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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-07-05 · Heft 27 (5.7.1888) · p. Seite 429

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 27 (5.7.1888)
Date
1888-07-05
Page
Seite 429 (sequence 13)
Language
German
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429 heit die Redaktion des § 'beschloß, welche sie Ihnen vorgeschlagen hat. Ich muß vor Allem zur Beantwortung des einen Arguments, das der verehrte Prälat vorgetragen. Ihnen mittheilen, daß es viel mehr israelitische Arbeiter giebt, als er glaubt. Und wenn Herr Froppel sich einmal in der Umgebung der neuen Kirche vom Kaors-Oosur, in Montmartre, umsehen wollte, so würde er zahlreiche Werkstätten finden, die von israelititschen Arbeitern, elsässischen, österreichischen, polnischen oder deutschen, bevölkert sind. Folglich ist die Frage über die Arbeit der Israeliten dem Gegenstände durchaus nicht gleichgültig. — Jaurös: Es sind vielleicht die Israeliten, welche alle Arbeiten am 8aors-6oenr machen! (Man lacht.) — Froppel: Wir sind nicht hier, um Gesetze zu Gunsten der Oesterreicher oder der Deutschen zu machen. — Berichterstatter: Nicht doch; die Arbeitsgesetze müssen auf alle Arbeiter angewendet werden, die auf dem französischen Boden arbeiten; sonst würden sie eine Begünstigung der Ausländer schaffen. — Froppel: Ist eine verschwindende Minorität. — Berichterstatter: Oh, ich weiß wohl, daß die Meinung, die Sie vertreten, sich nicht immer um die Rechte der Minoritäten bekümmert gezeigt hat (Unruhe auf der Rechten), sie haben nicht weniger Recht auf den Schutz des Gesetzes. Das Amendement schlägt uns nichts Anderes vor, als in ein Vertragsverhältniß einzugreifen, welches der freien Entschließung der Betheiligten überlassen werden muß." Die Kammer verwarf das Amendement Froppels und nahm den § der Commission an. — Die Redaktion der Arch. isr. macht zur Widerlegung des Herrn Froppel darauf aufmerksam, daß im Elsaß, dem Vaterlande des Bischofs, seit mehr als einem halben Jahrhundert zwei israelitische Schulen für Künste und Handwerke bestehen, aus welchen jährlich eine nicht unbeträchtliche Zahl jüdischer Jünglinge zur Ausübung ihres Gewerkes kommen. Außerdem bestehen solche Schulen in Paris, Lyon, Bayonne u. s. w. Aber was helfen alle solche Thatsachen gegen ein eingewurzeltes Vorurtheil, sobald dies einer gewissen Partei in den Kram paßt. Nordamerika. New»V»rk, im Juni. (Privatmitth.) Wir haben schon mehrere Male über die Vereinigung der jüdischen Wohlthätigkeits - Gesellschaften der Stadt New-Pork, die sich seit sechs Jahren organisirt hat, berichtet. Die segensreichen Wirkungen derselben können nicht genug gerühmt werden. Im Laufe des verflossenen Jahres hatte die Vereinigung eine Einnahme von 64,214 Dollars, die bis auf 509 Dollars auf Unterstützungen verausgabt wurden, nämlich für Unterstützungen von Familien und einzelner Personen, dann Weiterreisender und Rückwanderer (6790 Dollars), der Industrieschule, der Bekleidung Armer und Arbeitsloser (4546 Dollars), für ärztliche Hilfsleistung und Medikamente, Unterstützung von Wöchnerinnen, Gewährung freier Begräbnisse u. s. w. Die Vereinigung unterhält auch ein „Arbeits-Nachweis-Bureau" seit vier Jahren. Man kann sich denken, welch eine Mühewaltung diesem Bureau obliegt, wenn man das Verzeichniß der jüdischen Einwanderer überschaut. Es landeten in Castel Garden vom 1. Oktober 1886 bis zum 30. Sept. 1887 25,788 jüdische Einwanderer. Unter diesen befanden sich 5084 Oesterreicher, 856 Deutsche, 1068 Rumänen. 18682 Russen, aus den übrigen Ländern nur kleine Zahlen. Unter diesen Einwanderern befanden sich 10102 Männer, 7484 Frauen und 7902 Kinder. In New-Pork blieben von diesen in einem Jahre eingewanderten 7591, während 18197 New-Iork verließen und sich über die verschiedenen Theile der Union verbreiteten. Es ist sehr dankenswerth, daß der Vorstand der Vereinigung aus dem Jahresberichte dieses Arbeits-Nachweisungs-Bureaus einen ausführlichen Auszug veröffentlicht hat. In einer Ansprache „An unsre Freunde in Europa", welche dieses Heft, „Die jüdische Einwanderung und ihre Berwerthnng auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt" einleitet, heißt es: „Angesichts der fortdauernd großen Einwanderung von Europa, glauben wir, den von uns vertretenen Interessen einen guten Dienst zu erweisen, durch Verbreitung des letzijährigen Berichts der Abtheilung für „Arbeits-Nachweis," den betheiligten Kreisen nützliche Aufklärung zu geben über „die jüdische Einwanderung und deren Verwerthung auf dem amerikanischen Arbeits m arkte". Unser „Arbeits - Vermittelungs - Bureau" hat sich, trotz eines kaum vierjährigen Bestehens, zu einem der wichtigsten Zweige unserer Thätigkeit gestaltet und haben Tausende Arbeitsuchende durch dasselbe zeitweilige und dauernde Versorgung gefunden. Alle Chancen, die sich dem Einwanderer hier bieten, hängen eng zusammen mit den mechanischen oder intellectuellen Fähigkeiten, welche derselbe mit hierher bringt, und den Gelegenheiten, die sich ihm hier eröffnen, diese Fähigkeiten zu verwerthen. Unseren Schutzbefohlenen bei dem Aufsuchen solcher Gelegenheiten hülfreiche Hand zu reichen, ist die ausschließliche Aufgabe unserer Abtheilung für „Arbeits-Vermittelung" und suchen wir derselben nach besten Kräften gerecht zu werden. Wir können uns indeß nicht der Pflicht entziehen, getreulich auch über die Schwierigkeiten zu berichten, welche unserer Thätigkeit durch die leichtsinnige Einwanderung arbeitsunfähiger Personen bereitet werden. Bei der größten Sympathie, die wir ihrer Lage widmen, können wir hier nicht die Mittel finden, diese Hülflosen dauernd zu erhalten, in einem Gemeinwesen, welches für Tausende verarmte, altersschwache oder gebrechliche Personen bereits zu sorgen hat.

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