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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-06-21 · Heft 25 (21.6.1888) · p. Seite 393

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 25 (21.6.1888)
Date
1888-06-21
Page
Seite 393 (sequence 9)
Language
German
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893 den (Konferenzen jüdischer Lehrer sind durch Geldzuwendungen gefördert worden. Erstrebung eines gleichmäßigen Systems der definitiven Anstellung und der Pensionirung der Gemeindebeamten, sowie der Fürsorge für deren Hinterbliebene. In Erfüllung dieser Aufgabe hat der D.-J. G.-B außer kleineren Stiftungen, insbesondere der Philippsonstiftung, aus Anlaß der silbernen Hochzeit des Erlauchten Kronprinzenpaares am 25. Januar 1883 die „Friedrich-Wilhelm-Victoria- Stiftung, Central - Versichernngs- und Pensions-Casse für jüdische Gemeindebeamte" in das Leben gerufen. Dieselbe bezweckt, die Selbstthätigkeit der jüdischen Gemeindebeamten dahin anzuregen, zu befördern und zu unterstützen, daß durch geeignete Versicheruugsnahmen einerseits den Beamten selbst für die Zeit der Dienstuntüchtigkeit resp. des vorgerückten Lebensalters eine Pension, andererseits den Angehörigen der Beamten nach dem Tode des Familienhauptes eine Beihilfe gewährt wird. Als erstrebenswerthes Ziel wird hierbei aufgestellt, daß ein Drittel der Prämienbeiträge von dem zu Versichernden, ein zweites von seiner Gemeinde, das letzte von der Bundescasse beigesteuert wird. Die Versicherung geschieht theils bei den vorhandenen Provinzial- und Localhilfscassen, theils und vor Allem bei der Allgemeinen Verficherungs-Actiengesellschaft „Victoria" zu Berlin, mit welcher der Ausschuß unter besonders günstigen Bedingungen einen Vertrag abgeschlossen hat. Schon jetzt sind durch unsere Vermittelung gegen 200 Lehrer mit ca. 750,OJO Mark versichert. Es wird den Dclegirten obliegen, dahin zu wirken, daß die Gemeindebeamten von der Versicherung möglichst umfassenden Gebrauch machen, und daß die heimische Gemeinde das zweite Drittel der Prämie zuschießt. Hierbei wird darauf aufmerksam gemacht, daß die „Victoria" jedem Versicherungsnehmer, welcher Mitglied des Bundes oder einer Bundesgemeinde ist, vertragsmäßig Vergünstigungen gewährt und einen Theil des Gewinnes, welchen sie erzielt, der Fr.- W.-V.-St. vergütet. Im vorigen Geschäftsjahre zahlte sie auf Grund dessen einen Beitrag von 10,010 Mark. Ein großer Uebelstand für die Lehrer sowohl bei den Religions-, als auch bei den jüdischen Elementarschulen liegt darin, daß dieselben vielfach nur auf Zeit oder auf kurze Kündigungsfristen angestellt werden. Es ist dringend zu wünschen, daß die Gemeinden ftch daran gewöhnen, die Lehrer lebenslänglich oder doch auf längere Kündigungsfristen anzustellen. Nur durch Verallgemeinerung dieses Principes wird es gelingen, tüchtige Lehrer zu erhalten und namentlich junge Leute von guten Anlagen zu veranlassen, sich dem sonst so unsicheren Stande der jüdischen Lehrer zu widmen. (Schluß folgt.) Deutschland. Berlin, II.Juni. (Privatmitth.)Jch weißrechtwohl.dieA. Z. d.J. mischt sich in den Streit der beiden großen christlichen Confessionen nicht; doch werden Sie mir hoffentlich eine Bemerkung aus den jüngsten Tagen hier gestatien. Die Aufführung des „Lutherfestspiels" hat vielen Staub anfgewirbelt. Nachmehrfachen Streichungen durch die Censur und einem Verbot am Abend der Aufführung, kam eine solche doch zu Stande und hat nun die katholischen Blätter zu starken Aeußerungen der Entrüstung veranlaßt. Sie verlangen, daß für Katholiken Anstößiges an die Oeffentlichkeit zn bringen nicht gestattet werde, nm den Frieden der Confessionen nicht zu stören. Dies wäre bei einer confeffionell gemischten Bevölkerung staatliche Pflicht. Sie berufen sich darauf, was wohl die Protestanten empfinden würden, wenn die Katholiken ein Lutherspiel auf führten nach der Auffassung, welche katholische Geschichtsschreiber von Luther, wie sie glauben mit geschichtlicher Treue, wiedergäben u. s. w. Wem drängt sich hierbei nicht die Erinnerung auf an all die Kränkungen, Schmähungen und Verleumdungen, welche schon früher, besonders aber in dem letzten Jahrzehnt, von katholischen und protestantischen Literaten, besonders von Geistlichen, gegen das Judenthum und die Juden in übervollem Maße veröffentlicht worden! Hierzu glauben sich die Herren berechtigt, aber wenn sich irgend ein Stachel gegen sie selbst wendet, dann pochen sie auf das Recht, den confessionellen Frieden erhalten zu sehen. Uns kann man ungestraft beleidigen und verfolgen; aber jedes verletzende Wort gegen Katholizismus und Protestantismus soll aufs Schärfste geahndet werden. Den Juden hat man eine allzu große Empfindlichkeit vorgeworfen: man beweist jetzt, daß man eine solche ausnehmend besitzt. Man hat uns vorgeworfen, daß wir immer nach Polizei riefen; ihrerseits aber verlangen die Herren Censur und Verbot. Nach beiden Richtungen hin sind wir genügend abgestumpft und belehrt worden; doch um so mehr fällt es uns auf, daß man die an uns gerügten Fehler jetzt so oft bethätigt. Den Frieden der Confessionen verlangt man, und gewiß mit Recht, auf- 25

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