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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-06-28 · Heft 26 (28.6.1888) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 26 (28.6.1888)
Date
1888-06-28
Page
Seite 408 (sequence 8)
Language
German
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408 Literarischer Wochenbericht. Bonn, 18. Juni. Hr. Rabbiner vr. Joseph Perles in München veröffentlicht soeben: raxbü t-z (München, Ackermann). Die pietätvolle Vorrede giebt uns Nachricht über den Verfasser, seine Vorliebe für Onkelos und seine Studien über denselben. Der Commentar zu Onkelos, der hier geboten wird, erstreckt sich über die ganze Thora, benutzt die vorhandenen Materialien und bringt viele bemerkenswerthe Erklärungen zu schwierigen Stellen des O. Bei dem Studium desselben wird das vorliegende Buch viele und ergiebige Aushülfe bieten. — Wir haben noch den Inhalt des 31. Heftes (Januar bis März) der Revue des Etudes juives zu besprechen. Vidal giebt die Fortsetzung der „Juden von Roussillon und Cerdagne"; Rainach spricht über die Skulpturen von Ascalon, welche eigenthümlicher Weise Zöglinge der Schule der Alliance isr. zu Jerusalem und der Director dieser Schule entdeckt haben. Sie stellen zwei Victorien vor, und ter Tempel, den sie schmückten, wurde wahrscheinlich von den insurgirten Juden im Jahre 66 zerstört, welche die Stadt mit Feuer verbrannten. Isidore Löb handelt über Josef Hacohen und die jüdischen Chronisten, über die jüdischen Kaufleute zu Marseille in der Mitte des 13. Jahrhunderts und giebt den Schluß des Processes Samuel ibn Tibbon's. Derenbourg setzt seine rabbinischen kleinen Aufsätze fort; Kaufmann bespricht die Marranen von Pesaro, Kraeauer noch einmal über Rabbi Joselmann von Rosheim, und endlich Bacher bringt den Schluß seiner Abhandlung über den Commentar Samuel ibn Hofni' aus den Pentateuch. — In seinem 5. Jahrgang erschien der französische Kalender „Annuaire des Archives israelites pour Tau du inonde 5619“ von dem gewandten Mitarbeiter der „Arcli. isr.“ H. Prague. Dieses Jahrbuch bringt einen Rückblick auf die Ereignisse des Jahres 5647/48, kleine Aufsätze über eine historische Anecdote unter Napoleon I, einen israelitischen Gesandten des Dey von Algier an das französische Directorium, die Musik im Tempel, die Israeliten von Havre, und hierauf das Verzeichniß der Consistorien, ihrer Sprengel, Gemeinden und Beamten. — In 2. Auflage erschien soeben „Israelitisches Gesangbuch für die Synagoge und Religiousschule", herausgegeben von S. Blumenau, nebst den Melodien zu demselben (Bielefeld, im Selbstverläge). Der Verf. hat seine Arbeit sorgfältig revidirt und mehrfach bereichert. Die Melodien zu dem 281 Nummern umfassenden Gesangbuche sind so vertheilt, daß für 232 Lieder einstimmige, für 18 zwei- und dreistimmige und für 31 vierstimmige Melodien vorhanden sind, wodurch sowohl für diejenigen gesorgt ist, welche nur einstimmigen Gemeindegesang lieben, als auch für diejenigen, welche bei festlichen Anlässen mehrstimmige Gesänge einzulegen wünschen. Wir haben bereits bei dem ersten Erscheinen des Buches die Brauchbarkeit desselben in Schule und Synagoge anerkannt und es deshalb empfohlen. Auffällig ist es uns, daß weder die Verfasser noch die Componisten der hier gegebenen Gesänge und Melodien angegeben sind. Wir glauben nicht, daß dies ein richtiges Verfahren ist. Verfasser und Componisten haben das Recht, daß ihre Arbeiten unter ihrem Namen benutzt werden. Mag der Verf. bei einer dritten Auflage dies nachholen. Pest, den 17. Jnni. Die biblischen Synonyma für Gott sind bereits mehrfach zusammengestellt, für die nachbiblischen hingegen ist eine solche Zusammenstellung noch gar nicht, gewiß aber nicht in der Vollständigkeit vorhanden, wie sie Herr Rabbiner vr. E. Landau in der jüngst erschienenen Schrift: „Die dem Raume entnommenen Synonyma für Gott in der neu-hebräischen Literatur (Zürich 1888)" bietet. Der Verf. sammelt in dieser, „der philosophischen Facultät der Universität Zürich zur Erlangung der Doctorwürde vorgelegten Jnaugural-Dissertation" alle im Talmud und Midrasch vorkommenden Synonyma für Gott, deren Zahl sich auf 57 beläuft, und untersucht dann, wie die rabbinische Literatur auf die Bezeichnung in den verschiedenen Beziehungen und Zusammensetzungen, auf das jüngere und häufiger vorkommende mpon und auf das jüngste nrotp mit seinen mannigfachen Anwendungen im Talmud, Midrasch und Sohar für Gott gekommen ist, wann dieselben entstanden und zu Gottesnamen geworden sind. Die Schrift, das Product gründlicher Studien der Quellen und der einschlägigen Literatur, ist ein schätzenswerther Beitrag zur jüdischen Religionsphilosophie, und hoffen wir, dem Verf. noch öfter auf diesem Gebiete zu begegnend) 1) Am Schlüsse der Dissertation fügt der Verf., wie üblich, seine kurze Lebensbeschreibung an, Die bemerkenswerth genug ist, um hier mitgetheilt zu werden.' Sie lautet: ..Am 26. April 1.842 iu Klasno-Wielitzka iu Galizien geb., besuchte ich anfänglich die dortige Gemeindeschule, später die höhere Schule zu Krakau, dann das Lehrer-Seminar zu Berlin, das ich 1867 nach bestandenem Examen verlassen, um in Kattowitz O/S. die Leitung der Gemeindeschule zu übernehmen. - 1868 wurde ich daselbst als preußischer Bürger naturalistrt. — 1870 legte ich in Breslau das Examen „pro rectoratu* ab. — 1876 trat id) in die Hochschule für jüdische Wissenschaft in Berlin ein, wobei ich zugleich an der Universität Pädagogik bei Lazarus, Logik bei Althaus, Ethik bei Steinthal hörte und an der Academie für moderne Philologie dem Studium der neueren Sprachen oblag. — 1879 erlangte ich durch eine Ergänzungsprüfnng beim Provinzial-Schulcollegium in Breslau die Facultas in der französischen und englischen Sprache mit der Berechtigung, als Rector an Mittelschulen wie an höheren Töchterschulen zu amtiren. — 1884 wurde ich an der hiesigen Universität immatriculirt, wo ich mich bis April 1888 dem Studium der Philosophie und der orientalischen Sprachen widmete. — Ich hörte bei den Herren Prof. Avenarius, Kym, Steiner, Stiefel, denen ich hiermit für die wissenschaftliche Förderung meinen herzlichsten Dank ausspreche." — Man wird aus diesen vielfachen und ernsten Studien und absolvirten Prüfungen Herrn vr. Landau die Befähigung für Rabbinat und Lehramt in hohem Grade zutrauen müssen. Möge er bald eine angemessene Verwendung seiner Kräfte finden. — Was die Arbeit des vr. Landau betrifft, so stimmen wir obiger Besprechung völlig bei. Nur eine allgemeine Bemerkung wollen wir hinzufügen. Es ist eine gegenwärtig allgemein befolgte, aber nicht selten recht übertriebene Methode, für jede Mei-

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