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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-08-16 · Heft 33 (16.8.1888) · p. Seite 523

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 33 (16.8.1888)
Date
1888-08-16
Page
Seite 523 (sequence 11)
Language
German
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523 gemeinde erst organisirt, so könnte die Herstellung mehrerer solcher Schulen bewerkstelligt werden. Auch hierin könnte ein Consistorium Bedeutendes leisten. Bonn, 12. Aug. (Notizen.) Baron Meyer Alphonse Jamcs von Rothschild hat der Rothschild'schen Stiftung in der Rue de Picpns in Paris zwei Terrains im Werthe von 56,000 Francs zum Geschenk gemacht. — In Hamburg hat ein Unbenannter 3000 Mk. der Gemeindeverwaltung zugeschickt zum Ankauf von silbernen Chanukalenchtern für die Synagogen. — Bei ihrem Besuche der Synagoge zu Florenz hat die Königin von Serbien 1000 Francs für die israelitischen Armen gespendet. — In Dresden hat der jüngst verstorbene Zeitling testamentarisch 40,000 Mk. für die Israeliten Palestinas, 10,000 Mk. für das Rabbinerseminar zu Berlin, 5000 Mk. für die jüdische Gemeinde in Dresden, 3000 Rubel für den Verein zur Hebung der Cultur unter den russischen Juden und 3000 Rubel für die Beförderung des Ackerbaues unter denselben hinterlassen. Bonn, 8. Aug. (Literarische Notizen.) In keiner Sache haben so viele unbefugte Hände literarisch gewirthschaftet, als in der des Antisemitismus, und nicht wenige solcher Produkte, welche anscheinend für die Juden eintreten, lassen den Leser zweifeln, ob er es nicht mit einem verkappten Antisemiten zu thun habe? So erschien jüngst in Berlin eine Broschüre von einem Unbekannten: „Der jüdische Einjahrig-Freiwillige im deutschen Heere" — ein durchaus ungeschicktes Machwerk. Die „Frkft. Ztg." zeichnet sie zutreffend. Der Verf. berichtet mit aller Bestimmtheit: „Seit dem Durchdringen der antisemitischen Bewegung ist in keinem deutschen Regimentesbayerische ausgenommen) ein Jude mehr zum Offizier befördert worden", und er behauptet weiter: „der getaufte Jude wird nicht anders behandelt, wie der ungetaufte." Wenn diese Thatsache richtig ist, wenn es sich also um den grundsätzlichen Ausschluß der Juden von den Offizierstellen — nota bene in Reserve und Landwehr, denn die Linie war ja stets den Juden verschlossen — handelt, so wissen wir nicht, was das ganze Raisonnement des Verfassers will, was seine guten Lehren nach beiden Seiten hin bedeuten sollen. Eine derartige grundsätzliche Ausschließung kümmert sich weder um Fähigkeiten und Charakter der Einzelnen, noch der Mehrheit, sie steift sich auf Confession oder Abstammung und damit — Basta. Angenommen, der Verfasser hätte Recht, die Mehrzahl der jüdischen Freiwilligen sei weder nach ihrer Leistung im Dienste, noch nach ihrer Bildung berechtigt, auf die Epaulettes Anspruch zu machen — von den Nichtjuden wird wohl dasselbe gelten — werden etwa deshalb diejenigen Juden, deren Berechtigung zum Eintritt in den Offiziersrang auch von dem skrupulösesten Oberst nicht bestritten werden kann, von demselben ausgeschlossen? Weit entfernt, sondern nur, weil sie dem Be kenntniß oder der Geburt nach Juden sind. Und woher stammt diese Ausschließung? Etwa aus der Erfahrung, die man mit jüdischen Offizieren früher gemacht hat? Keineswegs, sie datirt, sagt unser Autor, von dem „Durchdringen der antisemitischen Bewegung", das heißt, sie ist weiter nichts, als die praktische Bethätigung des krassesten Antisemitismus von Seiten derjenigen Kreise, die hierbei maßgebend sind. Zu dieser Klarheit der Auffassung ist der Verfasser nicht gelangt, sein Herz mag gut sein, aber mit dem Denken hapert's so sehr, daß er, obgleich er die Ausschließung der Juden beklagt und auch in ihrer Allgemeinheit ungerechtfertigt findet, das stärkste Argument für dieselbe, welches der Antisemitismus entdecke» könnte, selbst vorbringt. Er sagt nämlich: „Unser Offiziereorps ist exclusiv, peinlich exclusiv und muß es sein, wenn es die Stellung wahren will, die ihm nöthig ist den unteren Volksklassen gegenüber, die das Gros der Armee bilden. Die Autorität, die der Offizier ohne Weiteres auf den gemeinen Mann ausüben muß, darf nicht gefährdet werden durch eine naive Aeußerung der Mißachtung, die der Durchschnittsdeutsche dem Durchschnittsjuden gegenüber noch thatsächlich empfindet". Braucht der Antisemitisnius für seinen Standpunkt mehr, könnte er nicht sagen: Weiser Daniel, Du sprichst wahr, aber verdient nicht jede obrigkeitliche Stellung, nicht die eines Richters, eines Lehrers die gleiche Rücksicht auf Erhaltung der Autorität? Und was könnte sich etwa ändern, wenn alle jüdischen Einjährigen militärische Genies, Superlative von Paradcsoldaten und untadelhafte Ehrenmänner wären? Es bliebe bei dem Vorwand der Mißachtung des Inden, die aber thatsächlich längst nicht mehr in dem „gemeinen" Mann, sondern in dem sogenannten gebildeten steckt und einem ganz anderen Gefühl entstammt, als dem der — Superiorität. Der Verfasser der Broschüre mag ein guter Mensch sein, aber auf dem Instrument, das er hier zu spielen gewagt hat, ist er ein Stümper und es wäre besser für ihn und für die Sache, der er dienen will, gewesen, wenn er seine Hand davon gelassen hätte." Bonn, 10. August. Es ist ein Charakterzug des jüdischen Stammes, Beobachtungen aus dem Leben zu verallgemeinern, d. h. in einem bündigen Kernspruche, einer Art Sprüchwort oder kurzen Sentenz auszudrücken. Wir können dies im gewöhnlichen Leben nicht selten erfahren. Inwieweit solchen Sprüchen größere oder geringere Wahrheit einwohne, darauf kommt es hierbei nicht an; cs herrscht vielmehr darin die Richtung vor, dem Thun des Einzelnen oder einem einzelnen Begegniß den Charakter des Allgemeiner» zu geben, aus der Individualität in das Gebiet des Generellen zu versetzen. Solche Kernsprüche wurden bekanntlich schon im alten Israel eifrig gesammelt, und was uns davon erhalten blieb, ist nach der Aussage der heiligen Schrift nur 33*

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