Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1888)
- Date
- 1888-08-09
- Page
- Seite 504 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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504 Leiden, ohne Schmerz ist er plötzlich von uns gegangen, kreise zugebracht hatte. Mutterliebe und Freundeshand betnachdem er noch den Abend vor seinem Tode im Freundesteten ihn im heimischen Boden ein. J. W. vxcjyw ac ß l'e vt. Deutschland. Berlin, 1. August. (Privatmitth.) Wir können mit den jüngsten Auslassungen der „Kreuzzeitung", als des Organs der reactionär-conservativen Partei, zufrieden sein. Sie erklärt Alles, was nicht ihrer Partei angehört oder was derselben widerspricht, für „Juden und Judengenossen". Dies richtet sich nicht etwa bloß gegen die Socialisten und die Deutschfreisinnigen, sondern auch gegen die Nationalliberalcn, die Freiconservativen und die „Nordd. A. Ztg.", das Organ des Reichskanzlers, also auch gegen die Regierung. Sie thut dies Alles zu Gunsten des Hammerstein'schen Antrages, d. h. der orthodox-evangelischen Kirche und der Vorrechte, die sie für diese gewinnen will. Wie gesagt, wir können hiermit sehr zufrieden sein. Denn einerseits befinden wir uns da in sehr achtbarer Gesellschaft, inmitten der großen Mehrheit der deutschen Nation, und andererseits wird durch diesen Gebrauch des Wortes „Jude" allmählich dasselbe jenes bitteren Beigeschmacks entledigt, der ihm in der Gesinnung so Vieler noch immer innewohnt. Wir können sogar annehmen, daß dieser Name allmählich ein Ehrenname wird, da er alle diejenigen bezeichnen soll, welche der einseitigen, engherzigen, alle Andersdenkenden und Andersgläubigen ausschließenden orthodoxen Partei nicht angehören. Die „Kreuzzeitung" will sich dabei auf den regierenden Kaiser und „die Verstimmung des evangelischen Volkes" stützen und mit diesen einen Feldzug gegen den Reichskanzler führen. Allein dieser Kriegszug wird sicherlich zeigen, daß diese ihre Stützen nicht vorhanden sind, und deshalb mit einer schweren Niederlage schließen. Berlin, 3. August. Die Antisemiten wollen durchaus wieder Lärm schlagen und stellen deshalb ihren Genossen Dr. Paul Förster (Bruder des verschollenen Friedrich F.) als ihren Kandidaten für die Ersatzwahl im 6. Berliner Reichstagswahlkreise auf. Das verschnuppt die Konservativen gar sehr, und die „Kons. Korr." äußert sich darüber wie folgt: „Bon verschiedenen Seiten wird mitgetheilt, daß die Antisemiten in Berlin beschlossen haben, der konservativen Partei nicht mehr Gefolgschaft zu leisten, sondern eigene Kandidaten aufzustellen, und in dieser Hinsicht bei der bevorstehenden Nachwahl im 6. Berliner Wahlkreise mit der Kandidatur des Herrn Dr, Paul Förster den Anfang zu machen. Aehnliches ist wiederholt für die preußischen Landtagswahlen angekündigt. Ueberhaupt konnte man seit der Reichstagswahl am 21. Februar 1887, wo der berühmte Dr. Böckel einen der besten konservativen Männer in Deutschland, Herrn Dr. Grimm in Marburg, mittelst Ueberrumpelung, Schnaps und schwindelhafter Versprechungen an die Wähler aus seinem Mandate verdrängte, auf konservativer Seite wohl endlich wissen, woran man mit den Antisemiten ist, und in der Weiterbeförderung der Glorie ihrer Redehelden durch ausführliche Wiedergabe und anerkennende Besprechungen ihrer Auslassungen u. s. w. etwas vorsichtiger werden. Im Uebrigen nehmen wir diesen ganzen „Radau"-Antisemitismus, wie das „Schlesische Morgenblatt" die betreffende politische Gattung einmal berechnete, diesen nur für die Straße und Volksversammlung bezeichneten Antisemitismus, der seit 10 Jahren lärmt und schreit, ohne etwas anderes an Erfolgen aufweisen zu können, als eine längere Reihe verkrachter publizistischer Unternehmungen, nicht tragisch. Was an ernsthaften und durchdachten Reformen zur Beseitigung der wucherischen Ausbeutung und behufs Niederlegung der kapitalistischen Allmacht des internationalen Judenthums möglich ist, das wird von konservativer Seite ausgehen, und wenn das deutsche Volk erst erkennt, daß diese Dr. Böckel, Zimmermann rc. zu seinen wahren, konservativen Freunden genau in demselben Verhältniß stehen, wie die Sozialdemokraten zu den besonnenen und ernsthaften Förderern der Sozialreform, dann wird es diese Marktschreier, von denen es nicht einen Pfifferling reelle Hilfe erwarten kann, wohl verdientermaßen stehen lassen." Die „Franks. Z." bemerkt hierzu: „Die „Kons. Korresp." vergißt, daß der eigentliche Vater des „Radau-Antisemitismus" in der Person des Herrn Stöcker ganz wohlgemuth in den Reihen ihrer Parteigenossen sitzt. Die Böckel, Förster rc. sind nur die wohlgerathenen Kinder, die sich freilich jetzt der Ruthe entwachsen glauben und das Geschäft für eigene Rechnung führen wollen, nachdem sie bei der Leporellorolle für die Konservativen zu kurz gekommen sind." Man sieht, die „Konservativen" geben ihren Antisemitismus nicht auf, wohl aber die Antisemiten. Daß die ersteren gefährlicher als die letzteren sind, hat sich hinlänglich herausgestellt. Uebrigens haben die Antisemiten ohne die Konservativen noch weniger Aussicht in Berlin als mit ihnen. Leipzig, 1. August. (Privatmitth.) Der Vorstand der