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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-06-14 · Heft 24 (14.6.1888) · p. Seite 376

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 24 (14.6.1888)
Date
1888-06-14
Page
Seite 376 (sequence 8)
Language
German
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376 behaltene provisorische Anstellung aus der Welt zu schaffen, und zwar so, daß nach einem Provisorium überall ein Definitivum folgen müsse. Man könnte sich nun einbilden, daß dies am ehesten durch die Lehrer selbst verwirklicht werden könnte, wenn sie sich dahin vereinigten, eine solche provisorische Stellung bei einer Gemeinde, welche das spätere Desinitivum in den Vertrag nicht aufnehmen wolle, nicht anzunehmen. Dies ist aber unserer Erfahrung gemäß nicht zu erlangen, es wird eine solche Vereinigung niemals zu Stande kommen, da sich immer genug Lehrer finden, welche derartige Stellen doch annehmen, wenn sie gegen ihre bisherigen vortheilhaft sind. Auch der allgemeine jüdische Lehrertag wird dies nicht durchsetzen und hiermit eines seiner Hauptziele verfehlen. Petitionen an die gesetzgeberischen Faktoren werden, wie die Erfahrung ebenfalls gelehrt, bei dem Stande der Ansichten in den maßgebenden Kreisen über die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden nichts ausrichten. Und noch Eines müssen wir offen aussprechen. Wer die allgemeinen deutschen Lehrertage aufmerksam verfolgt hat, möchte wohl erkannt haben, daß diese vorzugsweise einen entschiedenen Zug zu utopistischen Ansichten bewähren. Das Bewußtsein, ein so großes Reich gewissermaßen zu vertreten, und da die Hauptredner zumeist gut gestellte Männer aus großen Städten sind, bringt sie dahin, die wirklichen Verhältnisse zu verkennen und unerreichbare Ziele anzustreben. Wir erinnern z. B. an die Resolution des jüngsten deutschen Lehrertages zu Frankfurt a. M., welche verlangte, daß in der Volksschule die Gesetzgebungskunde und der Unterricht in der Volkswirthschaft Lehrgegenstände sein müßten. Theoretisch klingt dies ja recht schön, aber für die Praxis ist es unerreichbar. Die Volksschule hat schon jetzt — und die jüdische Elementarschule gewiß — der Lehrgegenstände genug. Das schulpflichtige Alter befaßt Kinder, die für die gedachten beiden Lehrgegenstände durchaus nicht befähigt sind. Jene wichtigen Disziplinen könnten nur in den Fortbildungsschulen Raum finden, und diese sind auch schon genügend überbürdet. Soweit unsere Beobachtung geht, haben sich mit richtigem Takte unsere Lehrervereine von solchen Utopien frei gehalten und sich nur auf ihrem praktischen Gebiete getummelt. Ob dies auch einem allgemeinen deutschen Lehrertage gelingen würde, ist uns fraglich. Es liegt eben in der Natur der Sache, daß in einer großen und allgemeinen Versammlung der Geist sich über das gewöhnliche Maß hinaushebt und sich in Regionen verliert, in welchen die Wirklichkeit aus den Augen verschwindet. — Wir haben hiermit nur einige Bedenken geäußert, welche diejenigen berücksichtigen mögen, die jene Idee zur Ausführung vorbereiten wollen. Wir werden der weitern Entwickelung mit Aufmerksamkeit folgen. Deutschland. Berlin, 4. Juni. In den hiesigen Blättern wird aus den Mittelschulen (wozu in Preußen die Gymnasien nicht, wie in Oesterreich, gezählt werden) und den höheren Töchterschulen geschrieben: Auffallend verschieden von dem Antheil der einzelnen Religionsbekenntnisse an derGesammtbevölkerung ist der Antheil der Confessionen an der Schülerzahl der Mittelschulen re. Während von der Bevölkerung Preußens 64,4 pCt. evangelisch, 34,0 katholisch und 1,3 jüdisch sind, entfallen von den Schülern der Mittelschulen 85,4 pCt. auf die evangelische, 7,4 auf die katholische und 6,8 auf die jüdische Eonfession. Die „Stat. Corr." meint, ein verhältnißmäßig niedrigerer Antheil der Katholiken an der Mittelschulbevölkerung, als an dem allgemeinen Bevölkerungsverhältniß würde bei der minderen Wohlhabenheit der katholischen Bevölkerung nicht auffallen; bis 7,4 pCt. dürfte dieser Antheil aber nicht herabgehen, wenn nicht ein merklicher Theil der katholischen weiblichen Jugend der wohlhabenderen Bevölkerungsschichten von den öffentlichen Mittelschulen fern gehalten und anderweit erzogen und unterrichtet würde. Berlin, 6. Juni. (Privatmitth.) Der „Deutsch-Israelitische Gemeindebuud" hat, wie früher berichtet worden, am 20. Februar seinen 5. ordentlichen Gemeindetag abgehalteu. Vertreten waren der ostpreußische Gemeindeverband und 68 Gemeinden mit zusammen 79 Stimmen. Hierüber zu referiren erschien soeben Nr. 20 der „Mittheilungen des Bundes". Allein wir haben einen ausführlichen Bericht über Debatten und Beschlüsse, wie er aus den Berathungen der vom Gemeindetage gewählten Redactionscommission hervorgehen wird, erst noch zu erwarten. Dagegen bringt die Nr. 20 einen ausführlichen Bericht über die Versammlung von Delegirten am Tage vorher, in welcher neue Instructionen für die Delegirten berathen und festgestellt wurden. (Der Gegenstand ist von Wichtigkeit und wir werden darüber in nächster Nummer einen ausführlichen Artikel bringen. Red.) Der Rechnungsbericht über die Zeit vom 1. April 1887 bis zum 1. April 1888 weist an Einnahmen M. 38,658 nach, wovon für M. 13,253 Effecten gekauft wurden. Für „Für-

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