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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-08-23 · Heft 34 (23.8.1888) · p. Seite 533

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 34 (23.8.1888)
Date
1888-08-23
Page
Seite 533 (sequence 5)
Language
German
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533 welche die Bezeichnung y ayla yrj 2. Makkab. 1, 7 und rj legä %(oqu Philo II p. 594 aufbrachten. Ungefähr ein Jahrtausend bewohnte Israel dieses Land als ein freier unabhängiger Staat; nach dem Exil etwa 6 Jahrhunderte unter der Oberherrschaft der Perser, der Macedonier und Syrier, dann unter eigenen Fürsten und zuletzt unter dem römischen Joche, welches das Volk zum blutigen Kampfe um seine Freiheit und die Unantastbarkeit seiner Religion aufstachelte, ein Kampf, welcher den Untergang des nationalen Bestandes herbeiführte und zuletzt die Austreibung der jüdischen Bevölkerung aus ihrem Lande. Allein ein großer Theil der jüdischen Masse war schon bei der Rückkehr aus dem Exile in den babylonischen Ländern zurückgeblieben und seit der letzten Hälfte des vierten Jahrhunderts vor der gew. Zeitr. fand eine starke Auswanderung statt, so daß bei dem Falle Jerusalems sich bereits in allen Theilen der damaligen Welt jüdische Colonien, zum Theil sehr große Gemeinden, befanden. Bald hatten diese Spanien, Gallien und Germanien erreicht, wie einzelne Splitter dieses merkwürdigen Volkes bis in die Mitte Afrikas und in die Süd- und Ostländer Asiens drangen, und noch jetzt, freilich in sehr verwischten Zügen, in den Falaschas und in China gefunden werden, j So vergingen bis jetzt 18 Jahrhunderte in einer völligen! Zerstreuung; wo sich eben die einzelnen Gruppen nach Tau-! senden oder bis unter zehn sich zusammenfanden, bildeten sie Gemeinden zur Erhaltung ihrer Institutionen. So wurde! das Judenthum durch die Zerstörung des Tempels in religiöser, und durch die Austreibung und die Ansiedlung in allen Ländern in nationaler Beziehung vom h. Lande losgelöst. Der Bestand der Religion und die Ausübung ihrer Satzungen hingen in keiner Weise mehr von diesem Lande ab; die Stürme, welche seitdem über dasselbe ergingen, betrafen nur die geringe Zahl von Juden, welche gerade in Palästina weilten, und die Verfolgungen, welche sie in den Ländern zu erleiden hatten, standen in keiner Beziehung mit dem Lande ihrer Väter. Dennoch blieb das Land der Väter in der Erinnerung und Verehrung diesem zersplitterten Stamme in allen Ländern theuer und geheiligt. In ideeller Beziehung wären im Geiste die Augen dieser Bolsmenge nach jenem Lande gerichtet, wo einst ihre Heiligthümer standen, ihre Propheten und Lehrer wandelten, ihre Tapferen stritten und für den Besitz des Landes, für die Freiheit der Nation und der Religion bluteten, und wohin die tradirte Verkündigung die von allen Säumen der Erde wieder gesammelte Nation unter einem siegreichen Messias zurückkehren ließ. Am charakterischsten drückt sich diese unerschütterliche Liebe zum Lande der Väter in dem Volksglauben aus, der auch im Talmud Ausdruck findet, daß die außerhalb Palästinas gestorbenen Israeliten zur Zeit der Auferstehung unter der Erde nach dem heiligen Lande rollen und daselbst ihre Seelen wieder empfangen werden Kethub. III, 1. jer. Keth. XII, 35 a), was dadurch erleichtert werde, wenn dem Todten etwas palästinische Erde unter den Kopf gelegt wird. Dies hinderte aber niemals die jüdische Masse, sich in die Länder einzuleben, in welche das Geschick sie geführt, die Sprache der Völker als Muttersprachen anzunehmen und sich den Verhältnissen und Sitten anzupassen, soweit es nur ihre religiösen Satzungen gestatteten. Ja, je mehr ihnen in diesen Ländern bürgerliche Freiheit und die Theilnahme am politischen und geistigen Leben gewährt wurde, sind sie stets von Vaterlandsliebe, vom nationalen Sinn und von dem Culturstreben ergriffen und für die Bethätigung dieser Gefühle eifrig gestimmt worden. — Was läßt sich nun von der Idee, im heil. Lande wieder eine jüdische Nationalität, einen jüdischen Staat aufzurichten, halten? . . . Wir antworten entschieden: unter den gegenwärtigen Verhältnissen nichts! Zwei Momente stehen derselben unüberwindlich gegenüber. Das erste liegt in der jüdischen Volksmasse selbst. Wer von ihr einen nur irgend befriedigenden Erwerb, eine irgendwie gesicherte bürgerliche Stellung besitzt, wird das ihm theure Vaterland und die heimischen, lieb gewordenen Verhältnisse nicht verlassen wollen, um in ein ungewohntes Klima, in völlig fremde Umgebung und in die unsicherste Lage von der Welt sich hinein zu begeben. Daher würde sich nur der ärmere Theil der jüdischen Masse bewogen finden, nach Palästina auszuwandern, und selbst ein etwaiger unerträglicher Druck würde die bemittelten Classen eher nach anderen Ländern drängen, wo sie eine ruhigere Stätte und Verwendung ihrer intellectuellen und gewerblichen Kräfte erhoffen können. Wo sollen nun die finanziellen Mittel gefunden werden, um eine größere Masse armer Menschen mtt Frauen und Kindern und Greisen nach Asien zu transportiren, und wenn sie dort angelangt sind, viele Jahre zu unterhalten, bis sich die, jetzt unmöglich erscheinenden Erwerbsquellen für sie eröffnet haben? Hierzu kommt die Verschiedenheit der Sprachen, so daß sie sich, da das Hebräische der Mehrzahl unbekannt ist, unter einander nicht verstehen können. Als die Israeliten aus Egypten zogen, waren sie als eine nach Millionen zählende Nation, als eine Einheit zusammen, warfen sich mit den Waffen in der Hand auf die Bewohner des ihnen verheißenen Landes und eroberten es. Als die Exulanten aus Babylon nach dem Lande der Väter zurückkehrten, waren sie nur etwas über ein halbes Jahrhundert von demselben entfernt gewesen und besetzten ein der Bewohner beraubtes Land, das sie nur wieder in Besitz zu nehmen, von Neuem zu bearbeiten und in welchem sie nur die Trümmerstätten wieder zu Wohnungen umzugestaltm brauchten. Wie anders jetzt. Jedes Stückchen Land, das die Rück kehrenden sich aneignen wollen, muß erkauft werden, und schon jetzt steigt der bisher sehr wohlfeile Bodenwerth mit

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