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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-08-02 · Heft 31 (2.8.1888) · p. Seite 485

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 31 (2.8.1888)
Date
1888-08-02
Page
Seite 485 (sequence 5)
Language
German
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485 jedoch als Vermittelung des Geistes Gottes für das innere Selbstbewußtsein gefaßt wird, da ist sie nicht bloß Redensart, da allein ist sie vielmehr eigentlich gefaßt. Vermittelt nun war diese innere Offenbarung jedenfalls ursprünglich durch den Geist, der sich im Innern des Menschen zunächst offenbart, und dem entsprechend durch die eigene geistige Erhebung des menschlichen Bewußtseins." Endlich: „Gewiß ist die Wahrheit, daß der Monotheismus nur durch den Geist Gottes selbst und zwar in einem Volke vermittelt ist, welches zuerst und bahnbrechend in sich selbst das Bewußtsein des einheitlichen Wesens der Intelligenz, der Vernunft, des Geistes entwickelt hat, und dann in gleichem Schritt mit diesem subjectiven Werden auch den Gedanken des einen wahren Gottes herausgestaltete." Daß nun dieser monotheistische Gottesbegriff auch auf älteren tradirten Vorstellungen beruhte, nimmt auch Batke an, wie dies zugleich schriftgemäß ist. Auf dieser Grundlage erstehen nun zwei Probleme. Das eine, wie zu erklären, daß das Volk Israel durch lange Zeiten hindurch immer wieder ins Heidenthum verfiel, und trotz der ihm von Moses gegebenen Gotteslehre und dem daraus fließenden cultuellen ethischen und socialen Gesetze sich dem götzendienerischen Cultus und den heidnischen Sitten ergab. Unsere Leser wissen, daß wir dies immer tu der Weise auffaßten, daß bei der Unreife des Volkes und inmitten der es umgebenden und nicht selten es beherrschenden heidnischen Völker ein fast tausendjähriger Kampf nach Moses im Innern des Volkes stattfand, um die unbedingte Herr-" schaft der monotheistischen Gotteslehre zu bewerkstelligen, und daß in der zweiten Periode vom babylonischen Exile an nach dem vollständigen Siege der Gotteslehre der Kampf um das Gesetz beganu, theils nach Außen, um den Bestand des Judenthums zu sichern, theils im Innern in der Durcharbeitung, Ausgestaltung und Aecommodation des Gesetzes, theils um dessen Geltung und Ausführung, bis die dadurch entstandenen Sekten überwunden und das Gesetz, wie es bis ins Einzelnste formulirt worden, durchaus geltend wurde. Batke ist insofern anderer Meinung, welche jetzt von vielen Anderen getheilt wird, daß nämlich im Volke selbst ein heidnischer Naturdienst, eine, nicht von den Egyptern, sondern von den mittelasiatischen Völkern schon beim Ursprung des hebräischen Stammes angenommenen Naturreligion vorhanden gewesen, die Anzahl der Anhänger des mosaischen Monotheismus anfänglich nur klein gewesen, die nantentlich durch die Propheten immer mehr anwnchsen und jene Naturreligiou endlich im Volke Israel besiegten. Ztlgeben muß er, daß in allen vorhandenen Urkunden des alten Israel jenes Zurücksinken in das Heidenthum stets als sündhafter Abfall, als schuldbare Abtrünnigkeit angesehen, nirgends dieses H^denthum als ein dem Volke Israel einwohuendes bezeichnet wird. — Das zweite Problem besteht in dem Verständuiß der Entwickelung des mosaischen Grundgedankens in den fol-; genden Perioden. Entgegengesetzt der alten Ansicht, welche! Lehre und Gesetz, das letztere bis auf die kleinsten Formen, I als von Moses gegeben und unveränderlich bestehend geglaubt | wird, haben wir stets darauf hingewiesen, daß der Prophe- , tismus die Ausgestaltung und Vertiefung der Gotteslehre, ■ B. auch von dem beschränkten nationalen zum allgemeinen j Humanitären Standpunkt, zu welchem allerdings auch schon! im Mosaismus die Keime gegeben waren, bewirkt hat, wie j dann das Gesetz seit der Zeit Esra's und Nehemia's aus- ' gebildet wurde. Mit dem ersten Theile dieser Auffassung! stimmt auch Batke überein. Er sagt u. A.: „So lange jener; gewaltige Kampf, der vorzugsweise von den Propheten durchgeführt wurde, dauerte, war der Monotheismus noch schöpfe-! risch, noch ursprünglich, herrschte noch das Prineip fortschreitender Offenbarungen, gab es eben noch Propheten. Sobald i jedoch nachmals der-Gegensatz überwunden ist, hören die j Propheten auf, wirken sie nur noch als Nachklang in wenig ' selbständiger und originaler Weise fort, wie uns das die : Schriften der uachexilischeu Zeit erkennen lassen." — Wir | haben dies hier näher ansgeführt, um unsre alte Behauptung zu erweisen, daß jene kritischen Forschungen über die Ab- ■ fassuugszeit und Beschaffenheit der alttestamentarischen Bücher * auf die Erkenntnis; und das Verständuiß der Grundelemente j und der Entwickelung dieser keinen weiteren Einfluß üben,! wie denn dieser hervorragende Kritiker Batke schließlich zu denselben Gruudansichteu kommt, wie sie sich uns auf ganz anderem Standpunkte darstellen. Erst von hier aus stellt sich die Differenz zwischen uns und dem christlichen Religionstheologen heraus, wie wir im Weiteren sehen werden. Einleitend zu Erinnerungen aus dem Jahre 18-18. In der deutschen Literatur wurde längst der Mangel au Memoiren, Aufzeichnungen und Selbstbiographieu gefühlt. Bei dem Stillleben in früheren Zeiten schien das Leben der! Einzelnen ohne Bedeutung, und diejenigen Personen, welche : eine öffentliche Rolle gespielt hatten, empfanden selten den Drang, ihre Erlebnisse zu veröffentlichen, da dies mit großen : Jucouvenienzeu verbunden zu sein pflegte. So wenig wie ' die Staatsarchive öffneten sich die Familieuarchive. In den letzten Jahrzehnteli hat sich dies geändert, und Jahr für Jahr! bringt auch der deutsche Büchermarkt Biographien und Er-; innerungen aus dem Leben in nicht geringer Zahl, selbstver- 1 stündlich von größerem oder geringerem Werthe. Es ist natürlich, daß die meisten dieser Schriften Personen betreffen, welche, eine längere Lebensdauer genießend, auch die vierziger und fünfziger Jahre durchlebten und sontit dem Jahre 1848 nicht aus dem Wege gehen konnten. Dennoch kann

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