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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-08-23 · Heft 34 (23.8.1888) · p. Seite 538

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 34 (23.8.1888)
Date
1888-08-23
Page
Seite 538 (sequence 10)
Language
German
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538 enthalt zu nehmen, werden sie vom Jahre 1863 ab eine Gilde 1. Classe anstatt 2. Classe zahlen, b) Der § 530, Cap. 3 des Gesetzes vom Jahre 1857 ist vollständig außer Kraft gesetzt; da das Gesetz vom 7. Juli 1860 vorschreibt, daß die fremden Juden nur dann in die Gilde 1. Classe einireteu dürfen, wenn sie ein ausgedehntes Geschäft besitzen und bei allen drei Ministerien um die Erlaubniß zu längerem oder kürzerem Aufenthalt eingekommen sind. e) Der § 197 des Handelsgesetzes (siehe § 529 des Paßgesetzes) hat durch das Gesetz vom 7. Juli 1860 keine Veränderung erfahren und bleibt in Kraft. 6) An Stelle der Bestimmung, welche den Juden im Allgemeinen verbot, in den meisten Städten und Dörfern Rußlands zu wohnen, heißt es in dem Gesetz vom 7. Juli, daß überall Juden wohnen dürfen, wenn sie vorher die Erlaubniß der drei Minister eingeholt, und alsdann in die Gilde 1. Classe eingetreten sein werden. Circularnote des Finanzministers (Nro. 8214 vom 16. September 1866; Nro. 5601 vom 30. Juni 1887). Wenn fremde Juden Industrien, Handel oder Gewerbe ausüben oder Aufenthalt nehmen an irgend welchem Ort, ohne vorherige Erlaubniß der drei Ministerien oder ohne Rücksicht auf das Gesetz, werden sie des Landes verwiesen. Die betreffenden Gouverneure werden die nöthigen Maßregeln treffen müssen, um diese Juden wieder nach ihrer Heimath zurückzuschaffen. Amerika. Cincinnati, 3. August. (Privatmitth.) Am 26. bis 29. Juni fand die jährliche Prüfung des Rabbinerseminars lltzdrsw Union College statt und es wird immerhin interessiren, einige Worte über das Gedeihen und Wirken dieser Lehranstalt zu lesen, welche ja die Pflege der jüdischen Wissenschaft in Nordamerika und die selbständige Ausbildung von Rabbinern und Lehrern für Amerika zum Ziele hat. Es versteht sich, daß bei einer solchen Prüfung der Resultate des Unterrichts es immer darauf ankommt, ob die Examinatoren, welche aus den Fachmännern der Union ausgewählt werden, mit einem gewissen Wohlwollen oder mit absichtlich zu scharfer Kritik an die Prüfung gehen. Wenn wir aber die Namen der drei Männer lesen, welche den von ihnen abgestatteten und jetzt veröffentlichten Bericht über den Prüfungsbefund unterzeichnet haben, nämlich die Herren Richard Gottheit, Dr. L. Wintner und Dr. M. Mochol, so wird man sich überzeugt halten, daß sie unparteiisch urtheilen. Sie rühmen die Fortschritte, welche die Studenten der Anstalt gemacht haben, bei Berücksichtigung des gewaltigen zu überwindenden Materials und der verhältnißmäßig kurzen Zeit. Ganz besonders rühmen sie die Lehrthätigkeit des Dr. M. Mielziner, so wie die Leitung des Instituts durch Dr. I. Wise. In mehreren Fächern wurden der mündlichen Prüfung schriftliche Arbeiten hinzugefügt. Besonders rühmen die Examinatoren die Erfolge des Unterrichts in den eigentlichen talmudischen und rabbinischen Zweigen. Befriedigt wurden sie auch in der jüdischen Geschichte und Literaturgeschichte. Betreffs der Religionsphilosophie fanden sie die Schüler im More Nebuchim gut bewandert, sowohl in der Auffassung der Gedanken als in der Sprache. Mit Befriedigung notiren sie die Leichtigkeit, mit welcher sämmtliche Hörer die biblischen Schriften übersetzten. Allerdings meinen sie, daß die hebräische Grammatik und der schriftliche Ausdruck im Hebräischen noch mehr cultivirt werden müßten, da dieses Studium zum richtigen Verständniß der biblischen Texte durchaus nothwendig sind. Zum Schlüsse des Berichts fügen sie die Wünsche hinzu, daß das Studium der deutschen Sprache noch eifriger betrieben werde, da die moderne jüdische Literatur zumeist in deutscher Sprache abgefaßt sei und werde. Ferner erachten sie für nothwendig, daß die jüdische Ethik selbständig und systematisch vorgetragen werde. Endlich halten sie für vortheilhaft, daß die Einrichtung getroffen werde, durch welche es Rabbinern, Lehrern und Vorbetern gestattet werde, bisweilen 8 oder mehrere Tage den Kursen in der Lehranstalt beizuwohnen, wodurch auch die Bekanntschaft der Studenten mit solchen Männern und dadurch mit den Forderungen des wirklichen Lebens gefördert werde. Wir wissen nicht, ob dieser letzte Wunsch, wenn er ausgesührt würde, wirklich Nutzen schaffen werde und ob nicht dadurch die Aufmerksamkeit der Studirenden abgelenkt und zerstreut würde. — So viel ist gewiß, daß unsere Anstalt durchaus zweckmäßig arbeitet und einer gedeihlichen Zukunft entgegengeht. Bor einiger Zeit trug man sich in New-Aork mit dem Plane, auch dort ein Rabbinerseminar zu gründen. Man hat aber nichts weiter davon gehört. Bonn, 19. Aug. (Notizen.) Man schreibt aus Berlin vom 10. August: Heute Vormittag 101 /-2 Uhr versammelten sich auf dem jüdischen Friedhofe in Weißensee zahlreiche Freunde und Verehrer des vor einem Jahre im blühendsten Mannesalter verschiedenen Rabbiners Dr. Frankl zur feierlichen Enthüllung eines Grabdenkmals. Der Vorstand der Berliner Gemeinde war durch die Herren Geh. Commerzienrath Herz, Commerzienrath Jacob und die sonst in Berlin weilenden Mitglieder vertreten. Nach einem Gesänge feierte Rabbiner Dr. Ungerleider das Andenken des Verewigten durch eine Rede, worauf das Denkmal enthüllt wurde. Auf einem einfachen Granitstein stehen die Worte:

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