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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-08-16 · Heft 33 (16.8.1888) · p. Seite 521

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 33 (16.8.1888)
Date
1888-08-16
Page
Seite 521 (sequence 9)
Language
German
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521 den beiden Stadtrabbinern Herrn Dr. Sterkelmacher und Herrn vr. Appel ertheilt. A. Fürth, 7. Aug. (Privatmitth.) Der Jahresbericht der Gabriel Riesser'schen Stipendien-Stistung, deren Domizil hier ist und im Jahre 1896 zum Andenken an Gabriel Riesser gegründet worden, zeigt dieselbe leider nicht im Wachsthum. Sie vereinnahmte im Jahre 1887 Mk. 4483 gegen das Borjahr 5570 und verausgabte Mk. 4355 gegen das Vorjahr 5843; sie hatte an Beiträgen Mk. 2451 gegen das Vorjahr 2673. Es wurden daher an Stipendien nur Mk. 2500 vertheilt gegen Mk. 3500 im Vorjahr. Der Kapitalfond besteht in Mk. 22 142. Unterstützt wurden 3 Theologen, 5 Juristen, 15 Mediziner, 32 Polytechniker; Durchschnittlich erhielt jeder 90 M. Zum Schluffe sagt der Vorstand: „Der Studirende, wenn er nicht dem Judenthum angehört, hat in Süddeutschland wenigstens vielfach den Genuß der Stipendieustiftungen, welche seit Jahrhunderten gegründet sind, und erlangt dadurch vielfach eine schätzenswerthe An» Hilfe für die Zurücklegung seines Studienganges. Der Studierende jüdischer Religion aber ist eben seines religiösen Bekenntnisses halber vom Genüsse der meisten dieser Stiftungen ausgeschlossen und sohin seinen nichtjüdischeil Comilitonen gegenüber ebenso unverschuldet als empfindlich be-! nachtheiligt. Dieser Ungleichheit soll die Stiftung abhelfen. Ist sie cs in der Lage, so lange ihr nicht die genügenden Mittel gewährt werden? Wäre es vielmehr nicht Ehrenpflicht aller Gtaubensbrüder, einer solchen Stiftung thätige Hilfe zuzuwenden und so zur Beseitigung des auf einem Theile der gebildeten jüdischen Jugend haftenden Druckes mitzuwirken? Und doch halten "/,g der Glaubensgenossen in Bayern die Stiftung nur für geeignet, von ihr zu nehmen, nicht aber, ihr Zulvcndungen irgend welcher Art zu machen. Man mag aber gegen die aus den derzeitigen Erwerbs- Verhältnissen resultirende Vermehrung der Studirenden noch so sehr eingenommen sein, so bleibt es doch Thatsache, daß das Judenthum und die Judenheit ein sehr großes Interesse daran haben, ihre Söhne und Töchter auch in den Kulturarbeiten des Geistes in den vordersten Reihen streben zu sehen." Mögen diese Worte recht vielfältig Gehör finden und namentlich mehrere Cultusgemeinden in Bayern sich entschließen, Beiträge zu geben, wie dies bis jetzt von Augsburg, Fürth, Regensburg geschehen ist. Die meisten Beiträge kommen von Privaten in Fürth und Nürnberg. Marburg, 6. Aug. Die Spaltung unter den Antisemiten in „konservative" und „reine" oder „Radau"-Antisemiten ist vollständig. Aber auch unter den Führern der letzteren ist Krieg ausgebrochen. In seinem „Reichsherold" richtet vr. Böckel folgende offene Frage an Liebermann von Sonnenberg : „Ist es wahr, daß Sie sich um eine Stelle bei der „Konservativen Correspondenz", dem Centralorgan der konservativen Partei, beworben haben? Können Sie diese Frage auf Ehrenwort verneinen? Schweigen gilt als Eingeständniß." In den Augen Böckels ist es also schon ein Vergehen, an der „Kons. Corr." mitzuarbeiten. Oesterreich-Ungarn. Wien, 7. August. Wie „Narodni Listy" melden, fanden am Sonntag in Klattan Judenexcesse statt, welche große Dimensionen annahmen. Die Wohnungen der Inden sollen mit Steinen bombardirt worden sein. Ein Jude sei angeblich wegen Religionsstörung verhaftet worden. Wien, 9. Aug. (Privatmitth.) In der Luft schwirren die Gerüchte, daß der Unterrichtsminister v. Gautsch sein Aint verlieren werde, daß seine Stellung sehr erschüttert sei und er nur noch vom Ministerpräsidenten Graf Taaffe gehalten werde. Sein Sturz würde den vollen Sieg des Clerus, die Annahme des Liechtenstein'schen oder eines der beiden ähnlichen Anträge bedeuten. Der erstere würde die Schule vollständig den Händen der Geistlichkeit ausliefern; einer der anderen brächte die Schule in die Gewalt der Provinziallandtage, d. h. ziemlich dasselbe, namentlich in Tirol, dagegen in Steyermark ff. in die Willkür der Slovenen, in Böhmen und Mähren der Czechen, in Galizien der Polen — schöne Aussichten! Alle diese interessanten Nationalitäten verdanken zwar Alles, was sie an Cultur besitzen, den Deutschen, dafür sind sie aber den Deutschen spinnefeind und würden sofort alles Deutschthum aus der Schule verbannen! Für den Culturverlust, den sie dadurch erlitten, haben sie keine Augen, und welcher Zukunft der ganze österreichische Staat auf diesem Wege entgegengeht, dafür scheint man an wichtigsten Stellen keine Einsicht zu haben! Prag, 5. August. Die Polizei confiscirte in der Stadt und in den Vorstädten antisemitische Plakate. Szegedin, 3. August. Die hiesige orthodoxe israelitische Gemeinde ist gestern mit der Intervention der hiesigen Polizeibehörde aufgelöst worden. Die Gemeinde zählte so wenig Mitglieder, daß selbst die vorgeschriebene Minimal-Anzahl von 16 Ausschußmitgliedern nicht aufznbringen war. Der Vice-Stadthauptmann übernahm von dem Gemeinde-Vizepräses Paschkeß das Siegel und die Schriftstücke der Gemeinde, womit diese als aufgelöst erscheint. Rußland. Petersburg, im August. Nach einer Veröffentlichung des russischen Domänenministerinms giebt es in Süd-Ruß- 33

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