Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1888)
- Date
- 1888-06-14
- Page
- Seite 373 (sequence 5)
- Language
- German
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373 Die Verfassung -es Volkes Israel. 4. Während des Königthums. (Schluß.) Außer der militärischen Organisation brachte schon unter David das Bedürfniß eine innere, eine Art Ministerium hervor, deren zweimal (2. Sam. 8, 16 und 20, 23) Erwähnung geschieht. Ein Heerführer (wie die Geschichte der Volkszählung erweist, Kriegsminister), ein Haupt der „Crethi und Plethi" (dieses dunkeln Ausdruckes, der immer noch am füglichsten als Leibwache des Königs zu erklären ist) toid Reichskanzler, wahrscheinlich Historiograph, -,did Staatssekretär, zur Ausfertigung der königlichen Befehle, dd~ „über die Steuern", Finanzminister, dann der Hohe- und nächste Priester, Kultusminister, und ein engerer Rath des Königs, aus dessen Söhnen, aber auch anderen Vertrauensmännern (20, 26) bestehend, eine Art Staatsrath. Die unterworfenen Völker mußten Tribut zahlen, wie unter David Edom und Aram, und zwei eroberten Städte wurden Domäne des Königs. — Die Thronbesteigung Salomo's bezeugt, daß das Recht des Erstgeborenen auf die Thronfolge noch nicht bestand, und es auf den Willen des regierenden Herrschers ankam, welchen seiner Söhne er zur Nachfolge bestimme. So heißt es bei dieser Gelegenheit (1. Kön. 1, 20): „Auf dich, o König, sind die Augen des ganzen Israel gerichtet, ihnen zu sagen, wer auf dem Throne meines Herrn nach ihm sitzen solle." Unter der Regierung Salomos nahm die politische und volkswirthschaftliche Entwickelung des Volkes Israel einen außergewöhnlichen Aufschwung. Das Königthum entfaltete sich rasch zum vollen Umfange und nach orientalischer Art. Salomo hielt die Zügel der Regierung straff angezogen und auch die durch seinen Vater unterworfenen Völkerschaften in Abhängigkeit und Tributpstichtigkeit. Er vermehrte das stehende Heer, namentlich die Reiterei, für welche er die Pferde in großer Anzahl aus Egypten bezog und hohe Preise dafür zahlte. Er befestigte viele Städte im ganzen Lande und baute neue Forts. Dadurch sicherte er seinem Volke den Frieden, wie es heißt: In Israel und Juda wohnte Jedermann in Sicherheit unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum. Solche Empörungen, wie sie unter David stattgefunden, kamen unter ihm nicht vor, wozu wohl auch die Strenge beigetragen, mit welcher er gleich zu Anfang seiner Regierung gegen unruhige Köpfe vorgegangen. Ebenso wenig ist unter ihm von Einfällen benachbarter Völkerschaften die Rede, die sich erst viel später wieder ereigneten. Unter dem Segen einer langen Friedenszeit ward der Wohlstand des Volkes sehr gefördert und es entstand ein großer Ueberfluß an Landesprodukten, namentlich an Getreide und Oel, wie die großen Massen von Naturalien beweisen, welche Salomo dem Könige Hiram von Tyrus lieferte. Salomo knüpfte auch enge Beziehungen mit auswärtigen Staaten an, namentlich mit Phönizien und Egypten; verschwägerte er sich ja selbst mit dem Hause der Pharaonen. Nach zweien Richtungen nun zeichnet sich die Regierung Salomos ab: durch seine Baulust und seine Prachtliebe. Er erbaute nicht allein den herrlichen Tempel auf Morijah, sondern auch einen glänzenden königlichen Palast und viele Lustschlösser mit Gärten und Parken bis an den Libanon; seine Befestigungen und Städtebauten haben wir schon erwähnt. Bauarbeiter und Baumaterialien lieferte ihm Phönizien und theilte er diesem dafür außer großen Naturallieferuugen einen umfangreichen Landstrich zu, worüber also der König die freie Verfügung sich gestattete. Allein dies genügte nicht und Salomo legte zur Herstellung seiner Bauten Frohndienstc auf das Volk, wobei betont wird, daß er die Ueberreste der bei der Eroberung Canaans inmitten Israels zurückgebliebenen Völkerschaften zu Fröhnern machte, Niemanden aber aus Israel und Juda selbst. Salomo stellte einen großen Hofstaat her und bildete nach orientalischer Weise die schon unter seinem Vater begonnene Haremswirthschaft unmäßig aus, und entfaltete in allen Stücken eine unbegrenzte Prachtliebe. Die Folge war, daß er auch ein Abgabensystem eiuführte, welches hart auf das Volk drückte. Selbstverständlich erforderte dies neue organische Einrichtungen im Innern. Salomo theilte das ganze Land in 12 Amtsbezirke und setzte in jeden Bezirk einen Amtmann ein, der einen Monat lang den königlichen Hofstaat mit allen Bedürfnissen zu versorgen hatte. Diese Amtsleute waren angesehene Männer, da selbst Schwiegersöhne des Königs sich unter ihnen befanden. Es versteht sich, daß sie ihr Einkommen ebenfalls aus ihrem Amtsbezirke zogen. Neben dem Staatsschreiber, dem Kanzler, dem Heerführer, dem Hohenpriester und seinem Stellvertreter und dem Aufseher über die Frohnen, sowie dem königlichen Rathe setzte Salomo noch einen Obersten über jene l2 Amtleute zu deren Controlirung ein, sowie einen Aufseher über den königlichen Palast. Salomo richtete deshalb seine Aufmerksamkeit auch auf den Handel, der sich im Austausch der Produkte schnell entwickelte, so daß der König als ein echter Finanzkünstler auch den Handel mit Abgaben belegte. Selbst auf Schifffahrt und Seehandel war er bedacht und sanvte im Verein mit phönizischen Seefahrern alle drei Jahre ein „Tharschisch-Schiff" nach Ophir, um kostbare Metalle, Stoffe und Thiere von dort zu holen. Wir sehen also, daß Salomo sein Volk auf Wege leitete, die es bis jetzt nicht gekannt, die aber auch seiner Natur nicht entsprachen. Deshalb fielen auch diese künstlichen Industrien nach seinem Tode bald wieder in Vergessenheit, und seine Ueppigkeit und die übermäßige Anspannung der Volkskräfte hatten einen Druck auf das Volk zur Folge, der dem Reiche zum Verderben ge-