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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-07-26 · Heft 30 (26.7.1888) · p. Seite 476

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 30 (26.7.1888)
Date
1888-07-26
Page
Seite 476 (sequence 12)
Language
German
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476 Ueberschuß erzielt ward. Aber auch hier finden wir eine Eigentümlichkeit, welche sich wohl bei keiner anderen jüdischen Wohlthätigkeitsanstalt findet, nämlich daß die Verwaltungskosten über Francs 40,000 betragen, also ein Siebentel der ganzen Ausgaben. Unter den letzteren sehen wir 570 Familien Miethzins erhalten, 5000 Individuen haben Mazzoth erhalten; 329 eingeschriebene Armen erhielten monatliche Unterstützungen im Belauf von Francs 34,329; außerdem erhielten Bedürftige Francs 28,711. Die Volksküche kostete 20,000 Francs, die in den israelitischen Schulen gegebene Suppe 8000 Francs (200,000 Portionen); ja die Bekleidung armer Schüler erforderte Francs 32,086. Man erkennt hieraus die vielfältigen Zweige der Wohlthätigkeit, welche hier gepstegt werden, und die allerdings auch viele Arbeitskräfte erfordern. Schweiz. Bern, im Juli. Man weiß, welchen Lärm und welche Verlegenheiten der schweizerische Thierschutzverein den Behörden und den jüdischen Gemeinden durch ihr Verlangen, daß die Schechita verboten werde, verursacht hat. Einzelne Cantone gingen sogar auf dieses Verlangen ein. Neuerdings hatte der Großrabbiner Wertheimer von Genf eine Conferenz mit dem Chef des Justizdepartements zu Bern, so wie mit den Mitgliedern des Regierungsraths von Aargau. Das Resultat war, daß das Justizdepartement an die schweizerischen Gesandte und Consulate ein Cirkular richten werde, um von ihnen Bericht zu erhalten, welche Maßnahme seitens der Regierungen und Municipalitäten hinsichtlich der Schechita getroffen werden. Sobald diese Berichte in Bern eingetroffen sein werden, wird man die Angelegenheit definitiv regeln. Die Berichte werden aus allen Ländern dahin lauten, daß die Schechita, von vielen Autoritäten als zweckmäßig anerkannt, staatlich nirgends verboten ist. Rußland. Warschau, 8. Juli. (Privatmitth.) Es ist schwer, einen Ueberblick über die hiesigen Verhältnisse und Zustände innerhalb unserer hiesigen Glaubensgenossenschaft zu gewinnen und zu geben. Denn sie liegen sehr verworren. Alles ist in Parteiung gespalten. Es stehen Fortschrittler und Orthodoxe in getrennten Lagern sich feindlich gegenüber, aber nicht minder die polnischen und die russischen Juden. Hierzu kommt, daß, seitdem der Antagonismus der Polen gegen die Deutschen, gegen Alles, was deutsches Gepräge trägt, so hoch gestiegen, unsere Glaubensgenossen ihren Landsleuten auch hierin gefolgt sind, so wie sie ihnen in der Neigung für Klerus, Papstthum und die Feudalpartei Gefolgschaft leisten. Ja, wenn es Thatsache ist, daß die Juden von den Völkern, in deren Mitte sie leben, die Tugenden wie die Untugenden annehmen, so haben unsere hiesigen Glaubensgenossen besonders in den letzteren sehr viel aceeptirt. Es wird deshalb äußerst schwer, nach jeder Richtung hin gerecht zu werden. Doch ich will dies versuchen aus getreuer Beobachtung heraus und heute meinem ausführlicheren Berichte nicht weiter vorgreifen. — Bulgarien. Sofia, 10, Juli. (Privatmitth.) Mit Gegenwärtigem erlaube ich mir, Ihnen mitzutheilen, daß ich durch die behufs Errichtung eines Großrabbinats und Consistoriums für Bulgarien aus Delegirten sämmtlicher jüd. Gemeinden bei der in Bulgarien bestehenden Organisations-Commission (Commission pour l’organisation de Grand - Rabbinat de deux Bulgaries) einstimmig zum Grand-Rabbin und Präsidenten des zu creirenden Consistoriums (Grand Conseil ^Administration) erwählt worden bin. Dr. S. Dankowitz, z. Z. in Strakonitz (Böhmen). Großbritannien. London, 17. Juli. (Privatmitth.) Die Anglo-Jewish Association hat ihren 17. Jahresbericht ausgegeben. Was uns auf dem Titelblatte angenehm berührt, ist, daß es da heißt: „ Anglo - Jewisb Association in Verbindung mit der Alliance israelite universelle“. Bei der durchaus selbstäm digen Führung der englischen Gesellschaft ist diese Kundgebung, daß sie sich in ihrer Wirksamkeit mit der Alliance stets in Berührung ansieht, sehr erfreulich. In dem Berichte wird zuerst ein Rückblick gegeben, aus welchem wir hervorheben, daß die A.-J. A vereinigt mit dem Board of Deputies an den damaligen deutschen Kronprinz und dessen Gemahlin, als er im Sommer 1887 England besuchte, eine Willkommsadresse richtete, die durch eine Deputation überreicht und sehr huldvoll angenommen wurde. Ebenso sandte sie im März an den Kaiser Friedrich ein Condolenzschreiben nach dem Tode des Kaisers Wilhelm I. Die Gesellschaft hat im vorigen Jahre 18 jüdische Schulen im Orient unterstützt, in mehreren dieser Schulen wird besonders auf den Handarbeitsunterricht Gewicht gelegt. Die darauf folgenden Berichte sind sehr interessant. Sie sind es durch den Umstand, daß sich die A. J. A. in Bezug auf die in verschiedenen Ländern vorgekommenen Bedrückungen unsrer Glaubensgenossen an die englische Regierung wandten, welche dann von ihren Agenten im Auslande Berichte einforderte und denselben Instruktionen ertheilte. Jene Agenten sandten dann ihre Berichte ein. Diese diplomatischen Aktenstücke werden in dem Berichte wörtlich mitgetheilt. So über die Austreibungen fremder Juden aus Südrußland, namentlich Odessa. Dann die Verhandlungen mit der türkischen Regierung, besreffend die fremden Juden in Palästina und Syrien. Hier erreichte die englische Regierung, daß die Schutzrechte Englands über

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