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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-07-12 · Heft 28 (12.7.1888) · p. Seite 441

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 28 (12.7.1888)
Date
1888-07-12
Page
Seite 441 (sequence 9)
Language
German
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441 %)C VCVYWO^ SWCLcfyzi c Deutschland. Bonn, 1. Juli. (Privatmitth.) Mit dem heutigen Tage ist die „Allg. Zeitung des Judenthums" in den Besitz der Verlagshandlung Gustav Engel in Leipzig (Hospitalstraße 2) übergegangen, desgleichen die bei Baumgärtner erschienenen Schriften des Dr. Ludwig Philippson und andere Werke aus dem Gebiete des Judenthums. Der neue Besitzer wird der Herstellung und dem Vertriebe, namentlich dieser Zeitung, eine frische Kraft und die prompteste Expedirung widmen. Bonn, 1. Juli. (Privatmitth.) Die gesammte Presse des In- und Auslandes hat in lebhaften Ausdrücken ihre Befriedigung über die Thronrede unsres neuen Königs zur Eröffnung des preußischen Landtages ausgesprochen. Von den preußischen Blättern haben mehrere den Satz über den Schutz aller Religionsbekenntnisse als eine Absage gegen den Antisemitismus aufgefaßt, um so mehr, als in der darauf folgenden Stelle der Rede der Friede mit der katholischen Kirche noch besonders betont worden ist. Wir können dies ad acta nehmen; ist doch unstreitig nach dieser Richtung hin die Atmosphäre von ihrer früheren Schwüle befreit. Der Antisemitismus schießt nur noch in Wien ins Unkraut; aber auch hier wird wohl die vom höchsten Gerichtshof bestätigte Berurtheilung Schöneres ihre abkühlende Wirkung nicht verfehlen. Wenn die „Kreuzzeitung" eine Ausnahme macht und Verwahrung dagegen einlegt, den Passus derThrvnrede als gegen den Antisemitismus gerichtet aufzufassen — so versteht sich dies bei diesem Blatte von selbst, dient aber mehr zur Bestätigung als zur Entkräftigung jener günstigen und als Folgerung aus den Worten des Königs natürlichen Auffassung. — Aus allen Gegenden des Deutschen Reiches kommen uns Berichte über die mit außergewöhnlicher Theilnahme in den Synagogen vollzogene Trauerfeier beim Hinscheiden des Kaisers Friedrich zu. Außer dem badischen israelitischen Oberrath hatte auch das Rabbinat zu Gießen (Dr. Levi) durch ein Cirkular an die Vorstände der Gemeinden der Provinz Oberheffen die Trauerfeier angeordnet und für die Gemeinden ohne Rabbiner ein sehr tief empfundenes, die Predigt ersetzendes Gebet eingeschlossen. Im Drucke erschienene, bei diesen Trauerfeierlichkeiten gehaltene Predigten sind uns bis jetzt zugekommen: von Bezirksrabbiner Dr. M. Landsberg in Kaiserslautern, Dr. S. Gelbhaus zu Nordhausen, zwei Reden zum Gedächtnisse der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. von Dr. M. Silberstein in Wiesbaden, dem Großh. Landrabbiner Dr. Landsberger in Darmsladt und Rabb. Dr. Vogelstein in Stettin. Sie sind beredte Zeugnisse von der tiefen Empfindung der Trauer, welche die Gemeinden bei diesem großen Verluste des Vaterlandes fühlen. Diese Predigten wurden auf Verlangen des Vorstandes der betr. Gemeinden dem Druck übergeben. Berlin, 1. Juli. (Privatmitth.) Zu den bedeutungsvollen Kundgebungen Kaisers und Königs Wilhelm II gehört das Dankschreiben, welches er durch den Reichskanzler veröffentlichen ließ und in dem er seinen Dank für die allgemeine Theilnahme an dem Heimgang Kaiser Friedrichs ausspricht. Man fühlt es jedem Worte dieses Erlasses an, wie es aus der Tiefe des Herzens geflossen und die Verehrung und Liebe zu seinem verewigten Vater zum Ausdruck bringt. Auch hier nimmt der neue Herrscher die Gelegenheit wahr, seinen bestimmtesten Willen auszusprechen, die Wohlfahrt des Volkes durch die Wahrung des äußeren und inneren Friedens zu fördern und zu schützen. Da können wir uns denn der Wallung seines hohen Amtes durch unsren gegenwärtigen Regenten hoffnungsvoll überlassen. Mögen auch trotzdem gewisse Parteien versuchen, diesen Frieden zu stören und die verschiedenen Religionsbekenntnisse auf einander zu hetzen, vor den Stufen des Throns und den Pforten der Gesetzgebung werden sie verstummen müssen. (Siehe auch unsre Correspondenz aus Wien.) — Bekanntlich waren die Hohenzoller'schen Monarchen, von Friedrich dem Großen bis zu Kaiser Wilhelm und Friedrich III., Protektoren der Freimaurerlogen. Die „Bauhütte" brachte nun in Nr. 26 die Notiz, daß Kaiser Wilhem II. „ein unbesiegbares Vorurtheil" gegen die Loge habe. Man kann sich denken, daß diese Notiz in gewissen Kreisen und in kirchlichen Blättern, wie die „Germania" und „der Reichsbote", großen Jubel hervorrief. Der letztere, bekanntlich das Organ Stöckers, nahm denn auch diese Gelegenheit wahr, Judenthum und Juden in die Sache hin einzuziehen und mit gewohnter Tapferkeit (??) darauf loszuschlagen. Nach ihm hat sich die Freimaurerei mit Atheismus und Judenthum vollständig verquickt; durch ihn sei „der jüdische Einfluß, der in den Logen heute einen unglaublich weit reichenden Arm besitze", befördert worden. Man wird für diese Behauptung vom „Reichsboten" und dessen Schleppträgern Beweise fordern. Dies brächte aber jene Leute nicht in Verlegenheit, denn sie sind eben gewohnt, für ihre Anschuldigungen keine Beweise zu bringen) Darüber schlüpfen gewissenhafte Männer hinweg. An Gegenbeweisen fehlt es nicht. Waren es doch gerade die Berliner Logen, welche die Juden von sich ausschlossen, und selbst denen, die in auswärtigen Logen ausgenommen waren, nur einen gelegentlichen Besuch gestatteten — welchem Beispiele die meisten preußischen Logen folgten. Leipzig, 29. Juni. In Leipzig und in Luxemburg wird es den Juden verweigert, gegen Hetzblätter klagend aufzutre- 28

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