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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-06-07 · Heft 23 (7.6.1888) · p. Seite 361

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 23 (7.6.1888)
Date
1888-06-07
Page
Seite 361 (sequence 9)
Language
German
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361 fehlen. Das Waisenhaus steht unter der Verwaltung eines Kuratoriums, dessen Vorsitzender der Geheimrath Wilhelm Herz ist, und unter der Leitung des Directors Dr. Jutrosinski. — Frankfurt a. M., 20- Mai. (Privatmitth.) Ihre Zeitung führt die Devise „Unparteiisches Organ" und entspricht derselben nach Kräften. Um so eher werden Sie einige Bemerkungen über den Artikel aus hies. Orte über den Bne Berith-Orden Raum gestatten. Es ist nicht richtig, daß derselbe die Geselligkeit, z. B. durch Bankette, vorzugsweise ins Auge faßt. Es finden jeden Donnerstag Zusammenkünfte statt, jedoch ohne alle culinarischen Genüsse, sondern nur um die Berichte der Comitos für wohlthätige Zwecke, für Krankenbesuche, für Stellennachweis u. s. w. in Empfang zu nehmen; besteht doch auch ein Comite für friedliche Beilegung von Streitigkeiten zwischen Mitgliedern. Erlaubt es die Zeit, so werden Vorträge über jüdische Geschichte und Literatur gehalten, alle Diskussionen jedoch über religiöse und politische Fragen sind ausgeschlossen. Geistige Erhebung, Nächstenliebe und freundschaftliche Gesinnung sind die Ziele, denen der Orden nachstrebt. Zum Erweise hierfür führe ich den folgenden Passus aus den Statuten an: „Die Ziele der Vereinigung sind: Die Mitglieder geistig und sittlich zu veredle«, Menschenliebe und Wohlthätigkeit zu fördern, sowie die reinsten Prinzipien der Moral innerhalb der Vereinigung, wie innerhalb der jüdischen Gemeinschaft überhaupt, zur Geltung zu bringen. Sie ist berufen, nach Kräften zu verhüten, daß ihre Mitglieder vom Pfade der Ehre abweichen. Sie soll einen Vereinigungspunkt bilden, zunächst für alle Wohlthätigkeitsbestrebungen unter den Israeliten Frankfurts und insbesondere daraus hinwirken, daß diejenigen Mitglieder, welche an der Verwaltung wohlthätiger Anstalten betheiligt sind, sich bemühen, ein harmonisches Zusammenwirken zu erzielen und event. Verbesserungen herbeizuführen. Sie stellt sich ferner die Aufgabe, durch Wechselverkehr mit den auswärtigen Vereinigungen des Bundes die anderwärts gemachten Erfahrungen hier nutzbar zu machen und ebenso durch die eigenen Erfahrungen nach außen anregend zu wirken. — Sie will sich ferner bemühen, das Bewußtsein der Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft sowohl unter den Mitgliedern der Vereinigung, als auch in weiteren Kreisen, ganz besonders im Hinblick auf die Heranwachsende Generation lebendig zu erhalten. Sie will ihre Mitglieder erforderlichen Falles durch Rath und That unterstützen, sowie den hilfsbedürftigen Wittwen und Waisen derselben helfend zur Seite stehen. — Ein makelloser Charakter und der ernste Vorsatz, das Gute und Edle mit aller Kraft zu fördern, sind Haupterfordernisse für die Zugehörigkeit zu dieser Vereinigung. — Die Erörterung politischer und religiöser Fragen ist absolut ausgeschlossen, jedoch soll seitens der Vereinigung keinerlei Veranstaltung getroffen werden dürfen, welche mit dem jüdischen Religionsgesetz nicht im Einklang steht." Wer Obiges durchlieft und dennoch Anstoß an dem Bestehen unsrer Vereinigung nimmt, dem ist eben nicht zu helfen. Es wäre doch sonderbar, wenn in unsrer Zeit jede Association zu materiellen Zwecken gestattet wäre, dagegen jede Bereinigung zu geistigen, sittlichen und wohlthätigen Zwecken mit scheelen Augen und mit Verdächtigungen betrachtet würde. Bei dem Zerfall und der Zerfahrenheit, welche in der Gegenwart auf allen intellectuellen und gemüthlichen Gebieten herrscht, thut die Verbindung Gleichgesinnter, sobald sie weder in sozialer noch in politischer Beziehung einen Anstoß erregt, erst recht Roth. Oesterreich-Ungarn. Wien, 25. Mai. (Privatmitth.) Um im Volke — ich verstehe darunter alle Schichten desselben — einigen Anhang zu finden, muß sich in einen gewissen Zweck eine Portion mischen, um fanatische Regungen zu wecken. Hiermit ist aber auch gegeben, daß bei allen denen, welchen gerade dieser fanatische Zug fremd ist, oder als schädlich und gefährlich erscheint, Anstoß erregt wird, und hierin findet eine solche Bewegung ihren Gegensatz und Wendepunkt. So hatte Stöcker seinem Antisemitismus die protestantische Orthodoxie und eine, allerdings gestaltlose „christlich-sociale Politik" zu Hilfe gerufen, und hiermit den Widerspruch der Zeit hervorgerufen. Anders der Ritter von Schönerer. Ihm standen jene beiden Momente nicht zu Gebote, und er griff deshalb nach dem deutsch-nationalen Fanatismus, für welchen er innerhalb des heftigen Kampfes der Nationalität, wie er im Kaiserstaate wüthet, vielen Anklang zu finden hoffen durfte. Dies ist aber auch die Klippe, an welcher er scheitern muß. Dieser deutsch-nationale Fanatismus ist geradezu anti-österreichisch und arbeitet direct darauf hin, die österreichischen Deutschen mit dem deutschen Reiche zu verbinden, und zwar nicht etwa in platonischer, sondern in ganz realer Weise. Dies wollen jedoch nur Minoritäten im Kaiserstaate, und die Mehrzahl der Deutschen will vielmehr den Kaiserstaat aufrecht erhalten und in demselben dem Deutschthum sein Recht gewahrt sehen. Ebenso muß die gesammte behördliche Welt jenem fanatischen Streben nach Auflösung des Kaiserstaates entschieden gegenüberstehen. Was nun der politische Unsinn Schönerers nicht allein vermochte, das that sein brutaler Uebermuth hinzu. Zwar leugnete er, von „unserem Kaiser Wilhelm" gesprochen zu haben, und der Gerichtshof nahm es als unerwiesen an, daß Schönerer dieses Ausdruckes sich bedient habe — aber der Vorwand, unter welchem er mit seiner Bande in der Nacht das Redactionslocal des N. W. T. überfiel, hatte vollkommen gleichen Sinn. Das Gebahren seines Ann

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