Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1888)
- Date
- 1888-06-28
- Page
- Seite 409 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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409 Von der mit großem Beifall aufgenommenen ungarischen Pentateuch-Uebersetzung des Herrn Heinrich Deutsch, Director der hiesigen Lehrer Präparandie, ist das dritte Buch nungsänßerung in einem alten Schriftwerke eine Quelle in einer ganz anderen Literatur aufzustöbern und jene aus dieser entspringen zu lassen, Man setzt dabei Völkerverbindungen und eine gewisse Gelehrsamkeit voraus, wie sie in alter Zeit schwerlich stattgefunden. Man witt nicht begreifen, daß dieselben Erscheinungen der Natur und der Geschichte und dieselben Combinationen bei verschiedenen Völkern und in verschiedenen Zeilen originaliter sich lundgeben können. Hierin muß Maß gehalten werden, und dieses wird auch von Herrn vr. Landan nicht immer beachtet. Redaction. Moses mit correctem Text und eiuern ausführlichen grammatikalischen und sachlichen Commentar jüngst erschienen (Budapest 1868). Die Theilnahme des Publikums, welche den gehegten Erwartungen keineswegs entspricht, wird sich diesem patriotischen Unternehmen hoffentlich in erwünschter Weise zuwenden, so daß der verdiente Verfasser, der dem Werke große Opfer an Mühe, Zeit und Geld bringt, ermuthigt werde, die beiden noch fehlenden Bücher rasch auf einander folgen zu lassen. vr. Kayserling. Deutschland.; uor dem Menschenthum und dessen Rechten erfüllten Herr- Leipzig, 17. Juni. (Privatmitth.) Herr Dr. Davidi schers versetzt, und schon wieder hat sich die Situation ge- Asher erhielt für das von ihm in Nr. 20 dieser Zeitung ver-j ändert und wir stehen vor einer uns unbekannten Zukunft! öffentlichte Gedicht aus dem Cabinette Ihrer Majestät der! Wer gerecht sein will, muß sich bescheiden, in diese Zukunft Kaiserin Königin Wittwe die Versicherung „besten Dankes". Bonn, 19. Juni. (Privatmitth.) In Nr. 12 und 13 haben wir Stellen aus dem ruhmreichen „Erlaß" des Kaisers Friedrich mitgetheilt und besprochen. Am 17. d. erschien die Proclamation des Kaisers Wilhelm II. „An mein Volk". Aus derselben ist folgende Stelle hervorzuheben: noch keinen sicheren Blick werfen zu können und sich all der schwirrenden Gerüchte erwehren, bis bestimmte Thatsachen Zweifel und Besorgniß oder falsche Hoffnung vereiteln. Unter der Regierung Kaiser Friedrichs schwiegen die Antisemiten und bekundeten ihr Dasein höchstens durch anonyme Flugblätter, welche klar und deutlich ihre Hoffnungen auf die „Auf den Thron meiner Väter berufen, habe ich die! Zukunft aussprachen. Ihr Führer verhielt sich still, war auf Regierung im Aufblick zu dem Könige aller Könige über-! Reisen und arbeitete nur für die „Stadtmission." Wird dies nommen und Gott gelobt, nach bem Beispiel meiner Väter jetzt wieder anders werden? Werden sie auf jene Duldung meinem Volke ein gerechter und milder Fürst zn sein,! ihrer Hetzereien rechnen, die ihnen früher zu Theil geworden? Frömmigkeit und Gottesfurcht zu Pflegen, den Frieden zu! Versuchen werden sie es sicherlich und dabei auf die Unterschirmen, die Wohlfahrt des Landes zu fördern, den Armen > stützung der Eouservaüven zählen können. Denn zurückge- und Bedrängten ein Helfer, dem Rechte ein treuer Wächter drängte Parteien rücken, wenn ihnen der Weg wieder frei zu sein." > erscheint, um so eiliger vor, das verlorene Terrain wieder An den Worten eines Königs darf nicht gedeutelt werdest, ist der anerkannte Spruch, und so wollen auch wir uns dem Vertrauen überlassen, daß König Wilhelm II. auch für seine Unterthanen jüdischer Religion ein „gerechter und milder" Fürst sein werde. Auch wir beten zu Gott, daß er dem neuen Herrscher Kraft und Einsicht verleihe, diesen seinen Vorsatz nach allen Seiten und für alle Classen seiner Uuterthanen zur vollen Ausführung zu bringen! — Selbstverständlich finden Trauergottesdienste um den so sehr geliebten Kaiser Friedrich in allen Synagogen Deutschlands unter außergewöhnlicher Theilnahme statt. Wir brauchen darüber Details nicht zu berichten — es wären deren auch zu viele! Berlin, 18. Juni. (Privatmitth.) Welch ein Wechsel! Gleichsam unerwartet sahen wir uns unter das Szepter eines erlauchten, an Erfahrung reichen und mit: hoher Achtung zu gewinnen. Stöcker kann sich über die Juden während dieses Interregnums nicht beklagen; er schwieg und man schwieg über ihn. Wie dem aber auch sei und wie es auch kommen mag, die göttliche Weltordnung webt und schafft immerfort und die Geschichte beginnt ihre Arbeit, sobald die Schmerzenstöne verklungen und die coubentioneUeit Reden vorüber sind. Die erstere schreitet in gerechter Vergeltung durch die Zeiten, und offenbart sich, wie schon Kohelet bemerkt, nicht in sofortigen Ereignissen, wohl aber im Verlaufe der Dinge. Um den Richterstnhl der Geschichte drängen sich freilich auch die Parteien, suchen sich ihres Armes zu bemächtigen und ihrem Griffel eine Richtung zu geben, durch welche die Wahrheit verdunkelt werde. Jedoch immer nur auf kurze Zeit, denn die Thatsachen sprechen lauter und dauernder als das Geschrei wechselnder Parteien, und finden schließlich ihre Verkünder, denen das letzte Wort bleibt. 26