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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-06-14 · Heft 24 (14.6.1888) · p. Seite 375

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 24 (14.6.1888)
Date
1888-06-14
Page
Seite 375 (sequence 7)
Language
German
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375 ten nach kaum sechs Jahren büßte und die Thronfolge im Hause Davids sich fortsetzte, ist bekannt. — Es ist hier nicht der Ort, die Institution des Prophetenthums, die seit Samuel eine so großartige Entwickelung erfuhr und unter den Königen zu einer außergewöhnlichen Thätigkeit gelangte, nach ihrer ganzen Bedeutung zu würdigen. Sie beruhte auf dem Geiste des Mosaismus, und die Bertheidigung der Lehre und der Sittlichkeit war ihr Hauptzweck. Gerade deshalb war sie auch berufen, dem Abfall und dem Despotismus der Könige entgegenzutreten und eine Schranke zu ziehen. Hieraus ergiebt es sich, daß die Propheten auch politisch wirksam und zu Zeiten an der Spitze einer oppositionellen Partei stehen mußten. Jndeß bewegte sich dieser politische Einfluß nur auf allge» meinen Bahnen, und es waren nur seltene Augenblicke, in welchen die Propheten einen speziellen politischen Einfluß übten, wie z. B. Jesaias unter Hiskia. Ihre eigentliche Wirksamkeit bestand darin, das Volk oder doch Theile desselben der väterlichen Religion treu zu erhalten. Deshalb wurde diese erhabene Institution auch nicht durch den Fall des Staates hinweggerissen, sondern begleitete das Volk ins Exil und kehrte mit ihm nach Palästina zurück, um den Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels zu fördern. Dies ist das politische Verfassungsleben des Volkes Israel bis zum ersten Exil in seinen Grund- und Hauptzügen, und wer diese Uebersicht aufmerksam liest, wird mit unsrer Ansicht übereinstimmen, daß dieses Leben ein recht reges war, und das Volk eine tüchtige politische Begabung besessen hat. Ein allgemeiner Verein jüdischer Lehrer im deutschen Reiche. Seit einem Bierteljahrhundert sind in fast allen Provinzen und Ländern des deutschen Reiches und des preußischen Staates Vereine jüdischer Lehrer entstanden und in fröhlichem Wachsthum begriffen. Unseres Wissens wachen nur die Provinzen Brandenburg und Sachsen und das Bayerland eine Ausnahme. Viele derselben sind mit Kassen für invalide Lehrer und Wittwen und Waisen der Lehrer vereinigt, und auch diese haben einen sehr günstigen Fortgang. In jährlichen Versammlungen werden die wichtigsten Fragen des jüdischen Lehrerstandes, insbesondere betreffs des Religionsunterrichtes verhandelt und dadurch das allgemeine Interesse für dieselben geweckt. Man kann die günstige Wirksamkeit dieser Vereine und Versammlungen nicht verkennen. Schon nach Außen ist durch sie das Ansehen des jüdischen Lehrerstandes vielfach gestiegen, was gewiß ebenso nothwendig war, die Tradition ein Verbot weiblicher Thronfolge an jMaim. Hilch. Melach. I, 5.), was wohl auch dem Geiste der mosaischen Verfassung entsprach. wie wohlthätig ist. Das Selbstgefühl der Lehrer wird gehoben, und bei der meist gedrückten Stellung derselben ist dies ein rechtes Bedürfnis gewesen. Der in diesem Stande herrschende Geist wird angemessen entwickelt und auf Fortbildung und gründlichere Auffassung des Berufes und seiner Pflichten gelenkt. Wir können sagen, daß wir aus allen diesen Gründen vom ersten Erstehen derselben sie mit allen Kräften unterstützten. Jüngst ist nun von einigen Seiten der Gedanke aufgetaucht, diese Vereine, wenn sie auch gesondert fortbestehen, zu einem allgemeinen Verbände, der das ganze deutsche Reich umfasse, zu vereinigen. Diese Idee hat mehrfach Anklang gefunden, und es scheint uns deshalb angemessen, unsere Ansicht darüber zu äußern. Von vornherein kann man diese Absicht nur billigen. Die Mitglieder dieser provinziellen Vereine würden dadurch aus ihrer Sonderstellung heraustreten, das Gemeinsame an Interessen und Berufsfragen würde sich mehr Herausstellen und somit das Streben nach Erreichung höherer Ziele einen allgemeinen Charakter annehmen; die Eigenthümlichkeiten des Provinziellen würden sich abschleifen und die Fragen, welche den Lehrerstand bewegen, in allgemeinerer Art beantwortet werden. Dies sind Momente, welche die Verwirklichung jener Idee wohl empfehlen könnten. Allein es frägt sich doch, ob die jüdischen Lehrer in ihrer großen Mehrzahl in dem Stande sich befinden, um eine allgemeine Bereinigung in wirksamer Weise zu Stande zu bringen. Zuerst und vor allem würden die Mittel fehlen, um der Mehrzahl oder auch nur einer ansehnlichen Zahl es möglich zu machen, die Kosten großer Reisen nach dem jeweiligen Versammlungsorte zu tragen. Solche reale Hindernisse sind bei dem Vorschlägen derartiger Ideen wohl zu berücksichtigen. Denn ein vereitelter Versuch würde niederschlagend wirken. Es dürften sich da immer nur Lehrer aus der nächsten Umgebung des Versammlungsortes einfinden und damit wäre der Zweck nicht erreicht; vielmehr dürfte dadurch den Provinzialvereinen Schaden zugefügt werden. Wenn man also die Existenzberechtigung eines solchen Verbandes anerkennt, sowohl weil in unserer Zeit die confessionelle Richtung sich so schroff ausgebildet hat, daß z. B. die Katholiken ihre besonderen Vereine pflegen, als auch, weil den jüdischen Lehrern in Bezug auf ihre Stellung und die Gegenstände ihrer Lehrthätigkeit viel Besonderes aufliegt — so kommt es doch für die Ausführung auf die vorhandenen Mittel an. Schon die Provinzialvereine, die doch nur kleinere Reisen erforderlich machen, bedürfen hierzu der Unterstützung des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, dessen Mittel aber zu einem Lehrertage aus dem ganzen deutschen Reiche nicht ausreichen würden. Hierüber müßten sich zuallererst die Unternehmer einer solchen großen Vereinigung Klarheit verschaffen. Ein wesentliches Bedürfniß der jüdischen Lehrerwelt ist und bleibt, die von den meisten Gemeinden noch immer hartnäckig bei-

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