Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1888)
- Date
- 1888-06-07
- Page
- Seite 360 (sequence 8)
- Language
- German
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360 Deutschland. Bonn, 24. Mai. (Privatmitth.) Die modernste Staatsweisheit scheint eines ihrer wirksamsten Mittel in — der Ausweisung zu finden. Die Vereinigten Staaten weisen die Chinesen aus und lassen Unbemittelte nicht landen; Canada bereitet sich, letzterer Maßregel zu folgen, in England findet dafür eine lebhafte Agitation statt. Frankreich hat schon wiederholt Deutsche ausgewiesen, und Deutschland wird dasselbe mit den Franzosen thun. Wie ausgiebig Preußen die Ausweisung der Ausländer russischer und galizischer Herkunft ausgeübt hat, ist noch in Aller Gedächtniß. Waren doch schreitet schnell!" .... Unsere wirksamste Waffe gegen die jüdischen Hetzer ist die Verbreitung des prophetischen Wortes, das der alte Kaiser Wilhelm an seinem 89. Geburtstage zu seinen Generalen sprach: „Auf meinem Enkel, dem Prinzen Wilhelm, ruht meine frohe Hoffnung für die Zukunft des Vaterlandes. — Für Verlag und Redaction war der Name Theod. Fritsch in Leipzig genannt, als Drucker Hermann Hüthel daselbst. Daß es sich bei diesem Machwerk um keine vereinzelte, sondern um eine organisirte, regelmäßige Agitation handelt, (deren Zielscheibe der Träger der Krone selber ist), geht aus den geschäftlichen Anzeigen am Fuß des Blattes hervor. Daß dem agitatorischen Unfug auf offener unter den ca. 40,000 Ausgewiesenen fast 20,000 Juden, so; Straße Hindernisse in den Weg gelegt worden sind, daß dadurch die jüdische Bevölkerung in Preußen, trotz anist uns nicht bekannt geworden." gemessener Vermehrung an sich, fühlbar vermindert worden, j Es ist offenbar, durch diese Jntrigue soll der zukünftige Welchen Charakter namentlich solche Massenausweisungen? Träger der deutschen und preußischen Krone gegen die Juden tragen, da hier von einem Strafmotiv nicht die Rede sein' eingenommen, ja erbittert werden! Jndeß besitzt der gegenkann, wird die Geschichte dereinst feststellen» insbesondere dem! wärtige Kronprinz Einsicht genug, um den Juden so viel sog. Völkerrechte gegenüber. Bosheit und Dummheit nicht zuzutrauen, gegen den aufzu- Berlin, 30. Mai. Die „Voss. Ztg." schreibt: „Auf treten, der das Geschick Deutschlands und Preußens dereinst den Straßen Berlins wurde heute in Massen ein Flugblatt in seinen Händen hält! Jedem Unbefangenen aber muß diese verbreitet, welches unter der Ueberschrift: „Warum wird der Bande von Antisemiten immer verächtlicher werden! .... Kronprinz Wilhelm verleumdet?" den Zweck verfolgte, den Die Buchhandlung Fritsch in Leipzig macht sich übrigens Kronprinzen als den künftigen antisemitischen Kaiser erscheilängst ein Geschäft aus dem Antisemitismus, ncn zu lassen, in welchem den „unter uns lebenden inter- — Nach dem Berichte über das hiesige Reichenheim'sche nationalen Juden für ihr nichtswürdiges Treiben ein Rächer Waisenhaus der jüdischen Gemeinde (Weinbergsweg Ile.) erstehen werde." Nachstehend einige Satzprobeu aus dem für das Jahr 1887 beliefen sich die Einnahmen auf 50,985 Flugblatt: „.Es sind alle Anzeichen dafür vorhanden, Mark, wovon ungefähr die Hälste aus den Zinsen des Eiserdaß der Kronprinz Wilhelm, sobald er auf den Thron genen Stiftungsfonds floß, während der Zuschuß der jüdischen langt, energisch an der Fortführung der von seinem Großvater begonnenen socialen Reformen arbeiten werde, daß er den bestehenden Mißständen im Staate mit aller Kraft steuern Gemeinde 24,579 Mark betrug. Die Ausgaben für jeden der 74 Zöglinge (46 Knaben, 28 Mädchen) betrugen 676 M. 44 Pf. Von den im verflossenen Jahre entlassenen 7 mämiuud die Schicksale seines Volkes mit Umsicht und bestem licheu Zöglingen (im Alter von 14 - 15 Jahren) haben sich Wohlwollen leiten wird.Auch im Auslande hat die: 5 dem Handwerksstand gewidmet (Conditor, Drechsler, Gürtjüdische Presse das Mißtrauen gegen den jungen Kronprinzen Wilhelm gesäet» indem sie denselben als kriegssüchtig verdächtigte und so die Nationen um uns her gegen das Deutsche Reich verhetzte . . . Das Unglück, welches damit über unsere Nation herauf beschworen werden kann, ist unabsehbar! — Es giebt nur eine Rettung vor diesen drohenden Gefahren, das ist: eine rasche allgemeine Aufklärung des Volkes über die Urheber und die Ziele dieser Fürsten-Verleumdung und ler, Hutmacher, Tapezierer), 2 dem kaufmännischen Beruf; von den 6 Mädchen (15—16 Jahre alt) wurden 2 Schneiderinnen, je eine Putzmacherin, Wäschezurichteri», Kindergärtnerin, eine andere ist in häuslichem Dienste. Durch besondere Stiftungen ist die Anstalt in der Lage, auch den ehemaligen Zöglingen in geeigneten Fällen, hauptsächlich aber den Handwerkern während ihrer Lehrzeit Unterstützungen zu gewähren. Spenden von Wohlthätern haben es ermöglicht, Volks-Aufwiegelung! Nur, wenn rasch eingegriffen wird, läßt! während der Sommerferien auch einige Feriencolonien aussich unermeßliches Unglück abwenden. Jeder verlorene Tag! zusenden, schwächliche Kinder an die See zu schicken und stärkt die Macht der Lüge und fördert den Verrath der Vater-! mehrere Knaben am Handfertigkeitsunterricht im Falk-Realsandsfeinde! Auf Sturmesflügeln muß das klärende Wort i gymnasium theilnehmen zu lassen. Für die nächste Zeit wird von der Alp bis zum Meere fliege»; nur dann läßt sich das! der Bau einer Turn- und Arbeitshalle (besonders für die drohende Verhängniß noch verhüten, denn „Das Unglück , Handfertigkeitsthätigkeit) geplant, wozu allerdings noch Mittel