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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-07-05 · Heft 27 (5.7.1888) · p. Seite 423

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 27 (5.7.1888)
Date
1888-07-05
Page
Seite 423 (sequence 7)
Language
German
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423 b. Für junge Leute (denen wir zur Erleichterung ihres Eintritts ins Geschäftsleben haben Plätze anweisen müssen, die nach hiesigem Gebrauch zum größten Theile von Knaben ausgefüllt und nicht genügend bezahlt werden, um selbst bescheiden bemessene Bedürfnisse eines Erwachsenen zu decken) um kleine wöchentliche Zuschüsse, auf die Dauer von nicht länger als drei Monaten, zu gewähren. 3. Zeitweilige Heimat für junge Männer. Würdigen jungen Leuten einen den Einflüssen schlechter Gesellschaft nicht zugänglichen Aufenthalt für die Zeit zu gewähren, während welcher unser Arbeitsbureau sich bemüht, für dieselben Beschäftigung zu erlangen. Ein entsprechend eingerichtetes Haus, verbunden mit einem Institut zur Beschäftigung nicht placirter Kräfte, mit Arbeiten für das Publicum als: „Aushülfsdienste in öffentlichen Localen und Privathäusern, Copirarbeiten, Adressenschreiben und sonstige Besorgungen," könnten Einnahmen herbeiführen, welche die Unterhaltungskosten ganz oder theilweise decken helfen. Bezeichnet die beigefügte Tabelle A schon ein großes Gebiet des Einflusses, welches wir unserer Wirksamkeit gesichert haben, so werden wir nichtsdestoweniger unsere Bemühungen unvermindert fortsetzen, das Erreichte gewissenhaft zu Pflegen und, nach Möglichkeit, im Interesse einer weiteren Ausdehnung unserer Unternehmungen zu verwerthen. Jedes neugewonnene Geschäftshaus bezeichnet die Bereicherung eines Besitzstandes an Einfluß, dessen Nutznießung unseren Schutzbefohlenen zu Gute kommt. Es hat also ein Jeder unserer Applicanten ein besonderes Interesse, die von uns zu seinem Gebrauche ihm anvertraute Stellung gewissenhaft zu schonen, und zu Gunsten seines bedürftigen Nachfolgers unserem Einflüsse zu erhalten. Unser Arbeitsbureau fühlt sich indeß verpflichtet, grade angesichts relativ befriedigender Resultate seiner Thätigkeit, vor deren Ueberschätzung zu warnen, und namentlich dem Auslande gegenüber aufklärend zu wirken, wo Unkenntniß und Borurtheil so falsche Ansichten über die Erwerbsverhältnisse unseres Landes erzeugt haben. Richtiges Berständniß für die Anforderungen unseres hiesigen Lebens, ist die erste Bedingung des Gedeihens auf amerikanischem Boden. (Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. Pest, im Juni. Briefe David Friedländers. Ludwig Geiger veröffentlicht in der von ihm herausgegebenen „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" I, 258 ff. aus einer aus 15 Briefen bestehenden Correspondenz David Friedländers mit M. Eger in Gr. Glogau, sechs Briefe des ersteren, welche ihm, seiner Versicherung nach, im Original Vorlagen. Diese Briefsammlung wurde mir von einem hiesigen Freunde der jüdischen Wissenschaft zur Benutzung gestellt; sie stammt aus derselben Quelle, wie die im Besitze Geigers, von einem Herrn Ring, dem Bruder eines Hauslehrers im Egerschen Hause, der selbst Hauslehrer war, und umfaßt einen Zeitraum von 22 Jahren. Der 1. Brief ist datirt: Frankfurt a. O., 21. Marcheschwan 5538—21. November 1777, der 2., gleich dem 1. in hebr. Sprache, Berlin 23. Elul 5538—25. September 1778; der 3. Brief, rein geschäftlicher Natur: Frankfurt a. O., 27. Marcheschwan 5548 — 8. November 1787. Mit dem 4. Briefe vom 15. Elul 5548 — 17. September 1788 schickte er Eger „die auf Rosch Haschanah versprochene nun *©d, mit einem Silberblech, worauf einige Zeilen in hebräischer Sprache die Erinnerung enthalten, daß, „wenn die geoffenbarte Religion mit Finger Gottes auf Stein geschrieben ist, doch die Lehren der natürlichen Religion mit nicht minder deutlichen göttlichen Zügen in jedes Menschenherz eingegraben sind." Dann fährt er fort: „Nehmen Sie dieses Stück als ein freundschaftliches Andenken an. Die cnpn n:o hätte ich gerne dazu geschickt, aber ich kenne die Glogauer Mode nicht. Lassen Sie das sogenannte Mäntelchen breit machen, damit das Blech nicht herumschlenkert; die silberne Kette kann verkürzt oder übereinander gelegt werden." Bon Interesse ist der 5. Brief vom 3. Schwat 5549 — 30. Januar 1789, und müssen wir annehmen, daß L. Geiger die Umschreibung und Veröffentlichung desselben wegen der vielen darin vorkommenden hebräischen und talmudischen Wörter unterlassen hat. Dieser Brief zeigt uns den ganzen Friedländer, der in seiner Abneigung gegen den Talmud auch den Talmudbeflissenen nicht sonderlich geneigt war. „Schriftlich kann man sich mit Talmudgelehrten — wie mich diesbezügliche Erfahrung belehrt — gar nicht verständigen", schreibt er seinem Freunde. „Das ist nicht Scherz sondern wirklich mein Ernst. Es kann auch nicht anders sein; ihre Art zu lernen und zu schreiben ist in der Theologie räthselhaft und abgebrochen. Da sie auch in Welthändeln diese Art sich auszudrücken übertragen, so werden und müssen sie unverständlich werden. Ich schlage zum Exempel im vtei ttd ') auf: mui p^tyn n"i* 2) und so geht es immer fort mit Abbreviaturen, die man, um zu lesen, ein Prophet sein muß, und in einer so buntscheckigen Sprache, daß ich kühn 1000 Dukaten darauf setze, ob es jemals, „seitdem die Welt geschaffen ist" eine Nation gegeben, die eine Wissenschaft so behandelt, so untersucht, so durchfiltrirt hat,. die Materien abgerechnet. Nun schreiben die Talmudgelehrten ebenso, wenn >) Von Jonathan Eibenschütz, Discursive Commentationen über Jore Dea. 2) lapi nult? tnn 7'nnvn vgi.

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