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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-06-21 · Heft 25 (21.6.1888) · p. Seite 397

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 25 (21.6.1888)
Date
1888-06-21
Page
Seite 397 (sequence 13)
Language
German
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397 Ziegler nach abgelegter Prüfung als Rabbiner feierlich entlassen. Frankreich. Paris, 13. Juni. (Privatmitth.) Bekanntlich hatten die Juden der vergangenen Jahrhunderte keine Gelegenheit, die bildenden Künste zu üben, nicht blos weil die Lehre des Judenthums eine große Menge von Gegenständen von der Behandlung durch einen jüdischen Künstler ausschloß, sondern weil den Juden der Eintritt in alle Kunstschulen und Ateliers versagt und die Uebung der Kunst für sie erfolglos war. Bei dieser Entfremdung kann es nicht auffällig sein, daß die Pflege gerade der bildenden Künste unter den Juden in der neueren Zeit sehr langsam vorwärts ging, und wir werden gewissermaßen durch den heutigen Stand auf diesem Gebiete überrascht. Der Pariser Salon von 1888 bringt uns hierüber erfreuliche Kunde. Wenn vordem unsere Glaubensgenossen höchstens als Medailleurs und Petschaftstecher, sowie als Demantschleifer einen Ruf genossen, so liegt jetzt eine ganze Anzahl Juden allen Zweigen der bildenden Künste ob. Die Arcb. isr. geben ein Register der jüdischen Aussteller, deren Werke im diesjährigen Salon ausgenommen worden. Diese Mittheilung kann durchaus als authentisch angesehen und nur vorausgesetzt werden, daß einige übersehen worden sind. Es haben nun in der Malerei 37 Juden ausgestellt, worunter 10 Damen; in Zeichnungen, Cartons rc. 17, worunter 7 Damen, in der Bildhauerei 18, wovon 6 Damen, in der Architektur 1. in der Kupferstecherei 5, wovon 2 Damen, also zusammen 77 Aussteller, unter denen 26 Damen. Es ist dies gewiß eine ansehnliche Zahl, noch dazu, wenn man bedenkt, daß hier doch nur Franzosen und Französinnen, vielleicht auch Belgier, mit ihren Werken aufgetreten sind. Am erfreulichsten ist, daß auch die Bildhauerei bereits eine .so ansehnliche Zahl Jünger aus den Reihen unserer Glaubensgenossen zählt. Werfen wir nun einen Blick auf die von diesen Künstlern und Künstlerinnen behandelten Gegenstände, so ist das Resultat weniger bedeutend. Die gegenwärtige Kunstrichtung in Frankreich geht auf das Realistische hin, was, wir gestehen offen, uns, mit geringen Ausnahmen, als der Zug zum Mittelmäßigen scheint. Und dieser Richtung gehören alle die Gegenstände der aufgeführten jüdischen Künstler an: Genre, Landschaften nach den Jahreszeiten und Porträts bilden die Gegenstände, die sie behandeln. Ebenso wenig erfreulich ist es, daß sich sämmtliche 77 mit einer einzigen Ausnahme von biblischen und jüdischen Gegenständen fern halten, während in den übrigen Theilen der Ausstellung etwa 34 Künstler biblische und jüdische Gegenstände darstellten. Dieses Fernhalten von Gegenständen, von welchen man voraussetzen sollte, daß sie ihnen nahe lägen, deutet auf eine gewisse Absichtlichkeit hin, die uns nur betrüben kann. „Weß das Herz voll ist, deß fließt es über." Zeigt sich hiervon aber gar nichts, so müssen wir auf den Mangel alles Gefühles für Religion und Abstammung schließen. Hierdurch allerdings erscheinen uns diese Producte recht gleichgültig und das ganze Resultat hat für uns nur die Bedeutung des Nachweises, daß auch die Uebung der bildenden Künste unter uns heimisch geworden. Rußland. Petersburg, im Juni. Die sogenannte Judenkommission beendet ihre Arbeiten am 12. oder 13. Juni. Alle ihre Beschlüsse, welche, wie der „Grashdanin" hört, beinahe ein ganzes Archiv bilden, werden dem Minister des Innern zur Durchsicht vorgelegt. Das von der Judenkommission ausgearbeitete Gesetzprojekt über den Wucher befindet sich gegenwärtig, wie demselben Blatt mitgetheilt wird, zur Durchsicht beim Justizminister, worauf es beim Reichsrath eingebracht werden soll. — Gegen 600 fremde Juden sind bereits aus Odessa »ach der westlichen Grenze gesandt worden und mehr werden ihnei« folgen. Die Unglücklichen gehören fast alle den ärmeren Klassen an. Bonn, 17. Juni. (Notizen.) Man schreibt uns aus Haigerloch (Hohenzollern): Unser Rabbiner vr. Spitz hat einen Ruf nach Gailingen angenommen. Es ist fraglich, da die Mittel der Gemeinde nicht ausreichen, ob wieder ein Rabbiner angestellt wird; aus demselben Grunde hat auch Hechingen keine» Rabbiner mehr. — Man schreibt aus Berlin: Die hiesige Gemeinde L'ns L'ritki, die mit dem Orden gleichen Namens nicht in Verbindung steht, sondern nur den gleichen Namen führt, hat den Herrn vr. Croner, Rabbiner in Brandenburg, zu ihrem Rabbiner gewählt, und dieser hat den Ruf angenommen. — Wie der „Moniteur de Rome" meldet, hat der bekannte Wunderrabbi von Sadagora, Rabbi Israel Jsrolka, dem seine Anhänger das Prädicat des „Heiligen" beilegen, dem Papste eine kostbare alte Bibel als Jubiläumsgeschenk übersendet. Der Papst hat das Geschenk angenommen und dem Rabbi seinen Dank übermitteln lassen. Potsdam, im Juni. (Literarische Notizen.) Hundertundzwanzigjähriger Doppel-Kalender von Ur. Max Simon. (Berlin 0., Boas Nachfolg.) Ein unentbehrliches literarisches Requisit in jeder Familie ist der Kalender, gleichzeitig ein Wahrzeichen der Ordnung und Sicherheit im allgemeinen Haushalt des Lebens. Feste und Gedenktage, Vorausbestimmungen und Erinnerungen, Geschichtliches und Persönliches weisen nothwendig auf den Kalender hin, um sich durch denselben beglaubigen zu lassen. Von besonderem

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