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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-07-19 · Heft 29 (19.7.1888) · p. Seite 453

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 29 (19.7.1888)
Date
1888-07-19
Page
Seite 453 (sequence 5)
Language
German
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453 hervorragende Berücksichtigung findet. Und damit erst ist für die Arbeiten der Einzelconferenzen die rechte Grundlage geschaffen, ein bestimmtes Ziel gefunden, jetzt sind ihre Vorträge, Discussionen und Thesen nicht mehr in „leere Luft" gehaucht. Die auf wohlgeordnetem Plane und sehr sorgfältig auszuführenden Arbeiten, Verhandlungen und Beschlüsse des Deutsch-isr. Lehrertagcs, dieses Aräopags der von den Lehrern selbst als am bewährtesten, tüchtigsten und besonnensten erkorenen Standesgenossen, würden für die Lehrer selbst und auch die Lehrerseminarien, wenn auch keine gesetzlich bindende, aber doch ganz gewiß eine hohe, moralische autoritative Kraft erhalten. Und wenn nun auch der D. I. G. B. helfend und ergänzend einträte, so wäre für eine einheitliche, feste und zweckmäßige Gestaltung des Religionsunterrichtes wirklich unberechenbar viel gewonnen. Auch gewisse andere Fragen, wie z. B. die der Religionsschul-Jnspektion würde durch den Lehrertag ihrer endgültigen Lösung am besten und schnellsten entgegengeführt werden. Vom Allgemeinen Lehrervereine versprechen wir uns einen wenn auch zunächst nur mittelbaren belebenden Einfluß auf die religionsunterrichtliche Literatur und in Hinsicht auf eine allgemeinere bessere und verständnißvollere Würdigung relig.-pädagog. Bestrebungen. Und so glauben wir denn den hohen Nutzen eines Allgem. deutsch-jüdischen Lehrervereins genügend, wenn auch keineswegs erschöpfend dargethan zu haben. Wenn wir nun in demselben auch durchaus kein Universalmittel für alles und jedes Krankhafte im und am Stande erblicken, so dürfte sein sehr vortheilhafter Einfluß in folgenden Punkten, die ein Resums des Vorstehenden bilden, doch wohl nicht mehr bezweifelt werden: 1. a) Für die Besserung der äußeren Stellung bildet der Ausschuß des Deutsch-isr. Lehrerbundes die geeignetste und wirksamste Standesvertretung den Behörden, Gemeinden und dem D. I. G. B. gegenüber, b) Der D. I. L. B. (Deutsch-isr. Lehrcrbund) ist sehr geeignet, das Standesgefühl und den Corpsgeist der Lehrer zu heben und zur Steigerung des Ansehens und der Würde des isr. Lehrerstandes gegenüber den Behörden und den« jüdischen Publikum ungemein viel beizutragen. 2) Für die Einzelconferenzen, indem sie in Zukunft dazu berufen sein werden, die Vorarbeiten für den Lehrertag auszuführen und einen Theil des Materials für dessen Verhandlungen zu schaffen, ist dadurch erst die rechte Grundlage gegeben und ein bestimmtes Ziel gefunden. 3) Ter Religionsunterricht würde einheitlich, fest und zweckmäßig gestaltet und in dem Lehrertage eine gewisse rel.-päd. Autorität für die Lehrer und Seminarien geschaffen werden. 4) Gewisse Fragen, wie z. B. die Jnspektionsfrage, würden einer rascheren und zweckmäßigen Lösung entgegengeführt. 5) Auch ein belebender Einfluß auf die religiös-unterrichtliche Literatur ließe sich vom Lehrertage erwarten, es würde eine allgemeinere, bessere verständnißvollere Würdigung beachtenswerther Bestrebungen auf religiös-unterrichtlichem Gebiete angebahnt. 6) Für die Bestrebungen des D. I. G. B. zur Hebung des Religionsunterrichtes und der äußeren Stellung des Lehrstandes ist der Allgemeine Lehrerverein die naturgemäße und unentbehrliche Ergänzung des D. I. G. B. Und nun an die Arbeit, schnell und unverzüglich. Es ist eine große und schöne, aber auch schwere Aufgabe, die des Allgem. deutsch-jüd. Lehrervereins harrt. Ohne uns indessen hinsichtlich seiner etwaigen Erfolge utopischen Hoffnungen hinzugeben, glauben wir aber doch, daß mit seiner Gründung ein ganz bedeutender Schritt weiter gethan sei zur Besserung unserer Stellung ]) und zur Hebung des Religionsunterrichtes. Und dieser Aussicht gegenüber möge man doch alle kleinlichen oder allzu großer Aengstlichkeit entsprungenen Erwägungen fallen lassen und die Ausführung, die am geeignetsten durch die bewährten Leiter unserer Einzelconferenzen geschieht, nicht länger verzögern. Nachwort: Vorstehender Aufsatz war bereits vor unserer Abreise zur Düsseldorfer Pfingstconferenz der isr. Lehrer Rheinlands und Westfalens fertig gestellt. Da vernahmen wir zu Düsseldorf aus einer Mittheilung des Herrn Vorsitzenden der Confcrenz zu unserer großen Genngthuung, daß ein Antrag zur Gründung eines allgemeinen Lehrervereins bereits seitens des Hanno v. Provinzialvereins gestellt sei. Leider konnte dieser Antrag aus Mangel an Zeit nicht mehr zur Berathung kommen. Die Conferenz südwestdeutscher Lehrer, die zu Trier getagt hat, scheint den auch ihr zugegangenen Antrag theilweise mißverstanden zu haben. Denn wie wir dem betreffenden Conferenzberichte entnehmen» „wurde einem >) Wir möchten Diejenigen, welche von einem isr. Lehrertage nichts erwarten, nur auf die großen moralischen Erfolge Hinweisen, die der Atlgem. deutsche Lehrertag bisher erzielt. Zu seinen Verhandlungen schicken Regierung und Minister ihre Vertreter, die großen Städte wetteifern mit einander, ihn zu sich einznladen und ihm einen glänzenden Empfang zu bereiten. Den Verhandlungen selbst wird von der großen politischen Presse aller Parteien die eingehendste Aufmerksamkeit und respektvollste Besprechung gewidmet. Diese Hochachtung und Werthschätzung hat sich aber der Deutsche Lehrcrlag selbst errungen durch die öffentliche, sreimüthige Darlegung seiner idealen Ziele und Zwecke, durch die den Ansprüchen höchster Bildung genügende Art, wie er die Erreichung seiner Ziele anstrebt. Das Licht, das er so aus den gesammten Lehrerstand wirst, macht ihn selbst schon jetzt zu einer imponirenden, machtvollen Erscheinung, zu einem Faktor im Geschäsreleben, mit dem vom Gesetzgeber und Publikum gerechnet werden muß. Und ein Deutsch-isr. Lehrertag sollte, natürlich nach Maßgabe seines naturgemäß viel beschränkteren Wirkungskreises, nicht ähnliche Erfolge erhoffen dürfen?! — Corresp.

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