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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-07-19 · Heft 29 (19.7.1888) · p. Seite 452

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 29 (19.7.1888)
Date
1888-07-19
Page
Seite 452 (sequence 4)
Language
German
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452 schließen, und zwar nach der Art des Allgem. Deutschen Lehrervereins. Die Vorstände der einzelnen Vereine würden zusammen den sog. Ausschuß des Allgem. deutsch-jüd. Lehrerbundes bilden und die Geschäfte des letzteren nach innen und außen leiten. Außerdem wählen die Vereine Delegirte, welche sich etwa alle zwei Jahre an einem Orte (möglichst) Mitteldeutschlands zu einem Deutsch-jüd. Lehrertage versammeln. Ueber die Einzelheiten der Organisation läßt sich noch sprechen, wenn man auf die bisher (von verschiedenen Seiten) gegebenen Anregungen hin der Sache überhaupt näher getreten sein wird. Nur zwei Punkte möchten wir hier kurz hervorheben: 1) Wir denken uns die Zusammensetzung und Wirksamkeit des Lehrertages so, daß zwar alle jüdischen Lehrer als berathende Theilnehmer willkommen, stimmberechtigt aber nur die Delegirten sämmtlicher Vereine sind (selbstverständlich auch der Ausschuß). Die Delegirten müssen anerkannt tüchtige, bewährte und erfahrene Männer sein, deren gewiß in jedem Einzelvereine sich eine Anzahl befinden. Auch ist es gut, wenn in der Delegirten-Versamuu lung die verschiedenen religiösen Standpunkte vertreten sind. Diese ganze Art der Zusammensetzung des deutsch-jüdischen Lehrerbundes würde, so meinen wir, auch die beste und sicherste Gewähr dafür bieten, daß utopische und unberechtigte Gelüste und Forderungen extremer Standpunkte (relig., Pädagog, und social.) in die gehörigen Grenzen zurückgewiesen würden. 2) Die pekuniären Mittel für den Lehrertag (namentlich Reisekosten der Delegirten) i) würden zum Theil von den Einzelvereinen, zum Theil von dem D. I. G. B. aufzubringen sein. Es bleibt uns nur noch das Arbeitsfeld und die Art der Wirksamkeit des Deutschnsr. Lehrerbundes kurz zu skizziren. Die Thätigkeit desselben würde zunächst zu Gute kommen müssen: 1) der äußeren Stellung des Lehrers; 2) dem Religionsunterrichte. Ob er sich mit Angelegenheiten des Cultusdienstes zu befassen habe, bleibe hier noch uuerörtert. 1) Die äußere Stellung des jüdischen Lehrers bietet dem Beobachter ein buntes Bild dar. Nach der Anstellungsart giebt es verhältnißmäßig wenig öffentliche Lehrerstellen, dafür um so mehr private, in längeren oder kürzeren Fristen kündbare. Nach der Berufsstellung vereinigt ein großer Theil der Lehrer in sich Lehr-, Cantor¬ und Schächtamt, andere sind nur Lehrer und Cantor, wieder andere nur Religionslehrer, Cantor und event. Schächter. Die Stellen, wo der Lehrer nur Lehrer ist, sind selten, man *) Wer von nicht delegirten Lehrern theilnehmen will, muß das auf eigene Kosten thun, wie dies auch beim Allgem. deutschen Lehrertage der Fall ist. Corresp. findet sie besonders in den Reichslanden und den größeren Gemeinden des übrigen Deutschlands. Schon aus dieser kurzen Aufstellung ergiebt sich, wie überaus verbesserungsbedürftig die äußere Stellung der jüdischen Lehrer ist. Es ist aber auch sehr natürlich, daß auf eine solche Besserung die Lehrer selbst hinarbeiten müssen. Da wäre nun den Behörden und Gemeinden gegenüber der Ausschuß des D. I. L. B. der richtigste und gewiß auch ein wirkungsvoller Vertreter der Interessen des Lehrerstandes. Seine Wirkung würde noch erhöht, wenn er seine Thätigkeit mit der des D. I. G. B. gewissermaßen vereinigte, wenn diese beiden Körperschaften sich einander in die Hände arbeiteten. Ja, wir halten ohne diese Voraussetzung eine wirklich erfolgreiche Thätigkeit beider geradezu für unmöglich. Beide sind sich, nach unserer Ansicht, gegenseitig die naturgemäße und unentbehrliche Ergänzung. Der Ausschuß des allgemeinen Lehrerbundes wäre der berufenste Faktor, der dem D. I. G. B. bei dessen lehrerfreundlichen Bestrebungen mit Rath und That zur Hand sein, für ihn auch eine Art Correktive bilden und ihn vor Mißgriffen (wie z. B. der vorletzte Bericht unzweifelhaft einer war) schützen könnte. Durch den betreffenden Ausschuß wiederum vermöchte die Lehrerschaft am besten und in wirksamster Weise ihre berechtigten Wünsche an den Gemeindebund und damit an die Gemeinden gelangen zu lassen. So versprechen wir uns von diesem Zusammenarbeiten des Gemeinde- und Lehrerbundes große, freilich erst allmählich in die Erscheinung tretende Erfolge für die Besserung der äußeren Stellung des Lehrers, für ein regeres Gemeindeleben und — last not least — für Vergrößerung, ja für Verallgemeinerung und Festigung des D. I. G. B. Letzterer würde deshalb ohne Zweifel auch sein eigenes Interesse befördern, wenn er die Bildung eines Allgemeinen Lehrervereins begünstigte. Daß dieses zur Hebung des Standesgefühles und Corpsgeistes unter den Lehrern sehr viel beitragen würde, unterliegt ebenfalls keinem Zweifel. 2) Wie wir uns im wesentlichen die Wirksamkeit des Deutsch-isr. Lehrertages auf dem Gebiete des Religionsunterrichts denken, wollen wir ebenfalls andeuten. Die Einzelconserenzen würden die Vorarbeiten machen, in Vorträgen und Besprechungen wichtige Fragen des genannten Lehrzweiges eingehend bearbeiten, und zwar müssen von den verschiedenen Conferenzen jedesmal gleiche Fragen behandelt werden. Eine Einigung läßt sich durch den Ausschuß leicht erzielen. Diese Gleichheit der Themata ist unbedingt erforderlich, um letztere nach allen Seiten hin gründlich zu beleuchten und die Stellung des gesammten Standes zu denselben zu erkennen. Die betreffenden Fragen kommen nun auf dem Lehrertage ebenfalls zur eingehenden Besprechung, wobei das in den Einzelconferenzen gewonnene Material

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