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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-08-09 · Heft 32 (9.8.1888) · p. Seite 503

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 32 (9.8.1888)
Date
1888-08-09
Page
Seite 503 (sequence 7)
Language
German
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503 um sich ganz seinem wissenschaftlichen Studium zu widmen. Da er indeß das Gymnasium nicht nach Vorschrift absolvirt und in Folge dessen keine Aussicht hatte, nach beendigtem Universitätsstudium zu den üblichen Prüfungen zugelassen zu werden, so entstanden für ihn neue Schwierigkeiten, welche von ihm in kürzester Frist auf das Glänzendste überwunden j wurden. Bei Gelegenheit eines Preisausschreibens der Unij versität Heidelberg, an dem er sich betheiligte, wurde seiner; Abhandlung einstimmig der erste Preis zuerkannt. Dieser überraschende Erfolg seitens eines Bewerbers, dem bis dahin die Bej rechtigung zur Erlangung der akademischen Doctorwürde nicht j zugebilligt werden konnte, beseitigte mit einem Schlage alle ihm entgegenstehenden Hindernisse. Er benutzte jene Preisi schrift zu seiner Doctor-Dissertation, und kaum 18 Jahre alt, war er einer der jüngsten Doctoren, welche die Univer-! sität Heidelberg bis dahin ernannt hatte. Nachdem Bessels noch einige Zeit in Heidelberg seine Studien fortgesetzt hatte, reifte mehr und mehr der Entschluß in ihm, als Forschungsreisender fremde Welttheile kennen zu lernen. Besonders war sein Augenmerk auf das Innere von Afrika gerichtet, und mit der ihm eigenen Willenskraft begann er, neben seinen naturwissenschaftlichen und medicinischen Studien, sich Kenntnisse in der arabischen Sprache zu erwerben. Um seinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten, nahm er, 20 Jahre alt, die ihm angebotene Stellung als Custos am naturwissenschaftlichen Museum in Stuttgart an, und wenn diese Stellung auch in gewisser Hinsicht nicht ganz seinen Wünschen entsprach, so bestimmte ihn doch der Umstand, daß »r darin reiche Gelegenheit fand, seine Kenntnisse wesentlich zu bereichern, fast Vj2 Jahre darin zu verbleiben. Inzwischen hatte Bessels mit Petermann Verbindungen angeknüpft und diesem seine Wünsche angetragen. Bon dem reichen Wissen desselben auf den verschiedenen Gebieten überzeugt, veranlaßte ihn Petermann zu seiner ersten Reise im Jahre 1869 nach dem Nordpol. Auf dieser Reise untersuchte Bessels das nördliche Eismeer zwischen Spitzbergen und Nomaja Semlja und wies hierbei die Existenz des Golfstroms östlich von Spitzbergen nach. Im Jahre 1871 trat er seine zweite Reise nach dem Nordpol an. Unter der Führung von Hall begleitete er die gut ausgerüstete nordamerikanische Expedition zur Entdeckung des Nordpols, auf dem Schiffe Polaris, als Schiffsarzt und als Chef der wissenschaftlichen Abtheilung. Die Fahrt ging durch die Davis-Straße, nach der Baffins-Bay in den Smith- Sund. Am 25. September desselben Jahres erreichte die Expedition den 82° 9', die nördlichste Höhe, welche vorher von Niemandem erreicht worden. Das Schiff mußte nach dem Tode des Führers von weiterem Vordringen abstehen und war gezwungen, die Rückreise anzutreten. In einem gefahrvollen Treiben der Eisschollen am 15. October hatte die Polaris eine schreckliche Katastrophe zu bestehen. Eingeklemmt zwischen mächtigen Eisbergen, konnte sie weder vor noch rückwärts und ihre kräftige Bauart desselben genügte nicht, dem immer stärker werdenden Drucke der Eismassen Widerstand zu leisten. Unter solchen Umständen wurde von der Besatzung der Entschluß gefaßt, die Polaris zu verlassen. Die nothwendigsten Lebensmittel und Utensilien wurden aus dem Schiffe auf eine große Eisscholle übertragen, auf der man zu überwintern beabsichtigte. Noch mit dem Transporte der verschiedenen Gegenstände beschäftigt, trieb ein heftiger Sturm die Eisscholle, auf der sich 19 Mann der Besatzung befanden, von der übrigen Schiffsmannschaft ab, und sahen sich dieselben dem offenen Meere preisgegeben. Erst am 30. April 1872 kam ihnen Rettung, indem ein Schiff sie aufnahm. Bessels blieb mit 13 Personen bei dem zu Grunde gerichteten Schiffe, bei der Littleton Insel im Smith-Sunde zurück, wo sie sich aus dem Schiffskörper ein Hans zur Ueberwinterung errichteten. Am 3. Juni 1872 schifften sie sich in ihren zwei Boten ein, wurden am 23. Juni von einem schottischen Dampfer aufgenommen und landeten endlich am 18. September in Schottland. Eine dritte Polar-Expedition, welche Bessels mit Dorst und Weyprecht vorbereitet hatte, kam nicht zur Ausführung, und entschloß sich derselbe in amerikanische Dienste zu treten. Er beschrieb die amerikanische Nordpol-Expedition. (1879. Leipzig.) Von Bessels ist ferner redigirt Band I. des Berichts über die wissenschaftlichen Resultate der Polar-Expedition, Washington 1876 erschienen. Ein großer Theil seiner wissenschaftlichen Erforschungen ist dem unermüdlichen Reisenden und Forscher bei dem Unter-- gange der Polaris verloren gegangen und zerstört worden, und war es ihm nicht vergönnt, das mit großer Mühe, Ausdauer und Fleiß gefertigte Material bei der späteren Ausarbeitung zu benutzen. Um das Unglück für ihn voll zu niacheu, zerstörte später in Washington eine Feuersbrunst einen großen Theil seiner fertigen Manuscripte, so daß nur Band I. seines Berichts erscheinen konnte. Anfangs dieses Jahres kam Bessels zum Besuche seiner hochbetagten Mutter und seiner zahlreichen Freunde nach Europa herüber, um einige Zeit der Ruhe und Erholung zu leben, der er so sehr bedurfte. Von schwächlicher Körperconstitution, hatte er mit der ihm eigenen Energie so manchem Unwetter widerstanden und schwere Prüfungen durchgemacht. Nur kurze Zeit hatte Bessels wieder auf heimischem Boden zugebracht, voller Hoffnung, nach wenigen Monaten neu gekräftigt und gestärkt in seine zweite Heimath zurückkehren zu können. Diese Hoffnung sollte sich indeß zum größten Bedauern seiner Angehörigen und Freunde nicht erfüllen. Ein plötzlicher Tod machte seinem thatenreichen Leben, im besten Mannesalter unerwartet ein Ende. Fast ohne

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