Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1888)
- Date
- 1888-06-28
- Page
- Seite 405 (sequence 5)
- Language
- German
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dringende ist, Gaben zu überreichen und auch ein Wort des Trostes und der Ermunterung zu spenden. Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß die in jüngster Zeit von competenter Seite anempfohlene Centralisation des Armenwesens behufs besserer Uebersicht der Armenpflege und Verhütung von Täuschungen in unserer Gemeinde seit mehreren Jahren bereits eingeführt ist. Denn wenngleich die Verwaltungen unserer Wohlthätigkeitsanstalten getrennte sind, so stehen sie doch dadurch, daß der Präses und der Rabbiner der Gemeinde als Vorsitzender resp. stellvertretender Vorsitzender fast ihnen allen angehören, und daß ferner die Vorsteherinnen des Frauenvereins in den Vorstandssitzungen des Armen - Unterstützungsvereins berathende Stimme haben, in enger Verbindung mit einander. Unzu- Lräglichkeiten, wie sie sonst vielleicht Vorkommen mögen, daß einer und derselben Person aus verschiedenen Wohlthätigkeisanstalten ohne gegenseitiges Wissen Unterstützungen verabreicht werden, sind in unserer Gemeinde nicht möglich, da durch Vermittelung ihres Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden jede unserer Armenverwaltungen aufs Genaueste davon unterrichtet ist, wem, wie viel und zu welchen Zwecken Unterstützungen von beu andern Armenverwaltungen verabreicht worden sind. Beim Ueberblick auf das Armenwesen unserer Gemeinde läßt sich die erfreuliche Thatsache nicht verkennen, daß dasselbe ein wohlorganisirtes ist, daß, dank des in unserer Gemeinde vorhandenen lebhaften Wohlthätigkeitssinnes, allen begründeten Ansprüchen auf Unterstützungen gebührend entsprochen werden kann. Allerdings haben in den letzten Jahren beim Armen-Unterstützuugsverein die Ausgaben mehr betragen als die Einnahmen, so daß der in früheren Jahren ersparte Fonds angegriffen werden mußte, was daher rührt, weil die Zahl der Unterstützungsbedürftigen sich vermehrt hat, die der beitragenden Mitglieder dagegen nur unbeträchtlich größer wurde. Es wird daher an diejenigen Mitglieder unserer Gemeinde, welche diesem so wohlthätig wirkenden Vereine noch nicht angehören, die dringliche und ergebene Bitte gerichtet, demselben beizutreten. Bei dieser Gelegenheit sei zu wiederholtem Male darauf hingewieseu, wie unthunlich es ist, fremden vagabondirenden Bettlern in den Häusern Gaben zu verabreichen. Durch eine solche übel angebrachte Wohlthätigkeit, die in den überwiegend meisten Fällen nur gauz unwürdigen Personen zu Gute kommt, wird der Verein in seinem Bestreben, dem vagabondirenden Bettelwesen, welches noch immer ein Schandfleck des Judenthums ist, zu steuern, gehemmt. Jeder fremde Bettler müßte vielmehr an die täglich zwischen 11 und 12 Uhr Vormittags geöffnete Kasse des Armen-Unterstützungsvereins verwiesen werden, wo ihm nach eingehender und gewissenhafter Prüfung seiner Bedürftigkeit und Würdigkeit die gebührende und genügende Gabe verabreicht wird. Durch die zumeist aus Schwäche hervorgehende zu gutmüthige Behandlung der fremden Bettler seitens Privater werden dieselben nur hierhergelockt und belasten — wie der weiter folgende Ausweis zeigt — den Armen Unterstutzungsverein derart, daß die Gefahr nicht ausgeschlossen ist, derselbe werde in der Folge nicht in der Lage sein, die würdigen Armen unserer Gemeinde und Umgebung in derselben kräftigen Weise, wie bisheran, zu unterstützen. Unter den Wohlthätigkeitsanstalten unserer Gemeinde verdient außerdem der vor 7 Jahren ins Leben gerufene Asyl verein besondere Beachtung. Die Erwägung, daß unsere bisher bestandenen Wohlthätigkeits-Jnstitute nicht im Stande sind, altersschwachen und bedürftigen Personen ausreichende Unterstützungen zum vollen Lebensunterhalt zu gewähren, hat zur Begründung dieses Vereins die Veranlassung gegeben, welchem auch fast die meisten Mitglieder unserer Gemeinde zum Theil mit recht ansehnlichen Beiträgen sich angeschlosseu haben. Das Bedürfniß nach einem solchen mit genügenden Mitteln versehenen Alters-Bersorgungsverein stellt sich in unserer Gemeinde von Jahr zu Jahr immer dringender heraus. Als Beweis dafür sei nur erwähnt, daß altersschwache, unterstützungsbedürftige Personen bereits jetzt in unserer Gemeinde vorhanden sind, die, weil die Wohlthätigkeitsvereine ihnen keine ausreichende Unterstützung gewähren können, durch Privateolleetell — die jedoch immer precärer Natur sind — unterstützt werden müssen. In Folge des Beschlusses der letzten Generalversammlung des Asylvereins wird derselbe vom nächsten Jahre an bis zur Errichtung des Asyls in der Lage sein, y4 feiner laufenden Einnahmen zu Unterstützungen zu verausgaben. Damit der Verein Ersprießliches leiste, ist es allerdings nothwendig, daß — woran gewiß nicht zu zweifeln ist — die Mitglieder unserer Gemeinde demselben nach wie vor ihr Wohlwollen entgegenbringen, namentlich, wie dies zum Theil schon geschieht, bei besonderen Familienereignissen seiner gedenken, von der Ueberzeugung erfüllt, daß es wohl kaum ein humaneres Werk giebt, als würdige, altersschwache Personen während ihrer letzten Lebenstage vor Sorge und Mangel zu schützen." Fügen wir einen kurzen Bericht an. Die Gemeinde Aachen hat 10 Wohlthätigkeits-Vereine und Stiftungen. Der Armeu-Unterstützungsverein verausgabte 1887: 5664 M. und besitzt ca. ebenso vielen Kassenbestand. Der Frauenverein hatte M. 2418 Ausgaben und besitzt an Vermögen 12,261 M. Der Fiebermann'sche Jugendverein, schulpflichtige Kinder mit Kleidungsstücken und Schulutensilien zu versehen (durchschnittlich 25 Kinder) verausgabte 583 M. und besitzt M. 4669. Der Asylverein besitzt bereits 30,699 M. Zum Besuche höherer Lehranstalten, so wie zur Erlernung eines Handwerks oder einer Kunst, dient die I. Levy'sche Stiftung, zahlte