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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-06-07 · Heft 23 (7.6.1888) · p. Seite 358

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 23 (7.6.1888)
Date
1888-06-07
Page
Seite 358 (sequence 6)
Language
German
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358 Verletzung des israelitischen Gottesbegriffes und hegte die Besorgniß, daß die Beschränkung, welche das Gesetz der königlichen Machtvollkommenheit setzte, bald vor dem Streben des Herrschers nach der Vollgewalt fallen würde. Er zeichnete daher dem Volke das Bild des zukünftigen Königthums, welches weder die persönliche Freiheit, noch das Eigenthum der Unterthanen schonen, sondern Alles zu seinem Nutzen verwenden werde. Ueppigkeit der Hofhaltung, ein stehendes Heer, Belohnung seiner Bevorzugten würden das Volk schwer belasten und es sklavisch seinem Willen unterwerfen. Doch das Volk wollte auf diese Verwarnung nicht hören und Samuel gab nach. Was nun die Wahl des ersten Königs betraf, so haben wir zweierlei Angaben: Samuel wählte nach einer inneren, göttlichen Stimme, aber warf auch das Loos (das. 10, 20), und es wurde der Stamm Benjamin, das Geschlecht Matri, und in diesem Saul, der Sohn des Kis, getroffen. Wie dem auch sei, Saul empfahl sich aus zwei Gründen, politisch, weil sein Geschlecht das geringste von allen Geschlechtern Benjamin's und dieser Stamm der kleinste unter allen Stämmen war, und demnach keine Eifersucht zwischen den größeren Stämmen und Geschlechtern hervvrrief, und persönlich, weil er eine sehr stattliche Erscheinung und von besonderer Liebenswürdigkeit war. Samuel versammelte nun das Volk in Gilgal, stellte ihm Saul als erwählten König vor, „da jubelte das ganze Volk und sie riefen: Es lebe der König!" „Dann entließ Samuel das ganze Volk, Jeglichen nach seinem Hause, auch Saul ging nach seinem Hause und mit ihm gingen die Tapferen, deren Herz Gott gerührt." Jndeß geschah dies doch nicht mit llebereinstimmung Aller. Denn „die Nichtswürdigen sprachen: was kann Dieser uns helfen?" und sie verachteten ihn und brachten ihm keine Geschenke. Vorläufig schien man nicht zu wissen, was mit dem Könige geschehen solle, und Saul wußte cs auch nicht. Denn wie uns 11, 5 lehrt, lag er seinen bäuerlichen Geschäften auch weiter ob. Erst die Gefahr mußte dem neuenKönigthume eineGestalt verschaffen. DieAmmoniter fielen ins Land und belagerten Jabes. Eine große Erregung bemächtigte sich des Volkes. Die Nachricht drang zu Saul, der „hinter den Rindern" vom Felde kam. Er sandte Boten durch das ganze Land und forderte alle Mannen auf, sich zum Heere zu stellen. Der Sieg war auf der Seite Saul's und hiermit war sein Verhältniß entschieden. Bemerkt wird, daß man ihn nach seinem Siege aufforderte, sich an denen zu rächen, die ihm ihre Huldigungen versagt hatten, er aber weigerte sich dessen. — Hier kann man fragen: setzte das Volk sich einen König ein mit dem Gedanken einer Erbmonarchie oder sich das fernere Wahlrecht vorbehaltend? Die folgende Geschichte spricht für das Erstere. Denn nach Saul's Tode erkannten sämmtliche Stämme den Sohn Saul's Jsboseth als König an, mit Ausnahme des Stammes Juda. Samuel nämlich hatte bei Saul nicht die erwartete Gefügigkeit und namentlich nicht die strenge Observanz des Gesetzes gefunden, wollte deshalb von einer weiteren Folge aus der Familie Saul's auf dem Königssitze nichts wissen, und salbte — ohne Publikation — David, Sohn Jsai's aus dem Stamme Juda zum zukünftigen König. David trat denn auch nach dem Tode Saul's und Jonathan's als Kronprätendent auf, und der Stamm Juda fiel ihm zu. So bestanden zwei Könige neben einander, bis Jsboseth — ohne Wissen David's — ermordet wurde und nunmehr ohne Berücksichtigung eines Enkels Saul's die 11 Stämnie zu David übergingen. Es liegt uns hier nicht ob, die Zwistigkeiten zwischen Samuel und Saul und die Gründe zu untersuchen, weshalb dieser erste König Israels einen so schlimmen Ausgang nahm. Jedenfalls erhielt das israelitische Königthummit Dadid erst die rechte Entwickelung. Er war es, der einen nationalen Mittelpunkt in Jerusalem schuf, ohne welchen das Königthum nur eine schwankende Existenz haben konnte — wie sich dies auch im römischen Reich deutscher Nation geschichtlich erwiesen hat — aber in echter Erkeuntniß dessen, was das innerste Wesen Israels ausmachte, verband er zugleich mit dem nationalen den religiösen Mittelpunkt, indem er das mosaische Heiligthum nach Jerusalem brachte und diesem eine Stätte weihete, auf welcher sein Sohn den Tempel erbaute. Er sorgte deshalb auch dafür, daß seinem Königthume eine gewisse theokratische Weihe verliehen und die Anschauung im Volke verbreitet wurde, das Geschlecht David's sei ausschließlich und für immer von Gott erwählt, den Thron Israels einzunehmen') (2. Sam. 7, 8 ff.). — Die Einsetzung des Königs wurde vor Allem durch die Salbung vollzogen. Die Bereitung eines „heiligen Salböls" wird 2. Mos. 30, 25 vorgeschrieben, und sollten damit die Geräthe des Heiligthums, die Priestergewänder, der Hohepriester und die Priester gesalbt werden. Daß dies geschah, wird 3. Mos. 8, 10 berichtet. Moses „goß vom Salböl auf das Haupt Aarons und salbte ihn, ihn zu heiligen." In gleicher Weise wird 1. Sam. 10, 1 erzählt: „Samuel nahm die Oelviole und goß auf Saul's Haupt und sprach: Siehe so salbet dich der Ewige über sein Erbe zum Fürsten." Und als Samuel David zum künftigen Könige einsetzen wollte (1. Sam. 16, 13), „nahm Samuel das Oelhorn und salbte ihn und der Geist des Ewigen überkam David von selbigem Tage an und fürder. Von Saul aber wich der Geist des Ewigen." Wie wir aus dieser und anderen Stellen entl) Aus dieser Anschauung, das Haus David mit theokratischem Glanze zu versehen, ist es wohl auch geflossen, daß die Tradition ohne Berücksichtigung des niDNi 5. Mos. 17, 14 und in geradem Widerspruch mit l. Sam. 8 aus ü"!^n ovm B. 15 ein Gebot zog, Israel solle sich nach Eroberung des Landes einen König setzen, während das Schristwort es nur facultativ zuläßt. Sanhedr. 20, 2. Maim. Hilch. Melach. I, l.

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