Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1888)
- Date
- 1888-06-28
- Page
- Seite 414 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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414 auf dem Punkte, auf Scheidung anzutragen. Und ein solcher Gegensatz fand auch zwischen ihren beiden Töchtern statt. Die ältere, etwa 18 Jahre alt, artete dem Vater nach, war ptttzsüchtig, gefallsüchtig, kokett und hoffährtig. Man kann sich denken, was ihren Sinn ausfüllte, ihren Geist beschäftigte. Anders ihre Schwester von etwa 14 Jahren. Welche Wißbegierde, welche Lernfreude, welches Verlangen nach immer höherer Geistesbildung, und dabei ein so zartes, Liebe erfülltes Herz, ein so tiefes Empfinden für jedes Leid eines Anderen! Wie schmerzlich dieses Kind von den Zwiespältigkeiten seiner Eltern und von der Hoffarth ihrer Schwester berührt, wie oft es durch den Spott über ihre Bücherweisheit gekränkt wurde und wie oft es ihm peinlich war, jeden Hilfesuchenden abgewiesen zu sehen, ist wohl verständlich. So war in dem Hause des Ueberflusses und der Ueppigkeit nichts als Hader und gegenseitige Verdrießlichkeit, Verbitterung jeder Stunde gegenseitig — während in der Hütte der Armuth Eintracht, Selbstaufopferung und Gottergebung herrschten. (Forts, folgt.) Correspon-en;. Essen-Ling, im Juni. Versammlung der israel. Lehrer von Rheinland- Westfalen. Die 33. Versammlung fand am 20. und 21. Mai in Düsseldorf statt und war von 80 Theilnehmern, einer Anzahl, die bis jetzt noch nicht erreicht worden, besucht. Nach drei Uhr eröffnete der treffliche, allgemein beliebte Vorsitzende Herr Blumenau-Bielefeld, nachdem zu Schriftführern Graf- Essen und Mandel-Linz gewählt worden waren, mit herzlicher Begrüßung die Versammlung. Der deutsch-israelitische Gemeinde-Bund hat auch in diesem Jahre wieder einen Reisezuschuß von 125 M. gewährt. Dr. Wedell in Düsseldorf ergreift das Wort zu etwa folgender Begrüßung: Es gereicht mir zu großer Genugthuung und Freude, die Versammlung als Vertreter der Gemeinde und des deutsch-israelitischen Gemeindebundes zu begrüßen. Als äußeres Zeichen ihres Interesses hat die Gemeindevertretung einen einmaligen Beitrag von 300 M. der Kaffe zugewiesen, unbeschadet des weiter zu zahlenden Jahresbeitrags von 50 M. Das vormalige Geburtspriesterthum für Belehrung und Erziehung des Volkes ist nicht mehr vorhanden. Die Lehrer sind die berufenen Nachfolger der Priester, und wie einst die Priester die Namen der Kinder Israels auf Brust und Schulter tragen mußten, so muß heute vor Allem das Herz des Lehrers bei Ausübung seines Berufes einwirken und die schwere Bürde auf seinen Schultern — er muß leider oft auf beiden Schultern tragen — wird ihm leichter. Der schönste Schmuck — Urim wesfurnim — des Lehrers sind Licht, Erkenntniß, Wärme und Begeisterung für sein erhabenes Amt. Diesen Schmuck zu wahren und zu immer schönerem Glanze hervortreten zu lassen, ist der Zweck auch der Lehrer-Conferenzen. Der Vorsitzende theilt nunmehr mit, daß die Tagesordnung insofern eine Aenderung erfahren hat, als Herr Oberrabbiner vr. Horowitz feinen Vortrag über Schülerbibliotheken, für jüdische Schulen schriftlich zurückgezogen hat „aus Mangel an Unterlage für denselben." Zum 1. Punkt der Tagesordnung, dem Jahresbericht der Unterstützungskasse, verweist der Vors, auf den zu Anfang des Jahres vertheilten Bericht, wonach am I. Jan. e. das Vermögen des Vereins bereits den Betrag von 60,000 Mark überschritten habe. Hocherfreulich war die Mittheilung, daß die Theilnahme in den Gemeinden für unsere „Unterstützungskasse" fortwährend im Wachsen begriffen ist. So hat beispielsweise die Gemeinde Hamm einen Jahresbeitrag von 100 Mark auf ihren Haushalts-Etat übernommen, der Synagogenbezirk Arnsberg seinen Jahresbeitrag von 30 auf 40 Mark erhöhet, die Synagogengemeinde Dortmund wird außer dem jährlich aus der Schulkaffe gewährten Zuschuß von 30 Mark einen erheblichen, noch näher festzustellenden Beitrag aus der Gemeindekasse auf den Etat übernehmen u. s. w. Eine warme Mahnung an die Lehrer, fort und fort in ihren Gemeinden und bei allen sich darbietenden Gelegenheiten für unser wohlthätiges Institut bemüht zu bleiben, schloß diesen Bericht. Der 2. Punkt der Tagesordnung — ergänzende Borstandswahl — war schnell erledigt, indem die ausscheidenden Herren Blumenfeld-Essen und Steinweg-Rheda (nebst deren Stellvertretern) durch Akklamation wiedergewählt wurden. Es folgt jetzt der 3. Punkt der Tagesordnung: Vortrag des Herrn Blumenau-Bielefeld: „Der Lehrstoff und das Lehrziel für den jüdischen Religionsunterricht an Gymnasien und den höheren Lehranstalten überhaupt." Der Vortragende erklärt einleitend, daß, obwohl er gerade in diesen Verhältnissen sich bewege, dennoch diese Art von Ertheilung des Religions-Unterrichts an den verschiedenen Schulanstalten in den höchstens zur Verfügung stehenden 4 Stunden wöchentlich — ohne eigene Elementar- und Religionsschule — durchaus nicht sein Ideal sei, er vielmehr glaube, daß — selbstverständlich in unfern westlichen Provinzen, wo kleine Gemeinden mit im Allgemeinen beschränkten Verhältnissen, vorherrschend sind — die jüdische Elementar- und Religionsschule den Vorzug verdiene. Er stehe daher nicht an, sich voll und ganz auf den Standpunkt seines verstorbenen Freundes, des Herrn Justizrath Metz zu stellen, der in seinem bekannten Promemoria an den D. I. G. B. für die möglichste Erhaltnng der bestehenden Elementarschulen, den öffentlichen Charakter derselben, sowie daß der Religions-