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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-07-05 · Heft 27 (5.7.1888) · p. Seite 427

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 27 (5.7.1888)
Date
1888-07-05
Page
Seite 427 (sequence 11)
Language
German
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schen Arena aufzutreten, läßt uns ziemlich gleichgültig. Unsere christlichen Mitbürger sehen es einmal nicht gern, wenn Juden im öffentlichen Leben sich Hervorthun, und unsere Feinde schlagen gerade daraus Kapital, was uns zum Ruhme gereichen sollte. Warten wir, bis bessere Zeiten eintreten. Ja, eine solche war auch in Deutschland bis etwa vor drei Jahrzehnten, einer Zeit, wo jeder Jude allseitig herzlich begrüßt wurde, der sich durch Bildung und Patriotismus auszeichnete; bald wurde dies aber den Anderen zu viel. — — Als die Führer der National-Liberalen den Stöckerschen Aufruf für die Stadtmission unterschrieben, hieß es: es geschehe, um das Stöckersche Regiment in derselben durch einen Andern zu verdrängen. Dies ist nicht geschehen, sondern nur ein Gehülfe für Stöcker wurde so eben angestellt, ein Superintendent aus der Provinz, der sich von Anfang der Stöckeriade als einen entschiedenen Anhänger Stöckers, in kirchlicher wie politischer Beziehung, bekannt hat. Jene Herren sind also dupirt, und sie haben nur Stöcker die Mittel verschafft, seine Kräfte in Berlin zu verstärken. — Leipzig, 22. Juni. Die Antisemiten fühlen die Nothwendigkeit, doch noch Etwas von sich hören zu lassen. Tahin gehört die Fortsetzung ihrer Fntriguen gegen die Juden in Bezug auf die Thronbesteigung Kaiser Wilhelm II. Die „Franks. Z." enthält folgenden Artikel: „Als enen Warnungspfiff, ein „Zurückpfeifen der Hunde" erdreistet sich die „Antisem. Korresp." die Thatsache zu bezeichnen, daß wir in Nr. 157 (Abendblatt) der „Franks. Ztg." darauf hinwiesen, daß jenes Hetzblatt der Antisemiten alle Deutschen aufgefordert habe, jeden Juden und Judengenossen, der es wagen sollte, öffentlich gegen den Kronprinzen zu hetzen, auf frischer That körperlich zu züchtigen und alsdann der Staatsanwaltschaft zu überliefern. Die Wiedergabe dieser Aeußerungen habe offenbar nur den Zweck gehabt, an die Hetzer den Warnruf ergehen zu lassen: „Vorsicht, >::an paßtauf!" Dieser frechen Behauptung gegenüber können wir aufs Neue die Frage aufwerfen: „Wann und wo ist überhaupt von einer Hetze gegen den vormaligen Kronprinzen und jetzigen Kaiser die Rede gewesen?" Wir wissen nichts von einer solchen Hetze; das aber ist eine Thatsache, daß zahlreiche Kartellzeitungen gegen den verstorbenen Kaiser Friedrich und seine Gemahlin eine schmachvolle Hetze in Scene gesetzt haben, und auch das ist eine Thatsache. daß die „Antisem. Korresp." zu unserem damaligen Vorschläge, sie möge doch ein gleiches denunciatorisches Vorgehen gegenüber allen Denjenigen befürworten, die sich im Laufe der letzten Wochen die schamlosesten Beleidigungen gegen das damalige Kaiserpaar erlaubt hätten, einfach schweigt. Wir hatten damals diesen Vorschlag mit der Behauptung begleitet, daß alsdann wahrscheinlich in erster Linie zahlreiche Anhänger jenes Urgermanenthums, als dessen Organ die „Antisem. Korresp." zu betrachten ist, Gelegenheit haben würden, die nähere Bekanntschaft des Staatsanwalts zu machen. Da es das antisemitische Hetzblatt nicht für nöthig hält, auf diesen Vorwurf zu antworten, so dürfen wir wohl annehmen, daß es in diesem Falle unsre Ansicht theilt." Breslau, 19. Juni. Das Central-Comits des Stellen- Nachweis-Vereins jüd. Kaufleute ersucht uns um Aufnahme folgendes Eingesandt. „In der jüngst stattgehabten General-Versammlung erstattete der Schriftführer im Aufträge des Vorsitzenden Bericht über die Thätigkeit des Vereins im soeben obgelaufenen dritten Geschäftsjahre. Die Mittheilungen waren nach jeder Richtung hin erfreulicher Natur. Der Verein ist im steten Zunehmen begriffen, seine Mitgliederzahl ist von 301 auf 406 gewachsen. Es wurden im Laufe des Jahres 127 Vacanzen und 118 Bewerbungen angemeldet und sind durch die Vereinsthätigkeit 27 Placirungen zu Stande gekommen. Lehrlinge konnten bedeutend mehr untergebracht werden; es fehlte jedoch an Aspiranten. Die meisten Unterstützungsgesuche wurden bewilligt, nur wenige, unmotivirte mußten zurückgewiesen werden. Auch der Kaffenbestand hat sich gehoben. Derselbe beträgt jetzt 912,77 Mk. gegen 459,58 Mk. im Vorjahre. Der demnächst erscheinende „Jahres-Bericht" wird auch dieser Zeitung wieder beigefügt werden. Beitrittsanmeldungen nimmt nach wie vor entgegen: der Schriftführer Martin Fraeukel, Schwertstraße 5a. Karlsruhe, 27. Juni. (Privatmitth.) Das „Verordnungsblatt des Großherz. Oberrathes der Israeliten" Nr. V. vom 19. Juni enthält eine Verordnung dieser Behörde an sämmtliche Rabbinate und Synagogenräthe des Landes, am 24. Juni einen Trauergottesdienst um den Kaiser Friedrich III, so wie das dabei abzuhaltende Gebet, welches die tiefsten Gefühle des Schmerzes über dieses, das ganze Vaterland betroffene Geschick zum Ausdrück bringt. Oesterreich-Ungarn. Wien, 26. Juni. In den letzten Tagen überreichte eine Deputation aus der Wählerschaft Schönerers dem Minister Ziemialkowski als Vertreter des abwesenden Justizleiters Prazak über tausend Petitionen mit 30,000 Unterschriften aus allen deutschen Ländern der diesseitigen Reichshälfte um Begnadigung Schönerers. Ziemialkowski empfing die Deputation sehr freundlich und soll zu erkennen gegeben haben, daß die morgige Appellverhandlung beim obersten Gerichtshöfe für Schönerer nicht ganz aussichtslos sei. (Das wäre doch auffällig, daß ein Justizminister einer Partei den Beschluß des Gerichtshofes, und zwar bevor derselbe gefaßt ist, mittheilt!!)

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