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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-06-14 · Heft 24 (14.6.1888) · p. Seite 374

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 24 (14.6.1888)
Date
1888-06-14
Page
Seite 374 (sequence 6)
Language
German
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374 reichte. Was einst Samuel dem Volke über das Königthum warnend vorausgesagt, ging bereits in Erfüllung: unter den Leidenschaften des Königs geschah es alsbald, daß er die Schranken, welche das Gesetz vorbeugend ihm stellte, überschritt und er, der den Tempel gebaut und geweiht, errichtete auch Götzenaltäre für seine fremdländischen Gemahlinnen. Hiermit verletzte er das, was sein Vater zu einem wesentlichen Elemente seiner Regierung gemacht hatte, die Stärkung des religiösen Bewußtseins im Volke, die Verknüpfung des persönlichen Interesses mit dem Dynastischen. Er entfremdete das Volk beiden. J) Nach dem Tode Salomos brach der Sturm los. Das Ereigniß könnte gewissen Historikern als eine neue Bekundung der politischen Befähigung des israelitischen Volkes, die sie diesem absprechen, anderen wieder als ein Zeugniß für den Freiheitssinn dieses Volkes erscheinen. Wir aber müssen in demselben die erste Ursache des staatlichen Untergangs dieser Nation erkennen. Der Thronfolger begab sich nach Sichem, um sich daselbst vom Volke huldigen zu lassen. Dieses stellte die Forderung, daß der schwere Druck an Abgaben, Diensten und despotischer Willkür, den Salomo ihm auferlegte, erleichtert werde. Rehabeam verweigerte dies, und in Folge dessen rissen sich zehn Stämme vom Hause David ab, bildeten ein eigenes Reich und wählten Jerobeam aus Ephraim zum Könige,während Juda und Benjamin, mit derHauptstadtJerusalem, dem Davidischen Hause treu blieben. So entstand ein Riß in der Nation, der niemals wieder heilte. Hierdurch wurde die Widerstandskraft des Volkes gegen äußere Mächte geschwächt, noch dazu, da zwischen den beiden Reichen ein oft wiederholter Kampf eintrat, der nur bisweilen einen Stillstand, selten eine Verbindung beider Reiche gegen einen gemeinsamen Feind erfuhr. So geschah es endlich, daß zuerst das Reich Israel der assyrischen Macht, später das Reich Juda der babylonischen Macht zur Beute wurde. Denn zu der staatlichen Trennung kam auch die religiöse. Im wohlverstandenen politischen Interesse errichtete schonJerobeam Götzenbilder auf, stellte Priester ausdem Volke an, ordnete Feste zu anderen Zeiten des Jahres an, um das Volk vom Besuche des Tempels zu Jerusalem abzuhalten, wodurch es zur Davidischen Dynastie zurückgeführt werden könnte. Allerdings verblieben immerhin auch im Reiche Israel getreue Anhänger des einzigen Gottes zurück und nicht ganz konnte die Beobachtung des Gesetzes aus der Volkssitte beseitigt werden, wie z. B. die Geschichte Naboths erweist — aber im Ganzen kann man den Abfall der zehn Stämme von der Religion Israels nicht verkennen, und so ist auch das Verschwinden derselben im assyrischen Exil zu erklären. Was nun die politische Verfassung beider Reiche J) Die zu Grunde liegenden Schriftstcllcn sind I. Kön. 4, 1, 5, 11, 9, 11. 20. 26. 10, 22. betrifft, so stellen sie auch in dieser Beziehung ein stark gezeichnetes Gegenbild auf. Im Reiche Juda folgte, bis auf die letzte Zeit, wo fremde Mächte eingriffen, ruhig ein Glied des Davidischen Hauses nach dem anderen auf dem Throne, und dadurch war der innere Friede gesichert. Nur eine Ausnahme fand in der Verschwörung gegen Joas und Amaziu statt. Im Gegentheil war das Reich Israel ein Schauplatz immerwährenden Bürgerkrieges. Die Losreißung von Juda war schon unter Salomo vorbereitet. Der unter den drei ersten Königen verdeckte Zwiespalt der Stämme unter einander, die Eifersucht der anderen, namentlich Ephraims gegen die Obherrschaft des Stammes Juda, fand unter dem Drucke Salomos neue Nahrung. Jerobeam, der im Dienste Salomos sich hervorgethan, reizte zur Empörung an, wurde jedoch zur Flucht nach Egypten genöthigt. Jetzt trat er bei der an Rehabeam gestellten Forderung des Volkes als dessen Vertreter auf und wurde nun vom Volke zum Könige des Zehnstämmereiches gewählt. Dies verhinderte aber nicht, daß bald nach seinem Tode sich unter Führung eines kriegerischen Häuptlings das Volk gegen seinen Sohn und Nachfolger wandte. Und so ging es dann während der ganzen Dauer dieses Reiches zu. Von allen Häuptlingen, die sich zum Könige aufwarfen, überdauerte der Sohn kaum zwei Jahre in der Regierung; er wurde von einem kühnen Empörer gestürzt und getödtet. Die einzige Ausnahme machte die Familie Omri, deren drittes Mitglied gestürzt wurde, und die Familie Jehus. Dieser Bürgerkampf war bisweilen so stürmisch, daß z. B. Simri nur sieben Tage, Schallum einen Monat regierte, weil seine Partei von der Omris besiegt ward.') Aus dem inneren Leben sind uns nur wenige Notizen überliefert. Im Kriege Ahabs mit Syrien wird berichtet (20, 7), daß in der äußersten Noth alle Aeltestcn des Landes vom Könige berufen wurden und daß diese mit dem gesammten Volke zu tapferer Vertheidigung für den König eintraten. So treffen wir auch auf Notizen, die uns bezeugen, daß die mosaische Militärordnung, die Rottenabtheilung, in beiden Reichen bewahrt blieb. 2) Daß die Macht des Herrschers durch das Gesetz doch immer noch eine Beschränkung erfuhr, ersieht man daraus, daß Isabel zu einer List und zu Meineid greifen mußte, um den Erbbesitz Naboths, der ihn nach dem Gesetze nicht verkaufen wollte, an sich zu reißen. So wird auch besonders bemerkt, daß man streng nach dem mosaischen Gesetze die Söhne an der Bestrafung ihrer verbrecherischen Väter nicht betheiligte (2. Kön. 14, 6). Im Reiche Juda geschah es, daß die herrschsüchtige Athalia ihre eigenen Enkel tödtete, um sich die königliche Macht anzueignen.:i) Wie sie diese Greueltha- ') Bergl. 1. Kön. II, 28. 16, 16. 21, i. 2) Bergl. 2. Kön. l, 9. li, 9. 3) Weil 5. Mos. 17, 14. 15 1^0 (nicht auch HD^D) steht, nimmt

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