Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1888)
- Date
- 1888-06-28
- Page
- Seite 406 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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f-ü f jl 406 M. 1071 aus und besitzt M. 21,578. Die A. Mayer'sche Stiftung zur Unterstützung von Studirenden des Polytechnicums hat einen Fonds von M. 5900. Die Darlehnskasse ertheilte im verflossene» Jahre 6 Personen Darlehen von M. 1100 und besaß M- 6201. Außerdem besteht die Chevras Gemilus Chassodim für Männer und Frauen und die „Eheleute Elias Meher'sche Stiftung" zur Unterstützung armer Bräute, welche eine jährliche Einnahme von 400 M. hat. Rechnet man nun die sehr ergiebige Privatwohlthätigkeit hinzu, so gewährt dies gewiß ein rühmliches Zeugniß für den Wohlthätigkeitssinn einer Gemeinde, die nur 1300 Seelen zählt. Der Deutsch - Israelitische Gemeindebund. (Schluß.) „Unterstützungen von Unternehmungen und Veranstaltungen zur Hebung der Volksbildung unter den Juden und zur Verbreitung richtiger Kenntnisse von dem Wesen und der Geschichte des Judenthums. Der Ausschuß hat sich bestrebt, durch Verbreitung von Büchern und Brochüren aufklärend zu wirken und stellt solche den Delegirten auch fernerhin zur Verfügung. Die traurigen Ereignisse der letzten Jahre haben die Nothwendigkeit dargethan, die Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, für welche trotz mancher dankenswerthe» Einzelarbeiten bisher noch in keiner Weise eine dem Standpunkt der heutigen Wissenschaft entsprechende Grundlage gewonnen ist, energisch zu fördern. Zu unserer Freude haben hervorragende Historiker, christliche wie jüdische, der von uns gegebenen Anregung bereitwillig Folge geleistet und so haben wir es erreicht, daß Hierselbst eine historische Commission für die Geschichte der Juden in Deutschland zusammengetreten ist, welche den Ausgangspunkt für eine wissenschaftliche Behandlung dieses Theiles der Geschichte zu bilden berufen erscheint. Wünschenswerth ist es, daß dem Ausschuß des D.-J. G.-B. Dokumente p. p., welche von historischer Bedeutung sind, übersandt werden, damit auf diese Weise eine Sammelstelle für das geschichtliche Material gebildet wird, und es wird der Ausschuß den Herrn Delegirten für derartige Zusendungen dankbar sein. Außerdem hat der Ausschuß aus Anlaß des neunzigsten Geburtstags unseres berühmten Glaubensgenossen Leopold Zunz eine Zunzstiftung begründet, von welcher Arbeiten aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte prämiirt werden. Aufmunterung zur Ausbildung der Jugend für Handwerk, Landwirthschaft und technische Gewerbe. In diesem Punkte kann und muß seitens des Gemeindebundes eine erhebliche Förderung erzielt werden. Es gilt im Judenthum immer mehr der Auffassung Boden zu gewinnen, daß nicht nur Wissenschaft und Handel, sondern auch die manuelle Thätigkeit enthaltenden Berufe bei der Berufswahl zu berücksichtigen sind. Es liegt dies auch im materiellen Interesse der Jugend, denn der Handelsstand ist überfüllt. Die herrschende Strömung und die erleichterten j Berkehrsverbindungen sind einer Vermehrnug des Zwischen-! Handels ungünstig. Die Wissenschaftlichen Berufe sind notorisch gleichfalls überfüllt. Die gewerbliche Arbeit dagegen nimmt einen täglich größeren Aufschwung; hier ist für Erfolge des Einzelnen freies Feld. — Der ideelle Vortheil der Gesammtheit durch größeres Eindringen in die aufgeführten Gewerbe kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Gewisse Neigungen der Juden, welche in dem Jahrhundert langen Handelszwang ihren Grund haben, würden zurücktreten; ihre unverhältnißmäßige Betheiligung am Studium, welche nicht zum geringsten der antisemitischen Bewegung zum Anlaß oder Vorwand gedient hat, würde aufhören, das jüdische Proletariat, welches sich großentheils aus „Handelsleuten" rekrutirt, vermindert werden. Es wird Sache der Delegirten sein, die Verbreitung dieser Ideen zu fördern und dieselben in die Praxis über, zuführen, insbesondere durch Ausführung derjenigen Maßnahmen, welche ber D.-J. G.-B. in dieser Beziehung in Anregung bringt. a) In Folge eines auf dem letzte» Gemeindetag (1881) geäußerten Wunsches hat der Ausschuß sich bemüht, zu ermitteln, ob in der That Handwerksmeister bereit sind, jüdische Lehrlinge anzunehmen. Es sind sofort 193 Meldungen von Handwerksmeistern eingelaufen, darunter 50 christlichen, welche die Lehrlinge von Arbeiten an Feiertagen dispcnsiren wollen. Material an Lehrmeistern ist also vorhanden. Es gilt demgemäß nun, Lehrlinge heranzuziehen. Dies kann nicht durch den Ausschuß selbst geschehen, da sich die Einzelthätigkcit hier nur unter Berücksichtigung der localen und persönlichen Verhältnisse ersprießlich entwickeln kann, überdies auch eine fortdauernde Beaufsichtigung der Lehrlinge, insbesondere auch die Sorge für den Besuch der Fortbildungsschulen erforderlich ist. Am richtigsten wird die Bildung von Bezirksvereinen mit Localausschüssen erachtet, wie solche sich in Hannover und Düsseldorf constituirt haben. Es wird eine vornehmliche Aufgabe der Delegirten benachbarter Gemeinden sein, derartige Bezirksvereine in das Leben zu rufen. Der Ausschuß ist bereit, durch Entwurf und Begutachtung von Statuten, in Nothfälleu auch durch Gewährung von Zuschüssen, sowie in jeder anderen Weise die Bildung und die Thätigkeit der Vereine zu unterstützen. Er wird es als seine Aufgabe betrachten, als Centralstellc aller dieser Vereine zu fungiren. b) Der D.-J. G.-B. betrachtet als nothwendige Basis