Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1888)
- Date
- 1888-07-26
- Page
- Seite 472 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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472 Meinungen Me'irs und die von ihm ausgegangenen Gesetzesbestimmungen. Allerdings lag es nicht in der Absicht des Vers., diese letzteren vollständig zu sammeln und systematisch darzustelleu, was er einer anderen Arbeit vorbehält. Aber Alles, was zur Charakteristik des Weisen und seines Wirkens dienen kann, hebt er in angemessenen Capiteln hervor. Er behandelt seinen Namen, die Sage von seiner Abstammung vom Kaiser Nero, das Handwerk seines Schreibers), den Bildungsgang und die Lehrer Mel'rs, den hadrianischen Krieg, das Synhedrium zu Uscha, R. Mei'r in der Halacha und seine Agada, seine Lehre über „Gott, das Gesetz und Israel und den Menschen", seine Sittenlehre, sein Verhalten den Gegnern des Judenthnms gegenüber, seine homiletischen Deutungen, besondere Aussprüche und Sentenzen und Fabeln, seinen Verkehr, seine Religionsgespräche, sein Zerwürfniß mit dem Patriarchen, seinen Tod und seine Würdigung. Hinzugefügt sind Excurse über mehrere einzelne Gegenstände. Man sieht hieraus, daß der Vers, seinen Gegenstand von allen Seiten aus behandelt hat und dieses mit Sachkenntniß und Umsicht that. — Das neueste Vierteljahrsheft (April bis Juni 1888) der Revue des Etudes juives enthält folgende Aufsätze: Grätz, die Simonmünzen zur Zeit des jüdischen Aufstandes unter Hadrian; Schluß der „Juden von Roussillon und Cerdagne" von Vidal; Theodor Reinach, Mithridates und die Juden, eine Erklärung des Citates von Strabon bei Josephus über die Confiscation von, den Juden gehörigen 5 Millionen Francs auf der Insel Cos betreffend; die Fortsetzung der Abhandlung „Joseph Haccohen und die jüdischen Chronisten" von Isidore Loeb; Kracauer „das Schicksal der Juden in Endingen im Jahre 1470, welche des Mordes von Christen beschuldigt worden; Bruzzone „die Juden im Kirchenstaate während des 18. Jahrhunderts; und endlich Moses Schwab: „Magre Dardeque“ d. i. ein hebräisch-arabisch-ital. Wörterbuch aus dem 14. Jahrhundert von Perez Trevol, wozu das hebräisch romanische Wörterbuch, mit Auslassung der arabischen Wörter und der rabbinischen Erklärungen, von n— a gegeben wird, die Fortsetzung in den folgenden Heften. Außerdem Noten und Vermischtes und eine bibliographische Uebersicht.-Man ersieht aus dem vorliegenden Bericht, daß die geschichtliche Literatur auf unserem Gebiete sehr reichlich fließt; von neuen schöpferischen Arbeiten liegt aber nichts vor. wyyi'lacßzicfyti Deutschland. Berlin, 15. Juli. (Privatmitth.) I» meiner vorigen Correspondenz habe ich schon auf den Artikel der „Voss. Z.": „Kaiser Friedrich als Freimaurer" hingewiesen. Aus ihm geht hervor, nicht allein, daß Kaiser Friedrich, sondern auch Kaiser Wilhelm I. eifriger Freimaurer war. Hierfür spricht die Thatsache, daß der Letztere seinen Sohn schon in dessen 22. Lebensjahre, am 5. Nav. 1853 — obschon die Statuten das 25. Lebensjahr fordern — in die „Große Landesloge für Deutschland" aufnebmen ließ und persönlich einführte. Der betr. Art. theilt die dabei gehaltenen Reden des damaligen Prinzen von Preußen und des Prinzen Friedrich Wilhelm (nachmaligen Kaiser Friedrich III.) mit. Ich hebe nur folgendes Factum hervor. Der Prinz kam als Bräutigam nach London. „Hier hat der Prinz die erste Anregung zu einem seiner bedeutsamsten Werke auf dem Gebiete der Freimaurerei empfangen." „Zu jener Zeit gelangte zur Kenntniß des Großmeisters der „Großen Loge von England", des Grafen von Zetland, daß jüdische Brüder mit dem Certificate der englischen Großloge in preußischen Logen als „Besuchende" nicht zugelassen wurden. Die „Große Loge von England" erhob hiergegen j Protest. Als die „Große Loge Royal Jork zur Freundschaft" j in Berlin dies als alte Gewohnheit und als seit 40 Jahren! giltigen Beschluß hinstellte, wurde der Groß-Secretär beaufj tragt, zu erklären, daß dies dem Recht, der Ehre und der j Integrität der englischen Großloge widerspreche. Es wurde i nicht blos Protest erhoben, sondern auch das Repräsentations- I verhäliniß abgebrochen. Trotzdem blieb es beim Alten und die jüdischen Freimaurer fanden in keiner der den preußischen ' Großlogen unterstellten Tochterlogen Einlaß. Da ereignete j es sich 1858, daß der zum Besuche seiner Braut in London chveilende Prinz von dem Wunsche beseelt, einer „Arbeit" der -„Großen Loge von England" beizuwohnen, dieser einen Be- ' such abstattete. Der Großmeister wurde vorher von dem j Eintreffen des Prinzen verständigt und als dieser im Logenhause anlangte, wurde er mit den ihm zustehenden Ehren empfangen. Mit rückhaltloser Wahrhaftigkeit, doch unbeschadet der dem hohen Gast gebührenden Ehrerbietung, bedeutete der Großmeister dem Prinzen, daß die „Große Loge von England" den Mitgliedern der preußischen Logen den Eintritt in den Tempel so lange verweigern müsse, als letztere die in England aufgenommenen jüdischen Brüder nicht