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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-07-05 · Heft 27 (5.7.1888) · p. Seite 422

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 27 (5.7.1888)
Date
1888-07-05
Page
Seite 422 (sequence 6)
Language
German
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422 folgerichtig in Betracht ziehen, dieselben nach ihren Heimathsorten zu überführen, wo ihre Leistungsfähigkeit bisher mehr oder weniger lohnend in Verwendung war, aber jedenfalls hinreichte, um sie und ihre Familien zu erhalten. Der Heimkehr dieser Leute stand indeß ihre vollständige Mittellosigkeit hindernd im Wege, und unsrer Gesellschaft, deren Mittel bereits so stark in Anspruch genommen sind, war es absolut nicht möglich, alle solche Unglücklichen mit Ueberfahrtskosten gänzlich zu versorgen. Wir haben nun 79 derselben, welche arbeitsunfähig waren, mit Passagetickets versehen und dem arbeitsfähigen Theile Gelegenheit verschafft, durch Beschäftigung auf von hier, Philadelphia und Boston nach Europa gehender Fracht- und Viehtransportschiffenden Fahrpreis abverdienen zu können. Den Aufsehern dieser Transporte haben wir in jedem einzelnen Falle Geldprämien bewilligt für gute Behandlung unserer Schutzbefohlenen, und nach allen uns vorliegenden Berichten, hatten dieselben auch keinerlei Veranlassung zu berechtigter Klage. Die auf solchen Wegen Rückgewanderten werden nunmehr glücklich ihre heimathlichen Orte erreicht haben, und in denselben werden die ihren Familien zurückgegebenen Ernährer in der Wiederaufrichtung ihrer alten Häuslichkeit Trost und neuen Schaffensmuth finden. Hoffentlich werden aber auch diese Schwergeprüften eine Mahnung sein für Tausende, sich nicht, ohne dringende Roth, den Wechselfällen der Auswanderung auszusetzen. Mögen Diejenigen hierherkommen, die jung sind und sich stark genug fühlen, den Kampf gegen schwierige Verhältnisse aufzunehmen, oder auch solche, denen Noth oder Verfolgung ein besonderes Anrecht auf unseren brüderlichen Schutz gewähren. Aber wer in seiner Heimath sich einigermaßen ernähren kann, bleibe daheim und vergrößere nicht die Zahl Derer, welche gegenwärtig hier einen so schweren Kampf um ihre Existenz zu bestehen haben. Unsere Gesellschaft wird auch in der Folge unermüdlich thätig bleiben, um unsere Hülfsfähigkeit zu erhöhen gegenüber allen Leidenden und Unterdrückten unseres Glaubens. Eine der ersten Aufgaben dieses Vorbereitungswerkes sehen wir in dem ferneren Ausbau des Arbeits-Nachweisungs- Jnstituts. Bedenkt man, daß unter hundert Fällen vorhandener Noth mindestens sechzig auf Erwerwerbslosigkeit zurückzu-, führen sind, so wird die ganze Wichtigkeit der Aufgabe erkennbar, dieses Uebel nicht erst eintreten zu lassen. Gewöhnlich erschöpfen sich solche Nothleidende in allen ihren Mitteln, opfern das letzte Werthstück irgend einem vergeblichen Ausknnftsmittel und sinken auf einen Grad von Entmuthigung und Hülfslosigkeit herab, aus dem ihnen selten noch geholfen werden kann. Solchem Zustande ist vorgebeugt, wenn Nothleidende ein Institut kennen, von dem sie nicht als Almosen-, sondern als Arbeitssuchende Respekt und Entgegenkommen erwarten können, und durch dessen Arbeitsnachweisung ihnen Schutz vor Entbehrung und Verarmung gewährt wird. Ein solches Institut ist häufig aber auch vor die Nothwendigkeit gestellt, Hülfesuchenden Arten von Arbeit anbieten zu müssen, die ihnen zwar momentanen Erwerb, aber den Anforderungen ihres Standes keine Befriedigung gewähren. In solchen Fällen wird unser Arbeitsbureau, in Anerkennung der bewährten Arbeitswilligkeit solcher Personen, besondere Genugthuung suchen in der Bemühung, für ihre nicht genügend verwertheten Kräfte bessere Gelegenheiten zu ihrer Geltendmachung zu finden. Wir haben die Ueberzeugung, daß im Laufe kürzerer oder längerer Zeit unser Institut sich zu einem Sammelplatz aller Arbeitsbranchen (Clearinghonse for Work) ausbilden wird, und daß in diesem Mittelpunkte Nachfrage und Angebot für Arbeit sich zusammenfinden werden, um von wahrem Nutzen zu sein Denjenigen, welche in ehrlicher und fleißiger Arbeit allein ihr Fortkommen suchen. Aber erst ein derart ausgebildetes „Arbeits-Bermittlungs- Jnstitut" wird auch unsere Hülfs-Gesellschaft von unproductiven Geldverwendungen entlasten und auf die eigentliche Höhe ihrer Mission führen. Wir hoffen, daß durch die Wirksamkeit der Arbeitsnachweisung früher oder später ein Theil der Mittel dieser Gesellschaft frei werden zur Unterstützung von Neueinrichtungen, welche, angesichts der fortdauernden großen Einwanderung, als dringende Nothwendigkeit erscheinen. Wir meinen zunächst folgende Anstalten: 1. Handwerksschule für Erwachsene. a. Würdige junge Leute, ohne eigentliche Berufsfähigkeit, oder solche, die in ihrem heimischen Beruf hier kein Feld der Thätigkeit finden, in Handwerken zu unterrichten, welche in Fristen von nicht länger als drei Monaten erlernt werden können, als z. B. Zuschneiden, Maschinennähen, Bügeln, Cartonnage- und Buchbinderarbeiten, Cigarrenmachen, sowie Leichte Metall- und Holzarbeiter;. b. Neueingewanderten Handwerkern Gelegenheit zu geben, sich derart zu vervollkommnen, daß sie ihr Handwerk in der hier üblichen Art der Arbeitstheilung ausüben können. e. Handwerkern, die zur Erlangung von Arbeitsstellen Handwerkszeug bedürfen, mit solchen auszustatten. 2. Die Begründung eines Special-Unterstützungs- Fonds: a. Für arme Familien, deren Kinder im „Technischen Institut" zu Handwerkern ausgebildet werden, und während ihrer längeren oder kürzeren Lehrzeit nichts zur Unterstützung ihrer Angehörigen beitragen können.

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