr vr. I- Ziegler, der erst vor einigen Wochen das Landes- Rabbiner-Seminar in Budapest absolvirt hat, wurde zum Rabbiner der hiesigen israel. Gemeinde gewählt. — Der Artillerie - Oberstlieutenant Edgar Wolfs, Unterchef des Stabes des 17. Armeeeorps in Toulouse, ist zum Obersten avancirt. Er ist der Sohn des sei. Isidore Wolff, früher- Advoeat in Saargemünd, vor einigen Jahren als Friedens-! richter in Lonjumeau verstorben. Pest, 9. August. (Literar-historische Notiz.) Herr D. Henriques de Castro, der sich durch seine Untersuchungen auf dem jüdischen Friedhofe zu Ouderkerk, besonders durch sein im Jahre 1865 erschienenes Werk „Sammlung von Grabschriften" um die Geschichte der spanisch-portugiesischen Juden in Amsterdam wesentliche Verdienste erworben, hat neuerdings auf dem Ouderkerker Friedhofe mehrere Grabstätten und Inschriften aufgefunden, welche er in einem Flugblatte „Ad Spinosam* veröffentlichte, und welche interessante Mittheilungen über die Familie S pin o za's enthalten. Michael de Espinosa, der Vater des Philosophen, war, wie wir jetzt erfahren, dreimal verheiratet: Das erste Mal mit Rahel, welche den 5. Adar 5387, d. i. den 21. Februar 1627 starb, das zweite Mal mit Hanna Debora, welche nach etwa zehnjähriger Ehe den 28. Heschwan 5399 — 5. November 1638 aus dem Leben schied, und das dritte Mal mit Esther, die den 22. Heschwan 5413, d. i. den 24. October 1652 das Zeitliche segnete. Benedict de Espinosa oder Spinoza, wie er seinen Namen später schrieb, der den 24. November 1632 geboren wurde, war also beim Tode seiner Mutter Hanna Debora kaum sechs Jahre alt; er zählte noch nicht zweiundzwanzig Jahre als sein Vater, den 18. März 1654, aus dem Leben schied. Daß Benedict in Amsterdam geboren wurde, wie übrigens auch die meisten Biographen annehmen, und nicht, wie Graetz aus einem Antwortschreiben des Philosophen an Albert Burgh eonjecturirt, in Spanien das Licht der Welt erblickte, steht unwiderleglich fest: Michael de Espinosa gehörte seit 1623, also bereits neun Jahre vor der Geburt Benedicts, der Amsterdamer Gemeinde au. Michael hatte außer Sciiebict noch einen Sohn Namens Isaak, der, sehr jung, den 18. Tischri 5410 24. September 1649 starb, und zwei Töchter; die eine, Mirjam, war die Gattin des gelehrten Sophers Samuel de Caeeres, welche den 20. Etul 5411 oder den 6. September 1651, neun Jahre vor ihrem Gatten, das Zeitliche segnete. Als 1656 der Baun über Spinoza ausgesprochen wurde, war von seinen Geschwistern Niemand mehr am Leben, vr. Kayserling. Pest, im August. (Literarische Notiz.) Unter der Redaction des Herrn Ph. Stein und Julius Steinschneider, Sohn des Herrn vr. M. Steinschneider, erscheint im Verlage von M. Schildberger in Berlin unter dem Titel „Das Archiv" eine bibliographische Wochenschrift, welche in regelmäßigen Wochenübersichten Referate über die neuesten Er scheinungen des Büchermarktes und eingehende Besprechungen zu bringen verspricht. 34*