Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1888)
- Date
- 1888-08-02
- Page
- Seite 488 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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488 Leipzig, 22. Juli. Wer von dem Blödsinn gewisserj Antisemiten noch keinen Begriff gehabt, kann ihn aus folgendem Artikel gewinnen: „Wenn man die richtige „nationale" Behandlung der Mackenzie-Frage kennen lernen will, so muß man die in Leipzig erscheinende „Antisemitische Correspondenz" zur Hand nehmen. Ein Artikel „Die Partei Mackenzie im Häutungs-Proceß" in der jüngsten Nummer beginnt mit folgenden Kraftsprüchen: „Mackenzie-Markowicz hängt unseren Jüdisch-Freisinnigen an den Rockschößen, und kein Kol-Nidre-Gebet kann sie davon befreien. Es wäre daher gut, wenn die Bezeichnung „Partei Mackenzie" für alles um und hinter den Herren Richter, Forckenbeck, Bamberger, Virchow, Moses, Cohn und Genossen sich einbürgerte. Wir nehmen keine Schutzmarke für diesen Ausdruck in Anspruch. Es dürfte kaum noch einen Namen in der Welt geben, welchen das deutsche Volk in seiner großen Mehrzahl heute mit so berechtigtem Abscheu und so verdienter Verachtung ausspricht, als den Namen jenes jüdisch-englischen Scheusals, das länger als ein Jahr den todtkranken Kaiser und das ganze treue deutsche Volk mit seinen jüdisch-freisinnigen Preß- Spießgesellen belogen hat. Damit können ja „Köln. Ztg." und „Reichsbote" kaum noch concurriren." (Frkf. Z.) Was würden diese Leute darum gegeben haben, wenn Mackenzie statt eines eifrigen anglikanischen Protestanten ein Jude gewesen wäre oder wenigstens von einem Juden abstammte! Was hätten wir da — nach dem Tode Kaiser Friedrichs — zu hören bekommen. Aber geht nur immer hin! von Blödsinn zu Wahnsinn — das nützt uns! München, 16. Juli. Nachdem gestern der niederösterreichische . Turngautag das Grundgesetz im antisemitischen Sinne abänderte, beschloß heule der hier versammelte Ausschuß der Deutschen Turnerschaft, denselben, sowie den ersten Wiener Turnverein auszuschließen. Stuttgart, 23. Juli. (Privatmitth.) Am Tage der Vorversammluug des württemb. Volksschullehrervereins, am 7. Aug. d. I. wird der Verein israel. Lehrer Württembergs seine Jahresversammlung halten. Als Gegenstand der Verhandlung sind vorgesehen: Bericht über den Stand des Vereins; Einleitender Bortrag des Vorstandes über „unsere Ziele"; Referat über das israel. Lesebuch; Vortrag über die Juden Hohenlohes im 11. Und 12. Jahrhundert; Antrag, betreffend die Alterszulage der Vorsänger. Gießen, 24. Juli. (Privatmitth.) Die Wochenschrift der „Israelit" hat aufgefordert, allen jüdischen Knaben, die in diesem Jahre geboren werden, den Namen „Friedrich" beizulegen, wie es in der Borzeit mit den: Namen Alexander geschehen sei. Meiner Meinung nach sollten wir das nicht thun. Alexander der Große hatte keinen Kaiser Wilhelm I. zum Vorgänger und kei-. nen Kaiser Wilhelm II. zum Nachfolger. Ziehen wir nicht den Namen des einen Kaisers denen der Anderen vor. Alle unsere Kaiser sind unseren Herzen gleich theuer und hochverehrungswerth. Rabb. Dr. Levi. Aus Schlesien, 25. Juli. (Privatmitth.) Unsere Aufmerksamkeit für die nächste Zukunft muß auf den Umstand gerichtet sein, daß die katholische Opposition, also die Thätigkeit des Centrums im Reichstage und im preußischen Landtage, gegen die gegenwärtige Volksschule gerichtet sein wird, um die Schule gänzlich in die Hände der Geistlichkeit zu bringen. Der Abg. Windhorst hatte „den Kampf um die Schule" offen angekündigt, nachdem die römische Kirche ihre Forderung nahezu erfüllt gesehen. Auf der soeben inBeuthen abgehaltenen Generalversammlung der Katholiken Schlesiens wurde der im Abgeordnetenhause unerörtert gebliebene Antrag Windhorst wieder ausgenommen, welcher die Ernennung der Volksschullehrer von der Zustimmung der Kirchenbehörde abhängig machen und im Wesentlichen den ganzen Volksschulunterricht der Leitung der Geistlichkeit ausliefern will. Es versteht sich, daß darüber beredt gesprochen und eine betreffende Resolution angenomnren wurde. In diesem Punkte treffen nun Centrum und protestantische Orthodoxie, also die Conservativen zusammen und werden deßhalb diese beiden Parteien für diese Umwälzung unseres Schulwesens eine Majorität zu bilden suchen. Sicherlich wird sich die Regierung eine solche Concession an den Clerus nicht abringen lassen; aber sie bedarf doch hierzu der Unterstützung aller liberalen Parteien. Deßhalb wird dieses Moment bei den bevorstehenden Wahlen nicht ohne Wichtigkeit sein. Objectiv betrachtet, sieht man, wie auch das Schulwesen in der Gegenwart beständiger Fluctuation unterworfen ist. Jedermann weiß noch, wie unter dem Regiment Falk regierungsseitig die Simultanschule angestrebt und manche israelitische Gemeinde genöthigt wurde, ihre Elementarschule aufzuheben und in die Simultauschule einzutreten, ohne auch nur die Bürgschaft zu haben, daß im Lehrkörper eine gleiche Parität beobachtet werden würde. Jetzt soll nun das ganze Bolksschnlwesen der christlichen Geistlichkeit wieder ausgeliefert werden, und wenn dies auch nicht vollständig bewilligt wird, so wird es doch an Concessionen und Compromissen nicht fehlen. Wenn die Kirche etwas nicht mit einem Male zu erlangen vermag, nimmt sie vorlieb, Schritt vor Schritt vorzugehen. Mögen daher die jüdischen Gemeinden diesen Gesichtspunkt nicht außer Acht und sich ihr Schulwesen nicht aus den Händen kommen lassen. Denn was für Gefahren! der jüdischen Jugend in der clerica len Schule drohen,! braucht nicht erst dargelegt zu werden. Kaiserslautern, 22. Juli. Ein heute in der hiesigen j „Pfälzischen Presse", dem Organ der „anständigen" Heidelberger, erschienener Artikel „Die Juden in Deutschland" hat