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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-07-05 · Heft 27 (5.7.1888) · p. Seite 430

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 27 (5.7.1888)
Date
1888-07-05
Page
Seite 430 (sequence 14)
Language
German
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430 Arbeitsunfähige Leute sollten vor einer Auswanderung gewarnt werden, welche ihnen nur bittere Enttäuschungen in einem fremden Lande bereiten muß, und in den meisten Fällen eine Verschlechterung anstatt Verbesserung ihrer materiellen Lage herbeiführt". Diese Warnungen sind schon mehrfach erflossen, ohne, wie es scheint, genügende Beachtung zu finden, denn auch in den bereits verfiossenen Monaten seit dem 1. September 1887 hat die Einwanderung eher zuals abgenommen. (Wir werden aus dem eben gedachten Berichte das Interessanteste in nächster Nr. bringen. Redakt.) — Unter dem Namen „Jewish Publication Society of America“ ist in Philadelphia eine Gesellschaft zur Förderung des Wissens auf religiösem, literarischem und historischem Gebiete durch Veröffentlichung einschlägiger Schriften gegründet worden. An der Organisation der Gesellschaft haben sich die hervorragendsten Israeliten der Vereinigten Staaten betheiligt, und einer derselben, Herr Jakob Schiff in New- Uork, welcher sich gegenwärtig in Europa aufhält, hat von dort per Kabel dem Fond des neuen Unternehmens eine Schenkung von Doll. 5000 zugesagt unter der Bedingung, daß von anderer Seite innerhalb eines Jahres für denselben Doll. 50,000 aufgebracht werden. Dieser Fond soll zu Ehren des kürzlich verstorbenen bekannten Gelehrten Heilprin der „Michael Heilprin Endowmcnt Fund“ heißen. (Es bestehen in den großen Städten Nordamerikas viele jüdische „Literarische Gesellschaften", von denen man aber bis jetzt wenig zu hören bekommen. Möge die obige Stiftung hervortretendere Erfolge zu verzeichnen haben. Redakt.) Bonn, 1. Juli. (Notizen.) In diesen Tagen verschied der berühmte Schachspieler Zuckertort. Der Tod erfolgte, wie Londoner Blätter berichten, plötzlich. Am Dienstag Abend wurde Dr. Zuckertort, während er Schach spielte, unwohl; im Krankenhause, wohin man ihn sofort gebracht hatte, traf er bereits bewußtlos ein. Am andern Morgen 101/4 Uhr starb er. Als Todesursache gilt ein Schlaganfall. Ueber Zuckertort's Lebensgang wird im Wiener „Fremdenbl." berichtet: „Zu Riga am 7. September 1842 geboren, war Zuckertort schon als Jüngling von solcher Leidenschaft für das edle Spiel erfaßt, daß er sich desalb mit seinem strenggläubigen Vater überwarf, welcher die Zeit und Geist absorbirende Passion seines Sohnes für dessen Fortkommen wenig förderlich hielt. Er verließ das Elternhaus und wandte sich nach Breslau, wo er in eifrigen Kämpfen mit den dortigen Schachfreunden, namentlich aber angeregt durch den großen Andersen, bald zu einer namhaften Spielstarke gedieh. In Berlin erscheint er bald darauf in Gemeinschaft mit Neumann als Herausgeber der „Neuen Berl. Schachztg."; in dieser Phase seines Schachliteratenthums hat er außerordentlich Verdienstliches für die Erweiterung der theoretischen Schachwissenschaft geleistet. Sein Ruhm als praktischer Spieler datirt aber erst von der Mitte der siebziger Jahre. Wir begleiten ihn auf dieser, innerhalb seines engen Gebietes rühmlichen Laufbahn nicht weiter, bis er zuletzt in seiner Kunst schwächer wurde. Im Jahre 1878 gründete er das größte englische Schachorgan „Ohe88 Monthly.“ — Wie man aus England berichtet, giebt es dort mehrfach Israeliten, welche das 100. Lebensjahr überschritten haben. Eine Frau Rachel Prussia feierte am 18. März ihren 106. Geburtstag, umgeben von vielen Kindern, Enkeln und Urenkeln. In Rochester lebte ein Greis Samuel Mannes, der 104 Jahre zählt und der jeden Sabbath zur Synagoge wankt. In Cardiff starb am 1. März ein Israelit Namens Barnet, der 103 Jahre alt geworden; in Polen geboren, hat er dieses Land in seinem 23. Jahre verlassen und sich niemals verheirathet. Auch in Afrika ist die Langlebigkeit bei den Juden zu Hause. So starb jüngst in Tripolis ein Israelit, Namens Sugew, der das Alter von 117 Jahren erreicht hatte. — Ieui 1 te 10 n. Trust Renav's Persönlichkeit. Ernst Renan hat für das Judenthum unsrer Zeit eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Er war der erste Verkünder jener Theorie von der dauernden und psychologischen Verschiedenheit der semitischen und arischen Race, die sich auf nichts als die uralte Differenz zwischen den semitischen und indogermanischen Sprachfamilien stützt. Bei der raschen Verbreitung dieser Theorie in der civilisirten Welt half cs nichts, daß Renan selbst später, allerdings recht spät, diese Theorie widerrief: Man kann sie als eine der wirksamsten tlrsachen des „Antisemitismus" ansehen. Alsdann, während David Strauß in seinem „Leben Jesu" die Juden nicht berührte, kam Renan in seinem Werke gleichen Namens wiederholt auf diese zurück und bezeichnete sie für die Gegenwart in gehässigster Weise; in seiner phantastischen Weise erklärte er sogar die gegenwärtigen Juden für „Mumien", die aus ihren Höhlen hervorgehen und umherwandern u. s. w." Allerdings hat er auch dies in seinen jüngeren Schriften widerrufen oder vielmehr sich ganz anders über sie ausgelassen, da er sogar das reformirte Judenthum als einen wesentlichen Faktor der Religion der Zukunft darstellte. Aber wie es gewöhnlich geschieht, von diesem Widerruf nehmen oder haben

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