Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1888)
- Date
- 1888-08-09
- Page
- Seite 508 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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508 bleiben und Speise bekommen können; in beiden Fällen unentgeltlich und auf Kosten der erwähnten Gesellschaft, wenn sie, wie gesagt, im Besitze der bereits in Deutschland genommenen Ueberfahrtskarten sind. Der Verein „Montefiorestiftung" im Jahre 1884 unter Ehrenvorsitz seiner Ehrwürden Herrn öberrabbiners Dr. B. L. Ritter, im Hinblick auf die stets zunehmende Zahl der Vertriebenen und Ausgewiesenen ans Rußland und Deutschland, welche unseren Hafenplatz aufsuchten, Hierselbst gegründet, hat seitdem mehr als 3000 mittellose Passanten in verschiedenster Weise unterstützt; allein seine Mittel sind erschöpft, und er würde, weil sehr im Gegensätze zu seinen Tendenzen, sich leider außer Stande sehen müssen, in gleicher Weise seine Thätigkeit dem Besten unserer unglücklichen Brüder widmen zu können. Wohl geschieht in unserer Stadt bereits viel zur Unterstützung des in seiner Wirksamkeit als sehr segensreich anerkannten Vereins, allein der großen Calamität gegenüber sind unsere localen Verhältnisse eben nicht ansreichend, und würde es wohl nur so der Billigkeit wie dem ns ni D'z-.j? I’n'iB" entsprechen, wenn das Ausland und in diesem Fall speciell Deutschland uns mit Beiträgen unterstützen würden. I. M. Schnitzler, Vorstandsmitglied. Schweiz. Zürich, im Juli Bekanntlich ist in der Schweiz das Verbot des rituellen Schächtens am eifrigsten betrieben und in diesem und jenem Canton sogar Gesetz geworden. Das „Schweizer Archiv für die Thier- und Arzneikunde" enthält nun eine Abhandlung des Di-. Alfred Guillebeau, Professors an der Thierarzneischule, über die beste Methode der Tödtung der Thiere, und kommt hierbei theoretisch und praktisch zu dem Schlüsse, daß die traditionelle Methode der Juden die beste sei. ’ dürfen keine besonderen Colonien bilden, vielmehr nur Glieder einer Landgemeinde sein. Auch sollen die Juden, wie der „Grashdanin" mittheilt, zum Studium der Veterinärkunde bei der Universität Charkow gar nicht zugelassen wer-! den. So meldet man der „Pos. Ztg." aus Petersburg. Daß in allen diesen Anordnungen ein bestimmtes Princip, eine durchgreifende Ansicht obwalte, wird niemand behaupten. In vielen dieser Bestimmungen erkennt man nur eine Unterordnung der jüdischen Bevölkerung unter die Machtvollkommenheit der unteren Beamten. Die Folgen hiervon kann man sich leicht denken. Doch sind obige Vorschläge noch lange nicht Gesetz, und es muß abgewartet werden, wie viel davon Gesetzeskraft erhalte. — In Kiew wird jetzt das Jubelfest der Einführung des Christenthums in Rußland vor 900 Jahren begangen, und bei dieser Gelegenheit eine Reiterstatue des Kosakenhetmanns Bogdan Chmielnicki enthüllt. Allerdings hat dieser sich große Verdienste um das russische Reich erworben durch die vielfach siegreiche Bekämpfung der Polen und die Einverleibung der Kosaken in das russische Reich. Andererseits war er aber einer der blutigsten und grausamsten Hordenführer, die je existirten, und hat seinen Namen durch seinen Blutdurst und seine Grausamkeit mit Schrecken erregenden Lettern in die Geschichte eingezeichnet. Seine Wuth richtete sich besonders gegen den polnischen Adel und die Juden. Von letzteren wurden über 200,000 von ihm und seinen Kosaken in barbarischester Weise hingeschlachtet. Es geschah dies im Jahre 1648, also dem Jahre, wo sich über Mitteleuropa nach ZOjähriger Fehde der Friede wieder verbreitete. Jedes Geschichtsbuch der Juden weiß, gestützt auf Urkunden, von diesem Bluthelden zu berichten, und ist ihm auch hier eine Standsäule errichtet, die jedoch anders aussieht, als das Bildwerk in Kiew. Serbien. Rußland. Petersburg, 25. Juli Die Commission für die Juden- Angelegenheiten unter dem Vorsitz des Grafen Pahlen soll nach den Informationen, welche der „Djen" (Tag) erhalten hat, vorgeschlagen habe», die Juden innerhalb ihrer bis-' herigen Niederlassungsgrenzen zu belassen. Eine Ausnahme j soll nur in Bezug auf die jüdischen Landwirihschaftsbesitzer ■ insofern gemacht werden, daß eine Familie nicht mehr als 20 Djessiatinen (ungefähr 21% He et.) besitzen darf. Alle! Feldarbeiten müssen die jüdischen Landwirthe selbst verrichten. Sollten sie jedoch dieselben durch gemiethete christliche Arbeiter ausführen lassen, so sollen ihre Besitzungen von Amtswegen subhastirt werden. Zur Controlirung der jüdischen Landbesitzer sollen besondere Beamte angestellt werden, welche! für Feststellung der Uebertretungen dieser Vorschriften besondere Prämien erhalten werden. Die jüdischen Landbesitzer' Belgrad, 24. Juli. Die aus Ungarn, Oesterreich und Deutschland abstammende» Israeliten, welche nicht der spaniolischen Gemeinde angehören und in den letzten Jahren, besonders durch Einwanderung aus Budapest und Wien, an Zahl zugenommen haben, wollen eine selbständige Kirchengemeinde und Schule gründen. Amerika. Cleveland, Ohio, 15. Juli. (Privatmitth.) Am 7. bis 10. Juli wurde hier ein neues großartiges und trefflich ausgestattetes israelitisches Waisenhaus, welches der Orden der Bne Berith errichtet hat, feierlich eingeweiht. Die eigentliche Festrede hielt Herr Benjamin F. Peixotto, welcher auch in Europa wohl bekannt ist, da er viele Jahre nordamerikanischer Generalkonsul i» Bukarest gewesen und hier eine eifrige Thätigkeit zu Gunsten seiner schwer bedrückten Glaubensgenossen entfaltete. Freilich blieb diese bei der judengehässigen