Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-08-16 · Heft 33 (16.8.1888) · p. Seite 522

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 33 (16.8.1888)
Date
1888-08-16
Page
Seite 522 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227717-3227751--45536-3265055
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

522 land 39 jüdische Ackerbaucolonien, von denen sich 22 im Gouvernement Cherson und 17 in Jekaterinoslaw befinden. Die Bevölkerung dieser 300,000 Acker umfassenden Niederlassungen beträgt 26,733. Nicht ganz die Hälfte des Areals ist Ackerland, das übrige Weide- und Oedland. Nach der Behauptung des Domänenministeriums befinden sich nur die Ländereien von 201 Eigenthümern in befriedigendem Zustande. Palästina. New-d»rk, 23. Juli. Der „Franks. Ztg." wird geschrieben: Zwischen den Passagieren der „Anchoria", welche vor einigen Tagen nach Glasgow absegelte, befand sich der bekannte Rabbi Dr. Merton Sivertha aus Chicago, welcher eine Bewegung zur Wiederaufrichtung Palästinas in's Leben rufen will und in Amerika und England schon zahlreiche Enthusiasten gefunden hat. Dr. Sivertha ist kein Phantast, kein Schwärmer, sondern ein ruhiger, weitsichtiger und praktischer Mann; er glaubt nicht, daß die Gründung eines neuen Reiches in Palästina durch ein Mirakel zu geschehen hätte, und nimmt an, daß die Israeliten aus allen Ländern vorläufig nur '/ü der Bevölkerung des neuen Landes liefern würden. Er hat tiefe Studien über den Gegenstand gemacht; fertige Pläne zur Gewinnung, Bevölkerung, zum Ausbau von Städten, darunter der Restauration Jerusalems, nach England mitgenommen und hofft, gestützt auf seine Argumente, schon in diesem Herbst einen großen Erfolg für seine Sache zu erzielen. Sobald der Grundstock zur Bevölkerung gelegt ist und eine genügende Zahl von Ansiedlern vorhanden, hofft er, daß die Großmächte den Staat als neutral und unabhängig erklären werden, wie in den Fällen der Schweiz und Belgiens. Dr. Sivertha sagt, daß bei einem Territorium von der Größe Großbritanniens und mit jeder Varietät in Bezug auf das Klima, das neue Land bei richtiger Behandlung an Prosperität mit Süd-Italien rioalisiren könnte. (Und der Mann soll kein „Phantast" sein? Es wird ihm gehen wie Deronda bei der Eliot, wenn er nach Palästina kommt, wird er seine Phantasien aufgeben, und seine Hoffnungen auf die Großmächte und die Nachgiebigkeit der Türkei sind eitel Schwärmerei. Was das von ihm erwartete Sechstel aller Juden betrifft, so halten wir dies unter den gegenwärtigen Umständen nicht für unmöglich! Rußland, Rumänien, Persien, Marokko würden es sattsam liefern. Aber daß sind auch die ärmsten und culturfremdesten Glieder des jüdischen Stammes, und mit diesen könnte das Land schwerlich prosperiren. Redact. d. A. Z. d. I.) Asien. Smyrna, 21. Juli. Die Arch. isr. bringen eine Zuschrift ans Smyrna, welche über beklagenswerthe Streitigkeiten, die in dieser großen Gemeinde ausgebrochen, berichtet. Der Zwiespalt besteht zwischen dem Verwaltungsrathe der Gemeinde und dem Localcomite der Alliance. Jener verlangte nämlich, daß die Schule der Alliance vom Großrabbincr inspicirt und in derselben dem Unterrichte im Türkischen ein größerer Spielraum gewährt werde. Das Comite der Alliance verweigerte dies und lehnte alle Vermittelungsvorschläge ab. Hierauf beschloß der Verwaltungsrath, mit einem Aufwande von ea. 100,000 Mk. jährlich eine eigene Schule zu gründen, die von ihm geleistete Subvention an die Schule der Alliance von 62,000 Francs und die von ihm in der Schule erhaltenen 100 Schüler zurückzuziehen. Das Comite der Alliance errichtete hierauf eine eigene koschere Fleischbank und läßt das Fleisch wohlfeiler als auf der Fleischbank der Gemeinde verkaufen, und zwar ohne Autorisation des Oberrabbiners, dem diese zu ertheilen allein zusteht. Die Angelegenheit ist bereits bis vor den türkischen Gouverneur gelangt, der selbstverständlich sich dem Verwaltungsrathe znneigt. Das Comite der Alliance geht so weit, zu verlangen, daß ein Theil der doch gesetzlich gewählten Mitglieder des Berwaltungsrathes ausgeschieden werden solle. Da bis jetzt der Friede in unserer Gemeinde unangetastet herrschte, ist dieser Zwiespalt sehr bedauerlich und kann nur die nachtheiligsten Folgen haben. Es ist daher hohe Zeit, daß das Centraleomite der Alliance sich dieser Angelegenheit annehme, um sie nach Recht und Billigkeit auszugleichen. Tunis. Tunis, im Juli. Der in voriger Nummer mitgetheilten Verordnung ist abermals eine solche gefolgt. Durch die erstere war die Hälfte der Fleischauflage der israelitischen Wohlthätigkeitskasse zugetheilt. Eine solche wird nun durch die zweite Verordnung ins Leben gerufen, um die verschie denen, die Wohlthätigkeit für die Israeliten betreffenden Einnahmen zu eentralisiren. Sie hat zum Zweck die Vertheilung von Unterstützungen an Bedürftige, besonders an Kranke, und wird durch ein Comite von 9 Mitgliedern verwaltet, welche der Minister ernennt und die in Zeiträumen zu einem Drittel erneuert werden. Es ist dies der erste Schritt, um eine Vereinigung der europäischen und der tunesischen Gemeinde zu Stande bringen, während die erster» bis jetzt in einem gewissen Hochmuth die Verbindung mit den tunesischen Glaubensgenossen zurückwiesen. Bekanntlich hat die Alliance eine Knaben- und eine Mädchenschule hier gegründet, deren Leistungen ganz vorzüglich sind und welchen auch die tunesische Bevölkerung ihre Jugend willig anvertraut. Aber diese Schulen sind viel zu klein, um die Masse der sich zudrängenden Jugend ausnehmen zu können. Wäre die Gesammt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.