Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-08-16 · Heft 33 (16.8.1888) · p. Seite 524

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 33 (16.8.1888)
Date
1888-08-16
Page
Seite 524 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227717-3227751--45538-3265057
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

[ja 524 II t;;t i ein geringer Theil dessen, was vorhanden war. Auch die Herren des Talmuds liebten es, solche Aussprüche als Resultat ihrer Lebenserfahrungen kundzugeben, und wir besitzen daran einen großen Schatz. Aber auch jetzt noch ist dieser Hang in uns lebendig, und da schuf er unter Anderem folgendes Heftchen, das wir der Aufmerksamkeit empfehlen: ■ctr (Warschau 1887). Verfasser ist S. S. Hurwitz, und er giebt seinem hebräischen Schriftchen den deutschen Nebentitel: „Aphorismen fürs praktische Leben, Geist und Herz." Eigenthümlich ist, daß die ersten Capitel mit Sprüchen über Handel und Wandel, Kaufen und Verkaufen, Geschäftsleben ausgefüllt sind, Sprüche, welche für den Geschäftsmann jeder Branche und Klasse wohl zu beachten wären, sowohl um redlich zu bestehen, als auch zu günstigen Erfolgen zu gelangen. Bald aber geht der Verfasser auf alle Lebensverhältnisse und Angelegenheiten des Herzens über. Wir begegnen recht feinen Beobachtungen und überall kommen Biederkeit, Recht und Gottesfurcht zum Ausdruck. Die Sprache ist meist kernig, bisweilen glücklich gewählt. In einem Anhänge giebt der Verfasser noch Erklärungen, sowie Rechtfertigungen des gewählten Ausdrucks. — Bon den „Gesängen für Synagogen, eingeführt in der Synagoge zu Braunschweig, zusammengestellt von Cautor H. Goldberg," die 1843 zum ersten Male erschienen und für den e i n stimmigen Shnagogengesang recht wirksam waren, ist die vierte vermehrte Auflage, herausgegeben vom Religionslehrer S. Fuchs (Braunschweig, Bieweg, 1888) erschienen. Diese Gesänge haben sich in der Synagoge zu Braunschweig und in anderen Gemeinden seit beinah 50 Jahren bewährt, und haben nach den wachsenden Bedürfnissen Zusätze und Veränderungen erfahren. — Bonn, 12. Aug. (Literarische Notizen.) sAegyptologisches.j Die „Voss. Ztg." bringt Aufzeichnungen des bekannten Aegyptologen Brug sch-Pascha als Begleiter des Prinzen Friedrich Karl auf dessen Orientreise im Jahre 1882. Er beschreibt u. A. ihren Besuch im ägyptischen Museum in Bulak, >vo jetzt 40 Mumien von ägyptischen Königen in ihren Sarkophagen stehen. Darunter befinden sich die Leichen des Ramses II. (des Sesostris der Griechen), des großen Eroberers, „des Zeitgenossen Moses'", denn seine Tochter war es, welche das Moseskind aus dem Schilfdickicht aufnahm" — sowie des Königs Pinotem II., welcher „der Schwiegervater des weisen Salomo war". — Der berühmte Anthropologe Rudolf Birchow hat vor Kurzem eine Reise durch das Nilthal gemacht. Die Resultate seiner Forschungen, namentlich seiner Messungen an den Königsleichen im Museum zu Bnlak, hat er in einer akademischen Abhandlung, welche in den Sitzungsberichten der Akademie der Wissenschaften zu Berlin vom 12. Juli d. I. erschienen ist, niedergelegt. Die Abhandlung ist betitelt: „Die Mumien der Könige im Museum von Bulak", und die Sonntagsbeilage der „Boss. Ztg." vom 5. Aug. enthält darüber einen ziemlich ausführlichen Bericht. Eine Hauptfrage bleibt immer, welcher Rasse die alten Egypter angehörten. Wir geben hier das Urtheil Birchows nach diesem Berichte wieder, welches am Schlüsse sagt: „Birchow warnt vor dem großen Fehler, die ägyptischen Bolksstämme mit den Negern in Verbindung zu bringen und lehrt uns seinen kaukasischen oder mittelländischen Ursprung, oder wie man auch immer die den drei Söhnen Noahs gemeinsame Rassenabstammung bezeichnen will, in nicht mehr zu bezweifelnder Weise verstehen. Jene drei Noahiden, Sem, Ham und Japhet, waren derselben Rasse entsprungene Träger der Kultur in einer längst vergangenen Welt, Sem an den Ufern des Euphrat und Tigris, Ham an denen des Nils. Ham war der zweite in der Reihe,, aber sicher der älteste in seiner Eigenschaft als Begründer eines mächtigen, auf Sitte und Gesetz sich aufbauenden Kulturstaates. Japhet, der jüngste unter den drei Brüdern, übernahm die Erbschaft seiner! beiden durch Alter erschöpften Brüder. Wie er sie vom hellenischen Geiste beseelt und vom Sinn für alles Schöne und Gute durchdrungeu im Dienste der allgemeinen Menschheit veredelte, das beweist am sprechendsten unsere eigene Kulturhöhe in der Glorie unseres gegenwärtigen Jahrhunderts in Europa. Schon längst ist der verwandtschaftliche Zusammenhang der Semiten, Hamiten und Japhetiten geahnt worden, und nur die Verschiedenheiten der nach ihnen genannten Sprachen haben in der linguistischen Wissenschaft eine Dreitheilung herbeigeführt, die fast auf eine Rassentrennung hinausläuft. Das ausgesprochene Urtheil Virchows scheint in der Gegenwart auch durch die sprachlichen Untersuchungen eine mächtige Stütze zu finden. Schon mehren sich die Stimmen, welche das Altägyptische nur als eine ältere, auf dem besten Wege lautlicher Entwickelung gleichsam erstarrte Form einer semitischen Ursprache zu bezeichnen nicht mehr Anstand nehmen. Wenn auch die indogermanischen Sprachforscher sich vorläufig gegen eine semitisch-hamitische Verwandtschaft mit den Sprachen Japhets abwehrend verhalten und jeden Zusammenhang ableugnen, so scheinen dennoch in diesen Sprachen Wurzelsubstanzen versteckt zu liegen, die in den semitisch-hamitischen Sprachen wiederkehren. Die Zukunft muß und I wirb es lehren, in wie weit diese Ausfaffung begründet ist! oder nicht." j „Es herrscht leider bei einem großen Theil der nioderj nen Semiten, Hamiten und Japhetiten eine Abneigung gegen die Annahme verwandtschaftlicher Verhältnisse vor, die sie beinahe zu feindlichen Brüdern stempelt. Haben einzelne! Gelehrte, wenn auch nicht immer die befähigtesten und be-! rufensten, der Verwandtschaft das Wort geredet, so haben sie > gewöhnlich mit ihren angeblichen Beweisen weit über das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.