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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-06-07 · Heft 23 (7.6.1888) · p. Seite 359

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 23 (7.6.1888)
Date
1888-06-07
Page
Seite 359 (sequence 7)
Language
German
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359 nehmen können, war die Bedeutung dieser Salbung, einerseits die Berufung zu einem heiligen Amte, andrerseits, daß von da ab der Geist Gottes auf dem erwählten Könige ruhen werde.') Wir übergehen hier weitere Symbole des Königthums, wie das Diadem, das Armband (2. Sam. 1, 10), wozu, wenn der neue König von einem Propheten gesalbt wurde, die Accolade (Kuß) kan-. — Mit der Einsetzung des Königsthums mußte bald eine neue politische und sociale Entwickelung in Israel beginnen. Das erste Moment bildete ein stehendes Heer. Das mosaische Gesetz hatte die allgemeine Wehrpflicht vom 20. Lebensjahre an eingeführt, und dieses Volksheer in Rotten von 1000, 100, 50 und 10 Mann eingetheilt, eine Einrichtung, die auch wie mehrfache Schriftstellen erweisen, unter de» Königen verblieb. Doch schon unter Moses wurde zum Kriege nicht immer das ganze Volk aufgerufen, sondern nur eine Auswahl getroffen. Längere Zeit konnte bei dem Mangel aller Vorrichtungen eine so große Masse nicht zusammengehalten werden, jedenfalls, wenn der Kampf beendet war, kehrte Jedermann nach Hause zurück. Dem Könige mußte aber bald das Bedürfniß werden, eine Anzahl Krieger um sich zu halten, geeignet, seine Befehle auszuführen und für den Kriegsfall einen Kern des Heeres zu bilden. Schon die Geschichte Saul's bringt Beispiele, wie im ferneren Kriege gegen die Philister, daß das Volk zaghaft war, sich flüchtete und verbarg, so daß Saul mit seiner stehenden Truppe den Kampf allein aufnehmen mußte. Wir hören deshalb schon aus den zwei ersten Regierungsjahren Saul's, daß er „sich 3000 aus Israel wählte" und bei sich behielt, während er „das übrige Volk, Jeglichen nach seinen Zelten entließ" (13, 1). Als er aber, von Samuel aufgefordert, den Vernichtungskrieg gegen Amalek unternahm, rief er das ganze Volk auf und „musterte sie, 200,000 an Fußvolk und 10,000 Mann aus Juda" (15, 4). Aehnlich sammelte David, als er vor Saul floh, eine Schaar von 600 Mann um sich, mit denen er verschiedene Kriegszüge that und die er nach dem i) Das Salböl war also ein Symbol des m~ „des Geistes des Ewigen", worüber s. unser» Commentar zu s. Mos. 8, l. Der Gesalbte hieß deshalb n'ti'D und speciell 'n rWB. Eine solche Salbung wird später auch von Salomo, Joas, Joachas und Jehu berichtet, was zu der Streitfrage veranlaßt hat, ob die Salbung des Königs bei jeder Thronbesteigung oder nur dann statlsand, wenn die Rechtmäßig'eit des neuen Königs bestritte» war. Nach unsrer Meinung fand das erste statt. — Wir wollen hierbei denen gegenüber, welche gegenwärtig das Christcnthum vom Judenthume, das neue Testament vom alten Testamente völlig abtrennen wollen, bemerken, daß das Christenthum selbst seinen Namen den, Judenthume verdankt.! Im vulgären Griechisch heißt zqigo<; (von „bestrichen, gefärbt, übertüncht, gesalbt", im höheren Sinne ist es also eine Uebersetzung j des rrtS'D, welches in der nachbiblischen Zeit den Begriff des Messias,! d. h. des von Gott einst zu sendenden Nachkommen David's als Ec-! lösers des Volkes Israel erhielt. Christenthnm heißt also nichts Anderes als Messiasthum und kann also nur aus den Vorstellungen des Judenthums verstanden werden. Tode Saul's nach Chebron führte. Hier „salbte" ihn der Stamm Juda zum Könige, während die anderen 11 Stämme den Sohn Saul's, Jsboseth, „zum Könige salbten." Es war also eine nochmalige Salbung durch die Aeltesten des Volkes nöthig, um die Anerkennung seitens des letzter» auszudrücken. Die Heere Israels wuchsen also an; die Organisation desselben mit den „Obersten des Heeres" (>n ",t), d. h. nach der numerischen Rottenabtheilung blieb dieselbe, aber es fungirte unter dem Könige ein oberster Feldherr, wie auf Seiten Saul's und Jsboseth's Abner, auf Seiten David's Joab. Das war eine gefährliche Einrichtung, denn diese Feldherren wuchsen den Königen über den Kopf durch ihren unmittelbaren Einfluß auf das Heer. So führt Abner, von Jsboseth abfallend, die Macht David zu, und dieser wagt es nicht, Joab für seine Frevelthaten zu strafen, denn „er sei mächtiger als er, David." Bei den vielen Kriegen David's bildete sich ein Heldengeschlccht aus, Männer, die sich — da die damaligen Schlachten nur in Handgemenge bestanden — durch Stärke und Muth hervorthaten, und von denen wiederholt Kunde gegeben wird. Zuletzt wollte David die Zahl der kampffähigen Männer Israels wissen, und er ließ eine Volkszählung veranstalten, so sehr dies den Gewohnheiten und Meinungen des Volkes widersprach. Es sollen sich in den 11 Stämmen 800,000 und im Stamme Juda 500,000 „Kriegssmänner, die das Schwert zogen", gefunden haben. Auf Genauigkeit ist bei diesen runden Zahlen — man vergleiche sie mit den Zahlangaben im Pentateuch — wie bei anderen nicht zu rechnen. Giebt doch der Chronist 1,100,000 für Israel, für Juda 470,000 Mann an. Am meisten fällt das ungeheuerliche Verhältniß zwischen Juda und den übrigen Stämmen auf, das bei den oben angeführten Zahlen unter Saul ein ganz anderes war. Man müßte annehmen, daß schon damals sich große Theile der übrigen Stämme mit Juda verschmolzen hatten. Wie dem auch sei, man sieht, daß das Militärwesen unter den Königen numerisch eine schnelle Entwickelung genommen — legte doch David schon Besatzungen in die Städte der besiegten Länder — während die Organisation völlig die mosaische blieb.') I) Wer die obigen Angaben in der Schrift selbst Nachsehen will, findet sie 2. Sam. 2, 4. b, 3. 8, 6. 14. 20, 23. 23, 8. (Fortsetzung folgt.)

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