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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-07-19 · Heft 29 (19.7.1888) · p. Seite 457

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 29 (19.7.1888)
Date
1888-07-19
Page
Seite 457 (sequence 9)
Language
German
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457 den in diesem Erlasse verzeichnten Bestimmungen im Widerspruche stehen, sind hiermit als außer Kraft gesetzt zu betrachten. Wovon ich die Jurisdictionen des Landes zur Darnachhaltung mit dem Bemerken verständige: daß in Streitfällen, welche sich bei beit Israeliten in ihrem Gemeindeleben bei Anwendung obiger Bestimmungen oder sonst ergeben, und — wenn die Parteien sich dem im Congreßstatute. oder dem orthodoxen Statute vorgesehenen confessionellen Schiedsgerichte nicht unterwerfen wollen — dem administrativen Verfahren unterliegen, in den Comitaten in erster Instanz der Stuhlrichter oder Bürgermeister, in zweiter Instanz der Vicegespan und in dritter Instanz der Verwaltungs-Ausschuß, in der Hauptstadt Budapest und den mit Jurisdictionsrechten versehenen Städten aber in erster Instanz der Magistrat und in zweiter Instanz der Verwaltungs-Ausschuß — bei Gestattung der weiteren Berufung an das mir unterstehende j Ministerium — zu entscheiden berufen ist. Budapest, 21. Juni 1888. Trefort m. p. Deutschland. Bonn, 11. Juli. (Privatmitth.) Durch Mittheilung werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß unter den vom Berliner Corr. in Nr. 27 aufgezählten jüdischen Abgeordneten — siehe unsere Corr. aus Fürth in dieser Nr. — noch vergessen seien: Buchhändler Brühl, der 1848 in die preuß. Nationalversammlung gewählt worden, und Rechtsanwalt Dr. Freund, noch vor wenigen Jahren Abgeordneter, beide in Breslau. — Außer den bereits angeführten, gedruckten Predigten bei den Trauerfeierlichkeiten um Kaiser Friedrich sind uns noch zugekommen die bez. Reden der Herren Rabbiner Dr. Zuckermandcl zu Trier, Dr. Dessauer zu Meiningen und Dr. Gronemann zu Hannover, sämmtlich ergreifende Zeugnisse der liefen Trauer um den vielbeweinten Verewigten. Berlin, 9. Juli. Die Behauptung, daß der jetzige Kaiser kein Freund der Freimaurerei sei, giebt der „Kreuzzeitung" die gewünschte Gelegenheit, ihr ganzes Gift gegen diesen Orden und zugleich gegen das Judenthum auszugießen. Der Gedanke, daß die Freimaurerei einen ganz humanen Untergrund habe und, freilich mit Ausnahme der meisten preußischen Logen, Juden und Mohamedaner den Christen als Menschen gleich achtet, versetzt sie in eine krampfhafte Entrüstung. Die „Voss. Ztg." enthält hierüber Folgendes: „Zur Beschönigung ihrer wahrheitswidrigen Angriffe auf den Freimaurerorden läßt sich die „Kreuzztg." „aus der Provinz" schreiben, es sei nach und nach auch dem blödesten Auge klar geworden, „daß das internationale Freimaurerthum eine der Hochburgen des gleichfalls internationalen Judenthums ist, und daß unter der Maske der Humanität in den Logen lediglich die Geschäfte der Letzteren besorgt werden." Einem Vereine, dem der Kaiser ablehnend gegenüber stehe, pflege auch kein Offizier beizutreten; der zu erhoffende Massenaustritt von Offizieren und „allen christlich und national gesinnten Elementen" werde die Logen endlich offenkundig zu dem machen, was sie bisher verkappt schon waren: Filialen der Allianz israelite! — Man kann die Wahrhaftigkeit und Lauterkeit dieser Behauptungen sattsam an der Thatsache prüfen, daß von den preußischen Logen die große Mehrzahl Juden überhaupt nicht aufnimmt und, wie hinreichend bekannt ist, auch die meisten anderen Logen bei der Aufnahme von Juden neuerdings überaus scrupulös verfahren. Alle Tochterlogen der Großen Landesloge und die Nationalmutterloge zu den drei Weltkugeln verweigern den Juden grundsätzlich die Aufnahme; nur die der Großloge Royal Aork zur Freundschaft unterstehenden Logen machen nicht grundsätzlich, wohl aber oft thatsächlich einen Unterschied nach dem Glaubensbekenntniß. Kaiser Friedrich hat als Kronprinz in der Loge selbst für die Hinwegräumung dieser Schranke sehr warm gekämpft — aber keineswegs mit Erfolg. Wenn von Seite der „Kreuzztg." behauptet wird, daß „das ja nicht immer so gewesen" sei, so sind doch die Verleumdungen der Dunkelmänner gegen den Freimaurerorden „immer so gewesen". Ueberall, wo wenigstens auf beschränktem Gebiete Friede, Fortschritt und Selbstveredelung gepflegt wurde, hat die Partei, welche die Religion zu ihren selbstsüchtigen Zwecken mißbraucht, Filialen der Alliance israelite oder Gottlosigkeit oder Umsturz gewittert, auch in dem Staate der Hohenzollern, welche nach der „Kreuzztg." Maurer waren, weil sich das bei ihnen „gewissermaßen vererbe". Es ist kennzeichnend für die Königstreue der Eiferer, in welchem Tone sie von Bestrebungen reden, denen die größten preußischen Fürsten ihre eifrigste Förderung angedeihen ließen." — Zur Beruhigung der Kreuzzeitung fügen wir hinzu, daß die Logen Frankreichs und Englands wiederholt gegen die Ausschließung der Juden von preußischen Logen protestirt und diese für abtrünnig von den wahren Grundsätzen der Freimaurerei erklärt haben, jedoch ohne Erfolg. Das weiß 29

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