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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-07-05 · Heft 27 (5.7.1888) · p. Seite 421

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 27 (5.7.1888)
Date
1888-07-05
Page
Seite 421 (sequence 5)
Language
German
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421 309 Personen empfingen neue Bekleidung behufs Aufbesserung ihrer äußeren Erscheinung. 160 Handwerker erhielten Handwerkzeug, wo solches von dem Arbeitgeber gefordert wurde. 282 Personen empfingen Reisespesen nach Arbeitsplätzen, welche außerhalb unserer Stadt belegen waren. Der Gesammtbetrag der Ausgaben unseres Bureaus war Doll. 2138.60, oder 77 Cents für jede Person, welche durch dessen Bemühungen Arbeit erlangt hatte. Wir möchten aber gleichzeitig auch die befriedigende Thatsache feststellen, daß der hiesige Markt noch immer aufnahmsfähig ist für wirklich gute, in einem speciellen Fache tüchtig ausgebildete Kräfte. Soweit solche Applicanten unsere Hülfe in Anspruch genommen haben, war es für uns nicht schwer, dieselben passend zu Placiren. Aber die große Masse der am hiesigen Platze unbeschäftigten und täglich durch Zuwanderung aus Europa und allen Theilen des Landes sich vermehrenden Arbeitskräfte besteht aus Fähigkeiten zweiten und dritten Grades und diese bedürfen zu ihrer Unterbringung thatkräftigster Unterstützung. Wir haben solche Unterstützungen jedem würdigen Applikanten gern gewährt und sind gewiß, Hunderte in die Bahn redlichen Erwerbs gebracht zu haben, deren Fähigkeiten ohne solche Hülfe im Gewühle des hiesigen Lebens verkümmert wären. Wir wünschen, daß solche Umstände uns rechtfertigen mögen, gegenüber einzelnen Beschwerden wegen nicht befriedigender Versorgung mit Arbeitskräften aus den Reihen unserer Applicanten. Es gereicht uns gewiß zur besonderen Genugthuung, wenn die Anforderungen unserer Auftraggeber sofortige Deckung finden in den Leistungen unserer Empfohlenen, und wenn in dieser Weise die Vertrauenswürdigkeit unserer Vermittelung erhöht wird. Aber wir würden unsere Mission nicht erfüllen, wenn wir verfehlen sollten, schwächeren Kräften zu ihrer Geltendmachung zu verhelfen und für solche mit dem Aufgebot unseres ganzen Einflusses, die Nachsicht und Theilnahme unserer Freunde im Geschäftsleben zu gewinnen. Wir sind auch überzeugt, daß letztere für die kleinen Opfer, welche dieselben unserer Sache bringen, reichliche Entschädigung finden werden, durch treue und fleißige Dienste unserer Empfohlenen. Die unserm Bericht beigefügte statistische Tabelle der Beschäftigungsarten der placirten Personen zeigt ein Zahlenbild, welches verdient, mit Interesse betrachtet zu werden. Aber so schön diese Zahlenreihen sich präsentiren, so wenig lassen dieselben den Aufwand von Arbeit und Umsicht errathen, deren Resultate sie darstellen. Wer jemals im Gewühle der hiesigen Stadt nach Arbeit gesucht, oder solche für Freunde oder Empfohlene hat beschaffen wollen, kennt die Mühen und Zeitopfer, welche erforderlich sind, um in einem einzelnen Falle erfolgreich zu sein. Nun vergegenwärtige man sich die Anstrengungen, welche gemacht werden müssen, um Hundertern und zum Theil recht schwach bestellten Kräften zu ihrer Unterbringung zu verhelfen. Aber wir hätten solche Resultate niemals erreichen können, ohne die thatkräftige Unterstützung der andern Abtheilungen dieser Gesellschaft. So hat die „Abtheilung für Verpflegung und Bekleidung" eine Anzahl unserer armen Applicanten während ihrer Arbeitslosigkeit mit Wohnung und Beköstigung versorgt und mit neuen Kleidern ausgestattet. Die „Abtheilung für Emigration" hat wiederum einem anderen Theile unserer Applicanten die Mittel bewilligt, um fern gelegene Orte der Heimath oder Beschäftigungen erlangen zu können. Unserem Bureau war die fernere Mission übertragen, auch solchen Personen unsere Hülfe zuzuwenden, welche weder selbst, noch durch unsere Bemühungen, hier Versorgung finden konnten und den Wunsch hatten, nach ihren Heimathsorten zurückzukehren. Nach unserer Tabelle E waren es 1082 Personen, welchen wir im abgeschlossenen Jahre zur Heimreise verhelfen mußten, da dieselben fast sämmtlich ohne Handwerk, von keinem bestimmten Berufe und physisch nicht befähigt waren, von ihnen hier geforderte Leistungen zu verrichten. Fast die ganze Anzahl dieser Applicanten bestand aus Familienvätern aus den lithauischen Provinzen Rußlands, welche durch Zeitungscorrespondenzen böswilliger Tendenz, oder durch sonstige falsche Nachrichten gewinnsüchtiger Dampfschiffsagenten sich verleiten ließen, mehr oder weniger gesicherte Erwerbs-Verhältnisse in der Heimath aufzugeben, alles verwerthbare Gut zur Bestreitung der Ueberfahrtskosten zu opfern, und in der Erwartung, hier durch baldigen leichten Verdienst die Mittel zu finden, auch ihre Familien Nachkommen lassen zu können, diese selbst, bei Freunden oder Bekannten daheim, unversorgt zurückzulassen. Die Enttäuschungen, welche diese Armen hier haben erfahren müssen, trafen dieselben besonders schwer, da sie nur zu bald zur Einsicht kamen, daß ihre schwachen Arbeitskräfte hier viel weniger zu verwerthen sind, als in den ihnen angewohnten Verhältnissen der alten Heimath. Wir haben, im Interesse jedes Einzelnen und aller dieser Bedauernswerthen, keine Anstrengung und kein Opfer gescheut, um auch ihnen hier Erwerb und Fortkommen zu sichern, und nachdem uns dies nicht gelingen wollte, unser Möglichstes gethan, um wenigstens Noth und Entbehrung von ihnen fern zu halten. War es uns aber nicht vergönnt, diesen brachgelcgten Kräften hier Berwerthung zu verschaffen, so mußten wir

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