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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-08-02 · Heft 31 (2.8.1888) · p. Seite 487

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 31 (2.8.1888)
Date
1888-08-02
Page
Seite 487 (sequence 7)
Language
German
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487 das Volk erdrückende Steuerlast, die Vorrechte des Adels und des Klerus, die ungeheuren Güter derselben und deren Abgabenfreiheit, das jeden Aufschwung der Industrie und des Handels hemmende Zunft- und Octroiwesen u. s. w. in Betracht zieht, wird nicht leugnen, daß der Nation nichts Anderes übrig blieb, als, wenn nöthig durch Gewalt, eine Umwandlung in allen diesen Verhältnissen zu erzwingen, und ebenso wenig, daß die Grundsätze von 1789 ihre unermeßlichen Wirkungen auf Frankreich und auf die civilisirten Völker überhaupt übten. — Wie nun aus diesen beiden Gesichtspunkten, der Berechtigung und der Wirkung, die Ereignisse des Jahres 1848 zu beurtheilen sejen, wird immer noch erst dem Geschichtsforscher überlassen bleiben müssen. Einige Beiträge glaube ich jedoch zur Lösung der obschwehenden Fragen durch meine Schilderungen geben zu können. Man hat aus den Erscheinungen jenes Jahres besonders die sog. „Emancipation der Juden* hervorgehoben, und nicht selten wurde von den Gegnern die Meinung ausgesprochen: die Juden seien die Einzigen gewesen, welche einen Vortheil aus jener Bewegung gezogen hätten. Dies ist nicht bloß einseitig, sondern auch falsch. Nicht diese Emancipation als solche gehörte zu den Motiven und Wirkungen, sondern nur als Theil der endlichen Verwirklichung der Gleichberechtigung im Staate und der Gewissensfreiheit, zwei Momente, welche in der voraufgegangenen Zeit nicht bloß für die Juden, sondern für alle Staatsangehörigen in sehr drückender Weise nicht anerkannt, sondern verletzt worden. Deutschland. Bonn, 24. Juli. Wir erhielten ferner Trauerreden auf den verewigten Kaiser Friedrich: von den Herren Rabbiner vr. Siegmund Feßler in Landsberg a. W., Or. S. Flaschner in Bernburg; auf Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. von Rabb. vr. M. Steckelmacher in Mannheim. Berlin, 24. Juli. (Privatmitth.) Die leitenden Journale der verschiedenen politischen Parteien sind bereits mit großem Geräusch in den Wahlkampf eingetrete», der sich um die Wahlen zum preußischen Landtage, die etwa in einem Vierteljahre stattfinden werden, eröffnet. So wenig wir an dieser Stelle Politik zu treiben haben, so haben es unsere Gegner doch dahin gebracht, daß ein solcher Wahlkampf stets für uns ein besonderes Interesse einschließt. Wir dürfen es uns nicht verhehlen, daß, je mehr die konservative Partei an Boden in unseren Parlamenten gewinnt, die Stellung der Juden gefährdeter wird. Die alles Maß überschreitenden Hetzartikel der Kreuzzeitung, des Reichsbvten, der Preußischen Jahrbücher u. s. w., welche jüngst wieder in die Oeffentlichkeit traten, belehren uns hinlänglich, daß, wenn die Conservativen die Majorität oder den überwiegenden Einfluß auf die Körperschaften der Volksvertretung erlangt haben, es an Versuchen nicht fehlen werde, die Gleichberechtigung zu beseitigen. Bekanntlich hat dieselbe Partei diesen Versuch bereits 1856 gemacht, und es unterliegt keinem Zweifel, daß es noch heute zu ihrem Programm gehört, die Juden so weit wie möglich ihrer bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte zu berauben. Dieselben Conservativen sehen aber jetzt die bei den letzten Reichstagswahlen eingcgangene Verbindung mit den Nationalliberalen als für sie lästig und beschränkend an und sagen sich vom Cartell los. Um so mehr müssen wir hierauf achtsam sein, denn es ist nicht fraglich, daß die Nationalliberalen, wenigstens in ihrer Mehrheit, dem Angriff auf die Gleichstellung nicht zustimmen werden. Stets haben wir die Vertheidigung der Gleichberechtigung nicht als ein etwa specifisch-jüdisches Interesse erachtet, sondern al8 eine durchaus allgemeine Angelegenheit, weil die Gleichberechtigung ein Fundament des modernen, also auch unseres Staates ist, mit dessen Erschütterung der ganze Staat gefährdet und in unabsehbare Streitigkeiten und Verwirrungen verfallen würde. In unserer Zeit verträgt der Staat irgend einen Eingriff in die Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen und Beschränkungen nach Confessionen und Klaffen nicht mehr; da, wo dieses Princip einmal zur Geltung gebracht ward, kann es nicht wieder, ohne die größten Gefahren herbeizuführen, angegriffen und beseitigt werden. Wir hoffen deßhalb, daß bei den nächsten Wahlen es nicht wieder Vorkommen werde, daß Juden unter den Agitatoren für conservative Candidaten sowie unter den für sie Stimmenden gefunden werdend) 1) Die Antisemiten beanspruchen bekanntlich das besondere Vorrecht der deutschen Nationalität. Wenn als ein Zeichen der letzteren das richtige deutsche Sprechen und Schreiben gelten muß, so liefern die antisemitischen Blätter oft genug einen Beweis für den völligen Mangel an jener Nationalität. Jungst stieß uns folgendes Beispiel aus. In einem Streite des „Reichsboten" (Stöcker's Organ) gegen die (welfische) „Deutsche Volkszeitg." sagt jener u. A.: „Aber etwas anderes als dieser Schmerz und diese Treue der Trauer ist die bissige Opposition gegen die bestehende staatliche Ordnung, die Organisation dieser Opposition zu einer politischen Partei und die Agitation für dieselbe durch eine Presse von der Specialität dieser „Volksztg " u. s, w. Ist das deutsch?

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