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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-08-09 · Heft 32 (9.8.1888) · p. Seite 502

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 32 (9.8.1888)
Date
1888-08-09
Page
Seite 502 (sequence 6)
Language
German
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502 zersprengen schienen, in der späteren jüdischen Tradition kaum eine Spur zurückgelassen haben". Wir fragen deshalb, wie konnte also auf Grund jener zeitweisen Erscheinungen Vatke von einer „Auflösung" sprechen, da das Resultat nur eine Verdichtung und Verstärkung des „Alttestamentlichen Prinzips" hervorbrachte? Was der philosophische Theologe zum Schluffe dieses Abschnittes über den ferneren Bestand des Judenthums aussagt, giebt schließlich doch ein Zeugniß für dessen Vorurteilslosigkeit. Wir wollen seine Worte anführen: „Im Mittelalter nahmen dann die Juden noch vielfach fremde Anschauungen in ihre Lehre auf, aber stets doch nur nach der formellen Seite hin; sie haben sogar ein großes Talent darin gezeigt, Fremdes sich anzueignen, haben diesem aber immer nur zu einem gewissen Punkte Eingang gestattet. Das Judenthum ist daher wie im Zeitalter Christi, so in der ganzen späteren Entwickelung dem strengen, einfachen Monotheismus treu geblieben, und darin liegt zugleich seine welthistorische Bedeutung. Es ist gleichsam ein durch die Weltgeschichte sich hindurchziehender Protest gegen die Verendlichung Gottes und hielt für diesen Zweck die alttestamentlichen, besonders die prophetischen Anschauungen vom Wesen Gottes mit Ausschluß solcher Formen, Lehren und Vorstellungen fest, welche irgendwie gegen die höchste Einheit zu verstoßen schienen, opponirte also gegen jede Theilung im Wesen Gottes, gegen jede Verendlichung des Höchsten im Menschen, im Sohn und noch mehr in der Mutter des Sohlles, in den Heiligen und Märtyrern. Ueberall haben die Juden derartige Ansichten als Gottes unwürdig bekämpft, namentlich aber in den Schriften des Mittelalters, z. B. in geistreichen religionsphilosophischen Gesprächen über die Wahrheit oder Unwahrheit der drei monotheistischen Religionen von Jehuda Halevi (gest. um 1140) in dem Buche Kusari, welches von Buxtorf mit lateinischer Nebersetzung herausgegeben wurde; überall legten sie Protest ein gegen die Verendlichung Gottes". Das klingt doch ganz anders, als wie die Ueberzahl der christlichen Theologen vermeinen, das Judenthum habe mit dem Erscheinen des Christenthums seine Existenzberechtigung verloren! Wir müssen aber Vatke auf seinem weiteren Gange noch etwas folgen. Vom Neckar, im Juli. Der Nordpolfahrer Emil Sessels. Das unerwartete Hinschcideu dieses hochbegabten und allein von dein Eifer für die Wissenschaft beseelten Mannes in dem Augenblick, wo er sich von Neuem nach dem gefahrvollen Schauplatz seiner Thätigkeit, den Nordpolar-Gewässeru, begeben wollte, macht es uns zur Pflicht, diesem würdigen Sohne Israels hier eine biographische Skizze zu widme».') — Emil Bessels ist in Heidelberg im Jahre 1847 geboren. Er war der älteste Sohn des dortigen Lehrers Bessels, welcher lange Jahre hindurch mit vielem Erfolg ein Knaben-Pensionat leitete. Die Mutter war Vorsteherin eines stark besuchten Mädchen-Pensionats. Da im Hause der Eltern in regelmäßiger Abwechselung die französische und englische Sprache als Umgangssprachen benutzt wurden, so fand der junge Bessels hierdurch die beste Gelegenheit, beide schon in frühen Jahren vollständig zu beherrschen, und bediente er sich derselben mit vieler Vorliebe. Sein Fleiß und seine Willenskraft gewannen ihm die Achtung, die reichen Gaben seines Herzens und seines edlen Gemüths die Liebe und Freundschaft zunächst seiner Schulkameraden und später aller derer, die ihn näher kennen lernten. Ec hatte große Fähigkeiten und brennenden Ehrgeiz, für die Wissenschaft etwas zu leisten, und begeisterte Liebe zu Allem, was in Dichtkunst und anderen Künsten Schönes geleistet war. Der frühzeitige Tod des Vaters, die Sorge für drei unmündige Kinder, bestimmten die Mutter, dem Wunsche des Sohnes, eine wissenschaftliche Laufbahn zu wählen, nicht zu entsprechen. Mit fünfzehn Jahren mußte er gegen seinen Willen das Gymnasium verlassen und wurde zu einem Freunde der Familie, dem Inhaber eines Bankgeschäfts, in die Lehre gegeben. Zwei Jahre hindurch war er hier beschäftigt. Wenngleich die sich ihm bietende Arbeit in keiner Weise seinen Beifall fand, seine Gedanken häufig genug von anderen, ihm mehr zusagenden Gegenständen, als von den ihm übertragenen Obliegenheiten in Anspruch genommen wurden, so war er doch während der üblichen Arbeitsstunden bestrebt, sich durch Fleiß und Aufmerksamkeit die Zufriedenheit seines Principals zu erwerben. Auf das Eifrigste wurden die freien Stunden und die Nächte dazu benutzt, seine Kenntnisse auf andern Gebieten zu erweitern. Namentlich das Studium der neueren Sprachen, die Ausbildung seines Talents im Zeichnen und vor Allem die Erweiterung seiner naturwissenschaftlichen Kenntnisse auf dem Gebiete der Zoologie, gewährten ihm im hohen Maße Befriedigung. Nachdem Bessels zwei Jahre hindurch seine Lehre als Kaufmann bestanden hatte, gelangten die nächsten Angehörigen mehr und mehr zu der Einsicht, daß er für diesen Beruf nicht geeignet sei. In Uebereinstimmung mit seinem ihm befreundeten Principale, verließ er die bisherige Stellung, 1) Wir erinnern hierbei an den Astronom Edward Israel, der mit Greelcy 188t—84 die nordamerikanische Nordpolexpedition mitgemacht, und im Mai 1884 an den vergletscherten Felsenriffe» Nordgrönlands in Folge der Entbehrungen und Strapazen und seines wissenschaftlichen Eifers verstarb und verscharrt wurde. S. den Artikel aus New-York, Jahrg. 1887, S. 548. Auch des Di-. Boas ans Minden mögen wir erwähnen, der Jahre lang bei den Eskimos und ganz wie diese lebte, um deren Natur und Lebensweise zu erforschen. Redaciion.

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