Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1888)
- Date
- 1888-07-05
- Page
- Seite 425 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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425 Schneeberger, um das Gehirn meiner Mitbrüder zu reinigen! Doch genug davon. Daß Sie trotz dem Verbote unserer Weisen s. A. im sechsten Jahrtausend ein Haus kaufen wollen, aber Gott zugleich bitten, „uns den Propheten Elias und den Messias zu schicken" und zugleich soll er auch „das Herz der Fürsten und Räthe zum Guten neigen", daß Sie eine Concession bekommen mögen, ist eine von den gewöhnlichen Widersprüchen, in welche die Menschen verfallen. „Wozu aber Deiner Schuld gedenken?" So viel ist gewiß, „viele aus dem auserwählten Volke in Glogau" sind desfalls eingekommen." Der Weg, den diese Leutchen eingeschlagen, ist der rechte Weg und davon ist nicht abzuweichen, nämlich Concession zum Ankauf von Häusern kann nur das Oberamt in Glogau, mit Bewilligung des Chefs, nämlich des Herrn von Hoym, bewilligen. Bei diesem muß also eingekommen werden. Von Berlin aus können Sie Empfehlungsschreiben an den Minister Hoym erhalten: 1) durch den Minister von Heinitz als Chef des Alaunwerks — dieses muß Ihnen der Sohn desselben, Aron Joresch, verschaffen, 2. durch alle Kaufleute, welchen Sie Maaren abkaufen und die Ihnen attestiren, daß Ihre Kameele durch die Wüste gehen und den Ballen Waare auf ihren Rücken haben." Wollen Sie 3. noch Ihre rrrpy wyo von dem ausländischen Tabak beibringen, daß dessen nicht mehr gedacht werde, so bin ich's auch zufrieden. Jedenfalls rathe ich Ihnen, noch zu warten, bis der Minister von Struensee sich hat bereitwillig finden lassen, die Bittschrift der Kaufleute „zu Gunsten eines der Vornehmen des auserkorenen Volkes" zu gewähren und ihm ein Recommandationsschreiben an den Minister von Hoym zu bewilligen. Indessen wenn er das auch abschlägt, Minister Heinitz thut es deswegen doch, er kann immer mit Grund die Wahrheit sagen: es sei ihm daran gelegen, daß der Commissarius der Alaun- Niederlage einen bestimmten Ort habe und Aehnliches; das kann Ihnen aber keiner als Gebrüder Mayer schaffen. vr. Kayserling. XX. Deutschland. | Bonn, 25. Juni. (Privatmitth.) Nichts hat uns bei der antisemitischen Bewegung mehr geschmerzt, als daß unter den deutschen Studenten mehrerer Universitäten wie Berlin, Leipzig, Breslau eine nicht geringe Zahl sich zu der Fahne eines Stöcker, Henrici und jetzt in Wien zu der eines Schönerer bekannte und damit den Troß ihrer lärmenden Anhänger nachdrücklich vermehrte. Wir konnten uns dies nur daraus erklären, daß diese jungen Männer Vorurtheil und Haß aus ihrem Elternhause und aus ihrem Jugendunterrichte davon getragen hätten. Gerade von den Jüngern der Wissenschaft hätte man ein Anderes erwarten sollen. Indessen haben sich jüngst Dinge ereignet, welche die Sache in einem anderen Lichte erscheinen lassen. In Freiburg i. Br. haben Studenten einen Franzosen mit seiner Frau auf's Roheste behandelt und die Thränen, in welche die Dame ausbrach, nur verspottet. Daß dies sich so verhält, ist durch die Thatsache erwiesen, daß der Senat der dortigen Universität die betreffende Studentenverbindung aufgehoben und jene Studenten in Untersuchung gezogen hat. In Belfort wurden deutsche Studenten vom dortigen Pöbel mißhandelt. Von autorativer Seite ist es verneint worden, daß die Betroffenen sich so ungebührlich benommen hätten, daß die Volksmasse gereizt worden. Dagegen meldet man soeben aus München, daß deutsche Studenten drei schweizerische aus der französischen Schweiz in einem öffentlichen Local übel behandelt haben. Was von den czechischen Studenten bei mehreren Gelegenheiten gegen die deutschen verübt worden, ist hinlänglich bekannt. Wie sich die Wiener Studenten unter der Leitung Schönerer's benommen haben und sich nicht einmal scheuten, den ehrwürdigen Schatten der großen Kaiserin Maria Theresia zu mißachten, hat allgemeinen Unwillen erregt. Faßt man diese und andere Erscheinungen zusammen, so zeigt es sich, daß in einen Th eil der Studenten ein Geist der Rohheit und der Beschränktheit gedrungen ist, welcher nicht ohne Besorgniß in die Zukunft blicken läßt, da sich doch aus dieser Jugend eine nicht geringe Zahl der in allen Zweigen des öffentlichen Lebens thätigen Männern entwickeln müssen. Wir sind weit davon entfernt, von irgend welcher disciplinarischen Beschränkung der sog. akademischen Freiheit eine nützliche Wirkung zu erhoffen. Was wir aber betonen zu müssen glauben, ist, daß die Universitätslehrer sich in ihren Vorträgen beeifern müßten, bei ihren Zuhörern einem besseren Geiste, dem Geiste der Bildung und der Humanität, der Gerechtigkeit und Aufklärung Eingang zu verschaffen. Unter solchen Umständen scheint es uns nicht genug, daß die Dozenten nur ihre nüchterne Wissenschaft vortragen, sondern sie müssen jedwede Gelegenheit benutzen, um jenen unsittlichen Tendenzen entgegen zu wirken. Jedenfalls geht aus alledem hervor, daß die antisemitischen Allüren der Studenten nur ein Symptom, nicht aber die Krankheit selbst sind. 27