Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1888)
- Date
- 1888-07-26
- Page
- Seite 473 (sequence 9)
- Language
- German
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f 473 als gleichberechtigt anerkennten. — Der Prinz versprach, sofort nach seiner Rückkehr in die Heimath für die Aufhebung dieser Anordnung Sorge tragen zu wollen. An einem Fürstenwort soll man nicht deuteln! Der Großmeister nahm das Wort für die That und geleitete nunmehr den Prinzen in den Tempel der Loge." Bekanntlich gelang dies nur bei dem einen Theil der Preußischen Logen, während der andere sich auf sein sogen, „schwedisches" System stützte, welches principiell alle Nichtchristen ausschließt. Der Prinz ließ deshalb historische Nachforschungen über den Ursprung dieses Systems anstellen, ohne jedoch seine Gegner bewältigen zu können. Berlin, 16. Juli. Es ist in unserer Zeit nothwendig, sich über a l l e Verhältnisse genau zu unterrichten, um zu erkennen, von wo dem Bestände des Judenthums eine größere oder geringere Gefahr oder Abschwächung seiner Wirksamkeit droht. Wir geben daher hier Folgendes wieder: Die „Zeitschrift d. Königl. Etat. Bur." enthält eine umfassende Abhandlung des Frhrn. v. Fircks über die konfessionellen Mischehen im preußischen Staate und das Religionsbekenntniß der diesen Ehen entstammenden Kinder, bezüglich deren zum ersten Male bei der letzten Volkszählung vom 1. December 1885 eingehendere Nachrichten erhoben und zusammengestellt sind. Wir entnehmen der Arbeit folgende allgemeinere Angaben: Im ganzen Staate wurden am 1. December 1885 4,796,510 verheirathete Frauen gezählt; diese Zahl bezeichnete also die Menge der stehenden Ehen, unter welchen sich 237,979 confessionelle Mischehen befunden haben. Es wurden also unter je 1000 im preußischen Staate vorhandenen Ehen durchschnittlich 49,6 Mischehen gezählt. Auf die einzelnen Bekenntnisse vertheilen sich diese Mischehen sehr verschieden, und es zeigt sich, wenn man die Geschlechter auseinanderhält, daß evangelische Männer in weit geringerer Zahl als evangelische Frauen Mischehen eingehen, während andererseits römisch katholische, dissidentische und confessionstose Männer sehr viel häufiger als Frauen, welche diesen Bekenntnissen angehören, Mischehen schließen. Es lebte» nämlich in Mischehe 107,204 evangelische Männer und 129,774 evangelische Frauen, dagegen 126,416 römisch-katholische Männer und 105,476 römisch-katholische Frauen. Was die anderen Confessionen betrifft, so wurden als in Mischehe lebend gezählt bei den „anderen" Protestanten 830 Männer und 1257 Frauen, bei den griechischen Katholiken 39 Männer und 53 Frauen, bei den Dissidenten rc. 2024 Männer und 389 Frauen, bei den Juden 1100 Männer und 1011 Frauen und bei den Confessionslosen 366 Männer und 19 Frauen. Ein Vergleich mit der allgemeinen Bevölkernngsziffer ergiebt, daß von 1000 Personen des betr. Bekenntnisses und Geschlechts in Mischehe lebten bei den Evangelischen 12,0! Männer und 13,93 Frauen, bei den Römisch-Katholischen 26,64 Männer und 21,63 Frauen, bei den Dissidenten 160,09 Männer und 37,86 Frauen und bei den Juden 6,10 Männer und 5,43 Frauen. Was nun ferner das Bekenntniß der den Mischehen entsprossenen Kinder betrifft, so stieß hier die statistische Erhebung auf große Schwierigkeiten. Man hat sich dabei entschlossen, nur diejenigen noch nicht 16 Jahre alten Kinder zu zählen, welche in den Haushaltungen der Eltern lebten. Es fallen also aus die in Anstalten rc. untergebrachten Kinder, die vor Erreichung des 16. Jahres aus dem Elternhause fortgegangenen und diejenigen, welche kein Elternhaus mehr haben. Diese an sich jedenfalls nicht erheblichen Ungenauigkeiten unberücksichtigt gelassen, ergiebt sich, daß sich die Kinder aus Mischehen ihrem Religionsbekenntniß nach wesentlich anders vertheilen, als die Eltern, insbesondere werden der evangelischen Kirche mehr Kinder aus Mischehen zugeführt, als man vermuthen sollte. Es befanden sich nämlich in 171,474 Mischehen 437,503 Kinder, von denen 338,866 evangelisch, 195,288 römisch-katholisch, 1200 dissidentisch, 677 jüdisch u. s. w. waren. Während sich bei den Eltern in diesen Mischehen 49,81 % Evangelische befanden, waren unter den Kindern 54,60 °/0 in diesem Bekenntnisse getauft, wogegen 48,83 °/0 der Eltern, aber nur 44,64 % der Kinder römisch-katholisch waren; auch bei den anderen Confessionen bleibt die Verhältnißzahl der Kinder hinter der der Eltern zurück, so betrug bei den Dissidenden letztere 0,27, erstere 0,48, bei den Juden elftere 0,18, letztere 0,39 °/«. Von 1000 aus Mischehen stammenden und in der Haushaltung der Eltern lebenden unter 16 Jahre alten Kindern wurden durchschnittlich zugeführt der Religion des Vaters 515, der der Mutter 483. War der Vater evangelisch, so kamen von 1000 Kindern 570 auf sein Bekenntniß, war die Mutter evangelisch, so waren 520 in ihrem Bekennntniß getauft; bei römisch-katholischen Vätern kamen 475, bei römisch-katholischen Müttern 434 Kinder unter 1000 auf das betr. Bekenntniß, bei jüdischen 290 bezw. 208, bei dissidentische» 285 bezw. 159. Im Ganzen gehörten 225,338 Kinder dem Religionsbekenntniß des Vaters, 211,533 dem der Mutter und 632 anderen Bekenntnißgruppen an. Unter letzteren befanden sich 5 Kinder (nur Mädchen), welche von christlichen bezw. confessionslosen Eltern dem Judenthum zugeführt worden waren. Berlin, 17. Juli. (Privatmitth.) Wir haben es vorausgesagt: Kaum hat Kaiser Friedrich die Augen geschlossen, so kommen die Antisemiten wieder hervor und entschädigen sich für ihr erzwungenes Schweigen mit desto größerem Toben. Den Reigen eröffnete Treitschke, ihm folgt die „Kreuzzeitung" und die Anderen werden nicht ausbleiben. Sie können sich wieder nach Herzenslust tummeln und Niemand ruft ihnen Halt zu, wie es in Oesterreich geschieht. Jener Ausspruch des Kaisers Friedrich, daß die Bekenner aller 30