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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-07-12 · Heft 28 (12.7.1888) · p. Seite 440

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 28 (12.7.1888)
Date
1888-07-12
Page
Seite 440 (sequence 8)
Language
German
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440 größerer politischer Freiheit in diesem Laude, keine reale Bedeutung. Wir schließen hier unseren Bericht mit dem Ausdrucke herzlichsten Dankes an die Direktoren dieser Gesellschaft und allen Freunden unseres Unternehmens, welche stets bereit waren, uns ihre persönliche Hülfe zu leihen, wenn immer es galt, in den Kreisen ihres Einflusses die Interessen unserer Schutzbefohlenen mit Wärme zu vertreten. Mögen alle Gönner unserer Sache fortfahren, unseren Bemühungen ihre freundliche Unterstützung zu widmen und uns helfen im Ausbau einer Einrichtung, welche bestimmt ist zu werden: „Ein Muster-Institut practischer Humanität." Literarischer Wochenbericht. Bonn, 3. Juli. Es liegt uns jetzt der erste Band (716 S.) von „Volksthümliche Geschichte der Juden in drei Bänden von vr. H. Gr ätz, Professor an der Universität Breslau. 1. Bd. Bon der Entstehung des jüdischen Volkes bis zur zweitmaligen (!) Zerstörung Jerusalems unter Vespasian (Leipzig,Leiner.)" vor. Dieser Band beginnt mit der „uralten Zeit", nämlich „der Ansiedlung und Volkswerdung (!)" bis zu den letzten „jehudäischenKönigen" und fährt dann mit der zweiten Periode, der exilischen und nachexilischen Zeit, der Epoche der hasmonäischen Fürsten und der herodianischen Epoche bis zum Untergang Jerusalems fort. Die ganze Vorzeit und die mosaische Epoche wird auf zwei Seiten abgethan und die Erzählung mit der Eroberung Canaans begonnen. Aber auch die Richtcrzeit nimmt nur geringen Raum ein,! so daß die ausführliche Schilderung erst mit Samuel beginnt. Es wird vorausgesetzt, daß die Vorgeschichte in der Erinnerung des Volkes als wunderbare Legende verblieben, ohne daß sie in dieser „Geschichte" näher beschrieben zu werden brauche. Erst bei Samuel wird der Thora, „die von Moses stamme", erwähnt, und das 5. Buch Moses dem Propheten Jeremias oder doch seiner Zeit zugeschrieben. Ob die Bezeichnung, daß dieses „neue Gesetzbuch" ermahnt, warnt und förmlich bittet, dieses zu thun und jenes zu lassen, nicht droht, sondern auf die unheilvollen Folgen der Uebertretung hinweist" (S. 207) mit 5. Mos. 27,15 ff., 28.15 ff., 29,21 ff., wo die furchtbarsten Strafen angedroht werden, so wie auch mit 32, 5 übereinstimmt, will uns nicht einleuchten. Gewiß ist das Unternehmen, eine „volksthümliche" Geschichte der Juden zu schreiben, sehr zeitgemäß. Es füllt die Lücke zwischen den unifassenden Werken von Jost und Grätz und den für Schule und Jugend verfaßten gedrängten Geschichtsbüchern von Willstätter, Hecht, Kayserling u. A. aus. Herr Prof. Grätz hat sich uns persönlich so schroff entgegengestellt, daß wir der Unparteilichkeit wegen es anderen Kritikern überlassen, in das Detail einzugehen. Wir wollten hier nur von dem Erscheinen und der Anlage des Werkes Bericht geben. — Der als K'anzelredner rühmlichst bekannte Großrabbiner E. A. Astrue (jetzt zu Bayonne) hat'eine Peßachpredigt „La cfene israelite“ (Bayonne, Lespes soeurs, 1888) veröffentlicht. Unter „cfene“ (coena) verstehen die Franzosen das „Abendmahl". Der Redner, anknüpfend daran, daß der alte jüdische Brauch an allen Festabenden (mit Ausnahme des Jom Kippur) nach dem Gottesdienste alle Mitglieder der Familie zu einem Festmahle vereinigt, versteht hier unter eene den Seder am Peßachfeste und legt die Symbole desselben in seiner Predigt aus. Er geht hierbei von dem schönen und wahren Satze aus: „Was der Mensch braucht, das ist nicht allein die majestätische und kalte Geschichte, sondern die Legende, d. h. die geschichtliche Thatsache, commentirt, verschönt, umgestaltet durch die Arbeit der Einbildungskraft und durch die innigen Gespräche des Heerdes; was der Mensch braucht, das ist nicht allein Verstehen, sondern Sehen, weil er in seinem Geiste nur das bewahrt, was auf seine Sinne einen tiefen Eindruck gemacht hat. Darum haben sie, um große und heilige Ideen in uns eindringen zu lassen, uns im Schooße der Familie zusammenberufen, vor unsren Augen ausdrucksvolle Bilder entfaltet, sicher, daß im Lichte^fröhlicher Feste! und beim Anblick von Symbolen die Gemüthsbewegungen und die Erinnerungen erwachen, daß die Menschen und die Dinge, aus dem Staube der Jahrhunderte hervorgegangen, wieder lebendig und für uns wieder erstehen würden." Der Redner erklärt nun die Symbole des Seder dahin, daß sie die Solidarität der jetzigen mit den früheren Geschlechtern, die Gewißheit der göttlichen Vergeltung und die treue Pflichterfüllung gegen die Nationen, die uns jetzt in ihren Schooß ausgenommen, bedeuten. Im Verlaufe dieser Rede werden wahrhaft schöne Gedanken und edle Gefühle in wärmster Sprache zum Ausdruck gebracht, und zwar in harmonischer, das Herz bewegender Sprache. — Der Prediger Herr Dr. David Leimdörfer in Hamburg hat Vorträge über „Israels Bekenntniß j/db'", die er im verflossenen Winter im Hamburger Tempel gehalten, herausgegeben (Hamburg, Voß, 1888). In drei Predigten behandelt er die drei Absätze des yaW/ indem er in reichem Maße Worte unsrer Weisen aus Talmud und Midrasch heranzieht und Derwerthet. Er fügt dann noch eine vierte an: „Vorbild eines israelitischen Gottes-Bekenners." Der Verfasser hat sich durch die Wärme der Empfindungen und durch Klarheit des Ausdrucks, so wie durch logische Consequenz in Voraussetzung und Folgerung bereits einen guten Namen erworben, und wird deshalb auch diese, einen bestimmten Gegenstand zusammenhängend bearbeitende Sammlung viele Leser anziehen und befriedigen.

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